Hildesheim - Die Diskussion um die mögliche Umwandlung von zwei städtischen Realschulen, vielleicht auch einer Hauptschule bis 2027 in Oberschulen, ist in der Politik angekommen. Eine Arbeitsgruppe, in der neben Vertreterinnen und Vertretern der drei betroffenen Schulen auch die Stadtverwaltung, das Regionale Landesamt für Schule und Bildung (RLSB) sowie weitere Fachleute beteiligt waren, hat ihre Arbeit beendet. Nun geht die Diskussion in den Fraktionen los.
Über die Vorschläge wie über erste Ergebnisse wird allerdings momentan noch weitestgehend Stillschweigen gewahrt. Auch deshalb, weil die anstehenden Schritte erhebliche Folgen nach sich ziehen könnten. Wenn die Stadt eine oder sogar mehrere ihrer Schulen in Oberschulen umwandelt, stünden dort erhebliche strukturelle, vermutlich auch räumliche Veränderungen an. Sollten die Renataschule in Ochtersum und die Realschule Himmelsthür sowie die Hauptschule Geschwister Scholl ihre Formen behalten, wäre die Stadt gezwungen, auf die stark steigenden Zahlen an der Geschwister-Scholl-Schule zu reagieren. Einer der Vorschläge, die in einigen Wochen öffentlich präsentiert werden sollen, wird deshalb auch der Neubau einer weiteren Hauptschule sein. Geschätzte Kosten: 30 bis 40 Millionen Euro. Hildesheims Schuldezernent Malte Spitzer, in dieser Sache zugeknöpft wie alle anderen Beteiligten, spricht von einem „sehr komplexen Projekt“. Am Ende werde die Verwaltung auch eine Empfehlung aussprechen. Allerdings noch nicht jetzt.
Gegenwehr vor allem im Umfeld der Realschule Himmelsthür
Deutlich wird die Brisanz des Themas auch an der erheblichen Gegenwehr, die sich vor allem im Umfeld der Realschule Himmelsthür formiert hat. Der Ortsrat etwa hatte bereits im Dezember einen einstimmigen Beschluss gegen die Umwandlung der Realschule Himmelsthür gefasst. Der Ortsrat in Ochtersum hatte einen entsprechenden Antrag des Ortsbürgermeisters allerdings abgelehnt.
In Himmelsthür ist die Gegenwehr insgesamt deutlich intensiver als in Ochtersum oder in der Nordstadt, dem Standort der Geschwister-Scholl-Schule. Bilal El-Trabolsi etwa, Vater einer Achtklässlerin der Realschule Himmelsthür, hat Mitte März eine Onlinepetition gegen die Umwandlung der Realschule in eine Oberschule gestartet. 187 Menschen unterzeichneten bis Freitag. El-Trabolsi ist Elternvertreter an der Realschule und arbeitet zudem für die Eltern der Stadt im Schulausschuss mit. „Die geplante Umwandlung der Realschule Himmelsthür ist ein schwerwiegender Eingriff in das bestehende Bildungsangebot in Hildesheim – und betrifft direkt die Zukunft unserer Kinder“, argumentiert der Vater in der Petition, die an Oberbürgermeister Ingo Meyer gerichtet ist. Die Realschule stehe seit Jahren für ein klares Bildungsprofil, verlässliche Strukturen und gezielte Förderung. Viele Familien entschieden sich bewusst für diese Schulform. „Diese Wahlmöglichkeit soll nun eingeschränkt oder ganz genommen werden.“
Mehr als 600 Schüler an der Geschwister-Scholl-Schule
Vor rund 15 Jahren gab es schon einmal einen Vorstoß, die beiden städtischen Realschulen zu Oberschulen zu machen. Damals wehrten sich die beiden Bildungseinrichtungen noch erfolgreich.
Ob sie dies erneut bewerkstelligen können und ob es überhaupt erforderlich sein wird, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Laut Spitzer sind noch alle Möglichkeiten offen: Es könnten alle drei Schulen Oberschulen werden, einzelne – oder eben gar keine. Dann allerdings wäre die Stadt gezwungen, schnellstens auf die steigenden Zahlen der Hauptschüler zu reagieren. Schon jetzt besuchen mehr als 600 Mädchen und Jungen Hildesheims einzige Hauptschule. Nach einem anfangs üppigen Raumangebot nach dem Umzug in die Nordstadt hat die Stadt schon vor geraumer Zeit damit begonnen, wieder Klassen in Containern unterrichten zu lassen. Im Rathaus geht man davon aus, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den kommenden Jahren auf bis zu 700 steigen könnte.
Kommentar: Stadt muss transparent agieren
Vor 15 Jahren hat Niedersachsen den Weg für Oberschulen im Land freigemacht. Heftige Proteste begleiteten diesen Schritt damals – ganz ähnlich sieht es heute in Hildesheim aus, wo derzeit intensiv und bisher noch hinter verschlossenen Türen darüber diskutiert wird, ob die beiden Realschulen der Stadt, vielleicht sogar zusätzlich die Hauptschule Geschwister Scholl, in Oberschulen umgewandelt werden sollen. Ob die verschlossenen Türen dabei besonders hilfreich sind, ist fraglich. Ganze Schulgemeinschaften mit Hunderten Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften befinden sich gerade im Ungewissen. Die Stadt muss schnell transparent agieren, damit sie nicht länger als nötig in der Luft hängen. Die Zeit drängt, denn die Zahl der Hauptschüler steigt in Hildesheim von Monat zu Monat. Und Unterricht in Containern, wie es ihn gerade wieder zunehmend in der Nordstadtschule gibt, ist auf Dauer niemandem zuzumuten. Hildesheims Ratspolitikerinnen und -politiker stehen demnächst vor einer unbequemen Entscheidung: Entweder Schulen umzuwandeln und die ohnehin schon vorhandene Unruhe in den Schulgemeinschaften weiter zu entfachen. Oder aber auf anderem Weg für mehr Platz für Hauptschüler zu sorgen. Das wäre dann wohl das nächste Millionenprojekt der Stadt.

