2:0 gegen Delmenhorst vor 3690 Zuschauern

„Unglaublich!“ So feiert der VfV 06 Hildesheim den Pokalsieg und den Einzug in den DFB-Pokal

Hildesheim - Es ist vollbracht! Die Fußballer des VfV Borussia 06 Hildesheim gewinnen am Samstag den Landespokal und qualifizieren sich für den DFB-Pokal – erstmals seit 47 Jahren.

Hildesheim - „Tooooor in Hildesheim!“ Und Fußball-Deutschland schaute zu. Die ARD-Live-Konferenz der Landespokal-Finalspiele lief sieben Minuten, da meldete sich Kommentator Michael Maske aus dem Friedrich-Ebert-Station. Im Niedersachsen-Endspiel hatte Can Gökdemir den VfV Borussia 06 Hildesheim gegen Atlas Delmenhorst früh in Führung gebracht und legte den Grundstein zum späteren 2:0-Erfolg, der von der Mannschaft und den 3200 Hildesheimer Fans euphorisch gefeiert wurde. Insgesamt waren 3690 Zuschauer im Stadion, knapp 500 Fans waren aus Delmenhorst gekommen.

Fußball-Deutschland schaut zu: „Toooor in Hildesheim!“

„Ich habe darauf spekuliert“, sagte 1:0-Torschütze Gökdemir. „Ich habe gesehen, dass der Verteidiger einen Rückpass zum Torwart spielen wollte und bin losgelaufen.“ Der Rückpass von Yunus Sari geriet zu kurz, der VfV 06-Stürmer erlief den Ball, umkurvte Atlas-Torwart Damian Schobert und schob den Ball aus recht spitzem Winkel ins Tor – ein Start nach Maß für die Borussen, und im Stadion wurde es richtig laut.

Den richtigen Riecher hatten auch die VfV 06-Trainer Marcel Hartmann und Björn Kollecker gehabt. Sie beorderten Gökdemir und Fred Mensah in die Sturmspitze, Finn Kiszka saß zunächst auf der Bank. Mensah war es, der in der 55. Minute zum 2:0 für Hildesheim traf. Nach Vorlage von Gökdemir nahm er aus zwölf Metern genau Maß. Vom Innenpfosten sprang der Ball ins Tor. War etwas Glück dabei? „Nein“, meinte Mensah schmunzelnd. „Es war ein Tor mit Auge.“

Ich habe darauf spekuliert

Can Gökdemir, Torschütze zum 1:0

Nach der frühen Führung zogen sich die Borussen etwas zurück. Delmenhorst drückte, kam aber nicht zu Torchancen. Die Hildesheimer Abwehr mit den Routiniers Yannik Schulze, Niklas Rauch, Mohammad Baghdadi und Hassan El Saleh stand sicher. Zudem arbeiteten die Gastgeber gut gegen den Ball und gewannen viele Zweikämpfe im Mittelfeld. Nach 30 Minuten ging ein Raunen durchs Stadion, als der Ball nach einem strammen Schuss von Mensah knapp am Tor vorbeistrich. Erhan Yilmaz hatte vorgelegt. Mit dem 1:0 ging es in die Pause.

Auch der Präsident des Norddeutschen Fußball-Verbandes und DFB-Vize Ralph-Uwe Schaffert war da. „Als Präsident muss ich neutral sein“, meinte er. „Aber als Hildesheimer und VfV 06-Mitglied schlägt mein Herz natürlich für die Borussen.“

Der VfV 06 hat alles im Griff

Zehn Minuten waren in der zweiten Halbzeit gespielt, da meldete sich ARD-Kommentator Maske wieder lautstark zu Wort: „Toooor in Hildesheim!“ Nach Mensahs Treffer zum 2:0 rückten der Pokalsieg und die Qualifikation für den DFB-Pokal in greifbare Nähe. Die Mannschaft machte klar, dass sie sich den Triumph nicht mehr nehmen lassen würde. Aggressiv gingen die Borussen in die Zweikämpfe und setzten immer wieder Akzente nach vorn. In der 69. Minute war es abermals Mensah, der abzog. Der Ball flog einen Meter am Tordreieck vorbei.

Klar drängten die Gäste nun auf den Anschlusstreffer, aber mehr als eine optische Überlegenheit sprang nicht heraus. In Tornähe fehlten Atlas die Durchschlagskraft und Kreativität. „Wir haben den Gegner im Griff gehabt und nichts zugelassen“, freute sich Hartmann. „Genau das war unser Plan – und die Mannschaft hat ihn hervorragend umgesetzt.“ Tatsächlich war es ein Erfolg der taktischen Disziplin und des unbedingten Willens, den Pokal in Hildesheim zu behalten.

Als Präsident muss ich neutral sein, aber als Hildesheimer und VfV 06-Mitglied schlägt mein Herz natürlich für die Borussen

DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert

Man hatte in der verbleibenden Spielzeit eigentlich nie das Gefühl, dass da noch etwas anbrennen könnte. Und so stimmten die Anhänger schon 15 Minuten vor Spielende die ersten Siegesgesänge an: „Hier regiert der VfV!“ Als nur noch wenige Minuten zu spielen waren, umarmten sich Hartmann und Kollecker und die Ersatzspieler hüpften auf der Bank. Als der gute Schiedsrichter Marco Scharf aus Cuxhaven das Finale abpfiff, stürmten alle aufs Feld.

„Unglaublich“, meinte Hady El Saleh und lief mit seinen Kollegen jubelnd in Richtung Stehränge, wo sie von den Fans ausgelassen gefeiert wurden. Nach etlichen La-Ola-Wellen, Siegertänzchen und Bierduschen war es endlich soweit: Die Besucher im Stadion und viele weitere Zuschauer an den TV-Geräten sahen, wie Ralph-Uwe Schaffert den Pokal an VfV 06-Kapitän Hassan El Saleh überreichte, der die Trophäe jubelnd in die Höhe stemmte.

Trainer Kollecker und Geschäftsstellenleiter Björn Rührer hatten Tränen in den Augen. Sie verlassen den Verein. Einen schöneren Abschied hätten sie sich nicht vorstellen können. Dann packte VfV 06-Präsident Michael Salge die frisch bedruckten Pokalsieger-Shirts aus. Auch für ihn war es ein emotionaler Tag. Dieser Erfolg ist eine Belohnung für seine langjährige Arbeit für den Verein. „Da fällt eine Last von den Schultern“, sagte Salge. Auch Atlas-Manager Bastian Fuhrken umarmte ihn. Die beiden pflegen ein freundschaftliches Verhältnis. „Hildesheim hat es verdient“, erklärte Fuhrken fair und neidlos.

Atlas hatte sich in den vergangenen fünf Jahren zweimal für den DFB-Pokal qualifiziert, jetzt war Hildesheim einfach mal dran. Seit 47 Jahren wartete die Stadt darauf. „Endlich gibt es neue Helden“, meinte Frank Reichel. Als Torwart erlebte er das letzte DFB-Pokalspiel des VfV mit. 1977 gab es in der dritten Runde eine 0:6-Niederlage beim HSV.

Wunschgegner HSV?

Apropos: „Der HSV wäre vielleicht der richtige Gegner“, meinte DFB-Vize Schaffert und grinste schelmisch: „Da könnte man vielleicht sogar gewinnen.“ Am kommenden Samstag wird man schlauer sein. Dann wird in der ARD-Sportschau die erste Runde im DFB-Pokal ausgelost – und der VfV Borussia 06 Hildesheim ist mit drin im Topf.

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