Kreis Hildesheim - Die Polizeiinspektion Hildesheim hat die Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2021 veröffentlicht. Die Gesamtzahlen stiegen im Vergleich zu 2020 wieder auf knapp 7000. Die Polizei erklärt das mit dem Ausbruch der Coronapandemie 2020 – im Verlauf des Jahres war es zu zwei Lockdowns gekommen, die auf das Mobilitätsverhalten großen Einfluss hatten.
„Mit den 7044 im vergangenen Jahr polizeilich aufgenommen Unfällen sind wir aber noch weit unter den Zahlen aus der Zeit vor Corona“, sagt Erster Polizeihauptkommissar (EPHK) Thorsten Diederich als Vertreter des Leiters Einsatz der Polizeiinspektion Hildesheim anlässlich der Vorstellung der Zahlen. Real betrachtet stiegen die Unfälle von 6806 aus dem Jahr 2020 um 238 Schadensfälle.
Unfälle auf der Autobahnfast halbiert
Baustellen mit engen Fahrstreifen begünstigen häufig Unfälle auf den Autobahnen. Wegen etlicher Großbaustellen im Bereich der PI Hildesheim war im Jahr 2019 mit 1130 Schadensfällen ein Höchststand erreicht worden. Mit 634 Verkehrsunfällen im Jahr 2021 halbierten sich die Unfallzahlen im Vergleich fast. „Die Baustellen sind nicht weniger geworden, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen wie Geschwindigkeitskontrollen zeigen ihre Wirkung“, ist die Einschätzung der Verkehrsexperten der PI. Eines der Kontrollbeispiele: Am 23. Januar 2021 wurde um 16.03 Uhr ein Audi-Fahrer mit Northeimer Kennzeichen auf der A 7 in einer Baustelle mit Tempo 238 gemessen, erlaubt war Tempo 100. Das bedeutete für den Fahrer ein Bußgeld von 700 Euro sowie drei Monate Fahrverbot.
Anstieg der Verkehrsunfälle mit schweren Personenschäden
Mit 162 Verkehrsunfällen, bei denen mindestens eine Person getötet oder schwerverletzt wurde, ist ein Anstieg im Vergleich zu 2020 (148 Unfälle) zu verzeichnen. 2021 gab es bei zwölf Verkehrsunfällen zwölf Verkehrstote (Vorjahr: vier). Allein sechs Unfälle passierten im November/Dezember; acht Unfälle geschahen außerhalb geschlossener Ortschaften verteilt über den ganzen Landkreis, davon drei auf der Autobahn.
Hauptunfallursache Geschwindigkeit steht im Fokus
Die vier Hauptunfallursachen sind Abstands-, Vorfahrts-, Abbiegefehler und die Überschreitung der zulässigen beziehungsweise der nicht angepassten Geschwindigkeit – wobei es bei dieser Ursache im Vergleich zu den drei erstgenannten einen Zuwachs gibt.
In der Polizeiinspektion Hildesheim stiegen die Verkehrsunfälle mit der Unfallursache Geschwindigkeit von 288 im Jahr 2020 auf 438 im Jahr 2021. Von diesen endeten drei Unfälle tödlich und 22 mit einer schwerverletzten Person. Besonders drastisch. so wird in der Statistik aufgeführt, sei ein tödlicher Unfall im Bereich der Ortschaft Nette gewesen, bei dem der Fahrer eines Porsches laut eines Unfallgutachtens mit über Tempo 180 unterwegs war. Auf der Strecke galt Tempo 100.
Im Rahmen der Geschwindigkeitsüberwachung der Polizei Hildesheim wurden im Jahr 2021 insgesamt 11 493 Verstöße geahndet, von denen 1052 im Fahrverbotsbereich lagen.
Risikogruppe „Junge Erwachsene“ weiter im Blick
Von den 438 Unfällen wegen eines Geschwindigkeitsverstoßes wurden 127 laut der aktuellen Statistik von sogenannten „Jungen Erwachsenen“ in der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren verursacht. Bei zwei Unfällen überlebten die Verursacher nicht. EPHK Diederich: „Es zeigt sich wieder, dass die Verkehrssicherheitsarbeit der Polizeiinspektion Hildesheim sich nicht nur, aber auch weiter an den Risikogruppen orientieren wird“.
Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss sinken
„Die Fahrtüchtigkeit ist ein Schwerpunktthema in der Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei Niedersachsen für das Jahr 2022. Sie ist ein Grundprinzip der Teilnahme am Straßenverkehr und deren Einhaltung werden wir weiterhin mit vielfältigen präventiven und repressiven Maßnahmen begegnen“, teilt Diederich weiter mit. 2021 sanken die Unfallzahlen, bei denen ein Beteiligter oder eine Beteiligte alkoholisiert war, auf 90 (2020 waren es 105). Zwei Unfälle endeten tödlich. Außerdem gab es 276 folgenlose Trunkenheitsfahrten ab 0,5 Promille. Unter Drogeneinfluss wurden im vergangenen Jahr 247 Autofahrerinnen und -fahrer erwischt.
Gesamtzahl der Baumunfällesinkt weiter
Gegen den Landestrend sanken die Baumunfälle im Jahr 2021 auf 93 (Vergleichsjahr 98). 66 davon passierten außerhalb geschlossener Ortschaften. Im Bereich der Polizeiinspektion Hildesheim starben im Jahr 2021 drei Menschen bei Baumunfällen (Vergleichsjahr 0) und 29 wurden schwer verletzt (Vergleichsjahr 21). Durch ganzheitliche Verkehrskontrollen würden nicht nur Unfallursachen, sondern auch deren Folgen bekämpft, heißt es in der Statistik. Im Jahr 2021 wurden 1016 Handy- und 1631 Gurtverstöße geahndet.
Wildunfälle
Wildunfälle, verteilt über den gesamten Landkreis inklusive der Autobahn, nehmen mit über 13 Prozent von der Unfall-Gesamtzahl einen hohen Anteil ein. Mit 933 Kollisionen war die Zahl zum Vorjahr mit 910 fast gleich. Die Polizeiinspektion Hildesheim beteiligt sich mit zukünftigen Jahresvergleichen an einem Projekt des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Es soll die Wirksamkeit von olfaktorischen Vergrämungsmitteln, also handelsüblichen, für Wildtiere unangenehm riechenden Substanzen, zur Wildunfallvermeidung getestet werden.
Radunfälle
Im Rahmen der Verkehrssicherheitsarbeit war der Radverkehr (Fahrrad und Pedelec) das Leitthema 2020 und ist es auch 2021 im Land Niedersachsen gewesen. Innerhalb des Hildesheimer Zuständigkeitsbereichs der Polizei waren keine signifikanten Steigerungen der Unfallzahlen zu verzeichnen. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 259 Unfälle mit Radfahrenden (Vorjahr 258). Dabei wurden ein Radfahrer tödlich, 27 schwer- und 146 leicht verletzt. Bei den Unfällen mit Pedelecs erlag ein Fahrer seinen Verletzungen, sechs wurden schwer- und 15 leicht verletzt.
Im Rahmen der Verkehrsüberwachung wurden im Bereich Hildesheim 2639 Fahrräder kontrolliert, von ihnen wiesen 919 technische Mängel auf. 1369 Radfahrerinnen und -fahrer begingen rechtliche Verstöße. Hauptsächlich, so weist es die Statistik aus, wurde während der Fahrt mit dem Handy telefoniert oder der Radweg in falscher Richtung befahren. 451 Pedelecfahrerinnen und -fahrer wurden kontrolliert. Auch von ihnen wurde oft der Radweg in falscher Fahrtrichtung benutzt – oder die erforderliche Beleuchtung war nicht eingeschaltet. 59 Pedelecs wiesen technische Mängel auf.
Geringe Anzahl von Verkehrsunfällen mit E-Scootern
Die Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge regelt die rechtlich ordnungsmäße Verwendung der sogenannten E-Scooter. Im Stadtgebiet Hildesheim bieten zurzeit drei Firmen etwa 900 Fahrzeuge zur kostenpflichtigen Nutzung an. Bei 29 der Polizei bekanntgewordenen Unfällen wurde eine Person schwer-, elf wurden leicht verletzt. 37 Lenkerinnen und Lenker waren bei Kontrollen alkoholisiert unterwegs, 28 standen unter Drogeneinfluss.
Verstärkte Kontrollen
Im Jahr 2022 liegt bei der Polizeiinspektion Hildesheim der Fokus weiter auf der Bekämpfung der Hauptunfallursachen und hier besonders auf dem Schwerpunkt der Überprüfungen der Fahrtüchtigkeit. „Jeder Verkehrsteilnehmende kann durch sein eigenes Verhalten, durch Rücksichtnahme und Umsicht zur Verkehrssicherheit beitragen – jeder muss sich seiner Verantwortung im Straßenverkehr für andere und sich selbst bewusst sein“, sagt EPHK Diederich.
Die Kontrollen zur Überprüfung der Fahrtüchtigkeit beinhalten das Erkennen von Alkohol-, Drogen-, Medikamentenmissbrauch oder von körperlichen Einschränkungen.
