Taugt’s

Unser Test: So schmeckt’s bei der Eis-Insel an der Hildesheimer Matthiaswiese

Hildesheim - Nicht 1A-Lage, aber ein Geheimtipp ist die Eis-Insel an der Matthiaswiese trotzdem schon lange nicht mehr. Die Moritzberger lieben das Eis von Altaf Hussein. HAZ-Redakteur Johannes Krupp hat es getestet.

Die Eis-Insel an der Hildesheimer Matthiaswiese ist sehr beliebt. Foto: Johannes Krupp

Hildesheim - Ich raste aus. Der Typ von den Stadtwerken hat mich einfach zugeparkt. Nichts geht mehr, für bestimmt drei Minuten. Warum erzähle ich das? Weil mir mal ein sehr bekannter Hildesheimer Gelatiere verraten hat, dass Eis nicht schnell anfangen darf zu tropfen. Wenn es schnell schmilzt, dann sei die Qualität mies: der Wasseranteil zu hoch, falsche Temperatur.

Das Eis von Altaf Hussein hat diesen Test aber auf jeden Fall mit Bravour bestanden. Zwei Kugeln der Sorten „Oreo“ und „Erdnuss-Karamell“, die ich mir für den hungrigen Jugendlichen für zu Hause einpacken ließ und während meines hitzigen Monologs auf dem Beifahrersitz warten, sind auch zehn Minuten später auf dem heimischen Sofa noch unverändert in der Substanz. Und vor allem lecker.

Als Taxifahrer Geld für Renovierung verdient

Der EVI-Mitarbeiter, bei dem mich hier jetzt in aller Form für meinen kurzfristigen Ausraster entschuldigen möchte, hatte eine gute Ausrede: Er musste an der Eis-Insel ein paar Minuten warten – der Andrang auf Husseins To-go-Eisdiele an der Matthiaswiese war zu groß. Meine Sorge um meine Fracht war zwar unbegründet, aber bei Eis hört der Spaß auf. Beim nächsten Mal verspreche ich aber, ruhig zu bleiben.

Bereits seit April hat der gebürtige Pakistani Altaf Hussein in dem kleinen Laden in der Steinbergstraße 107 an der Bushaltestelle Matthiaswiese geöffnet. Der 39-Jährige ist passionierter Gelatiere. Ob er sich wirklich so nennen darf, das weiß ich gar nicht so genau. Jedenfalls hat er mehr als zehn Jahre in Essen gelebt, dort von seinem mittlerweile verstorbenen Eismeister Marco alles gelernt, was er über Speiseeis und die Herstellung wissen muss. Und sein Wissen hat der Vater von drei Kindern mit nach Hildesheim gebracht. Sieben Monate ist er Taxi gefahren, hat von den Einnahmen in Eigenregie seine Eis-Insel renoviert.

Altaf Hussein steht nicht auf Firlefanz

Altaf Hussein steht nicht auf Firlefanz, er steht auf Eis. Und deshalb findet man bei ihm auch alle Klassiker auf der Karte: Spaghetti-Eis, Bananensplit, Krokant-Becher – und das zu wirklich fairen Preisen. Mehr als fünf Euro kostet bei ihm nichts.

Ich teste sein Spaghetti-Eis für 4,20 Euro, und gebe mich erst danach zu erkennen. Mit einem zufriedenen Lächeln, denn das Eis kann wirklich was! Vanilleeis, Erdbeersoße aus eigener Herstellung. „Nur die Schokolade ist nicht von mir“, sagt Hussein. Die Portionsgröße unterscheidet sich nicht merklich von der, für die man an touristischen Hotspots in Hildesheim deutlich mehr Geld bezahlt. Ob es besser schmeckt? Kann ich nicht beurteilen, dafür müsste ich beide nacheinander probieren. Aber es ist verdammt lecker.

Hussein setzt sich an meinen Tisch, in der Hand eine kleine Schale mit seinen Verkaufsschlagern: Erdnuss-Karamell, Cookies und Mango. Wer schon einmal Snickers-Eis gegessen hat und das lecker fand, wird die Nuss-Kreation mit der flüssigen Karamellsoße lieben – doch sie ist leichter und besser bekömmlich. Cookies schmeckt wie erwartet, Mango haut mir den Gaumen weg. Wahnsinn. „Die Früchte bekomme ich vom Großmarkt aus Köln“, sagt Hussein. „Alte Kontakte.“ Es schmeckt intensiv wie ein Sorbet, die Konsistenz ist aber eindeutig Eis. Auch bei den Preisen verzichtet Hussein auf Schnick-Schnack: eine Kugel 1 Euro, zwei Kugeln 2 Euro ... und so weiter.

Kaum Konservierungsstoffe

Der Eismacher verzichtet – bis auf wenige Ausnahmen – auf Konservierungsstoffe. Alkohol, Gelatine und tierische Fette kommen bei ihm nicht auf die Karte. „Jedes Fruchteis ist vegan.“ Einziges Manko: Hussein serviert alles in Plastikschalen. Aber ohne, dass ich ihn fragen muss, erzählt er, dass er schon Bio- und Pappverpackungen bestellt hat. Bis dahin verbraucht er das bereits gekaufte Besteck. Und in naher Zukunft, voraussichtlich im Frühjahr des kommenden Jahres, will er die Werbung neu machen, Palmen sollen kommen und dann soll die Eisdiele an der Matthiaswiese auch aussehen wie eine Eis-Insel. Mehr als die zwei Tische, die er jetzt vor seiner Theke aufgebaut hat, soll es dann auch geben.

Also, die alles entscheidende Frage: Taugt`s? Auf jeden Fall. Der Besuch in der Eis-Insel lohnt sich – Gaumen und Portemonnaie freuen sich. Und so eine kleine Fahrradtour kann ja auch nicht schaden. Die Eis-Insel, Steinbergstraße 107, hat täglich von 12 bis 20 Uhr geöffnet.

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.