Hildesheim - Zwei schwarze Koffer, darauf die rote Schrift „Escape Room Hildesheim“. Mehr braucht es nicht, um mich an einen wahnwitzigen Raub, wie den aus dem Film „Ocean’s Eleven“ zu erinnern.
Der Unterschied: Ich stehe auf dem Hildesheimer Marktplatz und nicht in einem Casino in Las Vegas. Achja, George Clooney oder Brad Pitt kann ich auch nirgendwo entdecken. Dafür steht mir Florian Braune, Inhaber des Hildesheimer Escape Rooms zur Seite.
Corona macht erfinderisch
Der hat sich in den vergangenen Monaten, in denen er seine Escape Rooms in der Speicherstraße wegen Corona schließen musste, nämlich Outdoor-Touren ausgedacht. Die standen schon lange auf seinem Zettel. Die Corona-Pause gab ihm dann genügend Zeit, die Konzepte zu entwickeln.
Mittlerweile darf der Escape Room Hildesheim wieder öffnen und Spieler hineinlassen. Allerdings muss nach jeder Runde der Raum gelüftet und desinfiziert werden. Draußen zu rätseln, bedeutet für die Mitarbeiter daher weniger Aufwand. Es muss kein Raum gesäubert werden und niemand muss eine Schutzmaske tragen. Herausgekommen sind zwei Outdoor-Touren – eine für Kinder und eine für Erwachsene. Eine dritte Tour ist bereits in Planung.
Her mit der Peitsche!
Da beide Touren auf dem Hildesheimer Marktplatz starten, stehe ich dort. Ich habe die Wahl zwischen der Geheimagenten-Kindertour mit 14 Rätseln, die insgesamt einfacher sein sollen, und der Erwachsenen-Tour auf den Spuren eines fiktiven, verstorbenen Hildesheimer Archäologen im Indiana Jones-Style. Hier gibt es nur zehn Rätsel und die sollen es in sich haben. Herausforderung angenommen – man reiche mir also meinen Hut und die Peitsche! Glauben Sie nicht? Oh doch, das Equipment ist tatsächlich beim Rätselspaß für Erwachsene dabei.
Die Kinder würden unter anderem mit einem Tablet samt GPS-Funktion ausgerüstet werden. Darauf sind die Aufgaben und Standorte der nächsten Rätsel zu finden. Ohne, dass man eine Aufgabe gelöst hat, bringt einem aber auch das nächste Rätsel nichts. So ähnlich, nur ohne Elektrogeräte, läuft es auch bei der Archäologen-Tour.
Ratlos am Rathaus
Ich bekomme das erste Rätsel in die Hand gedrückt – zwar nicht auf einem Tablet, aber auf einem laminierten, vergilbt aussehenden Zettel. Das macht zwar passend zum Thema der Tour etwas her, mich aber nicht schlauer. Ratlos schaue ich mich um und wieder zurück auf die reimenden Sätze auf dem Papier in meiner Hand.
Schließlich habe ich eine Idee und steuere auf das Rathaus zu. Dort angekommen, weiß ich aber auch nicht wirklich weiter. Mein Mut schwindet und von Indiana-Kimi ist nicht mehr viel übrig. Ich brauche einen Tipp. Das fängt ja gut an, denke ich, und wende mich an Florian Braune. „Du warst schon richtig. Aber hast du die Schablonen benutzt?“, fragt er mich. Natürlich nicht. Also gehe ich nochmal Richtung Rathaus, benutze dieses Mal die Schablonen und finde schnell die Lösung. Ha! Geschafft. Jetzt kann ich den nächsten Schritt wagen.
Ein Mitarbeiter des Escape Rooms ist übrigens für genau solche Momente immer erreichbar oder in der Nähe. Je nach Spiel hält er sich im Hintergrund oder ist zum Beispiel mit dem Walkytalky erreichbar.
Gemeinsam ist man stark
Gar nicht so einfach, war mein erster Gedanke, als ich versuchte, das erste Rätsel zu lösen. Gar nicht so schwer, kam mir in den Sinn, als ich die erste Lösung gefunden habe. Mit der Zeit fuchst man sich in das Rätsel-Spiel hinein und versteht leichter, was die sich reimenden Aufgaben von einem wollen. Außerdem kommt die Gruppendynamik ins Spiel: Gemeinsam lässt sich manches Rätsel einfacher lösen als allein. Das ist bei einer Buchung übrigens auch gar nicht möglich. Man muss mindestens zu zweit spielen. Allerdings zahlt man bei egal welcher Gruppengröße immer denselben Preis. Das sind bis zum 31. Juli 99 Euro für für die Outdoor-Tour der Erwachsenen.
Für Erwachsene ist die Erwachsenen-Tour demnach wirklich zu empfehlen. Auch braucht man Hildesheim-Wissen, wenn man die etwa zwei Kilometer lange Outdoor-Tour durch die Innenstadt macht. Touristen ohne blassen Schimmer ist der Spaß also eher weniger zu empfehlen.
Zeit muss man genügend mitbringen. Anderthalb Stunden dauern die Touren durchschnittlich. Dauert es etwas länger, ist das aber auch kein Problem für den Veranstalter.
Denn Spaß macht es auf jeden Fall. Allein die Details, mit denen die Touren gestaltet wurden – vom Rätselpapier bis zum Kryptex oder Zahlenschloss – machen es zu einem besonderen Erlebnis, bei dem man voll und ganz in die Geschichte des Rätsels eintauchen und sie ernst nehmen kann.
