Sarstedt - Massiv wie Kleinbusse nähern sich die eleganten Tigerhaie der Tauchergruppe. Die großen Raubfische sind neugierig, kommen mitunter bis auf Armlänge an die Menschen mit den Pressluftflaschen auf den Rücken heran, drehen anschließend wieder ins lichtdurchflutete Hellblau des Indischen Ozeans ab. Die größten Exemplare sind bis zu fünf Meter lang, und man kann die ungeheure Kraft, die in ihnen steckt erahnen. „Angst hatte ich trotzdem keine“, sagt Monica Fusch. Sie ist Rektorin der Albert-Schweitzer-Schule in Sarstedt. In ihrer Freizeit zieht es sie immer mal wieder zu den großen Raubfischen des Meeres.
Die Erlebnisse mit den Tigerhaien, die mit den Weißen Haien zur gefährlichsten Art auf der Welt gehören, sind noch ganz frisch. Monica Fusch ist gerade erst von einem Tauchurlaub von den Malediven zurückgekehrt. Dort sind Haie keine Seltenheit. Allerdings muss man schon ein wenig Zeit und Geld investieren, wenn man Tigerhaie beobachten will.
In diesem Fall flog die 52-Jährige allein auf die Insel Fuvahmulah im Süd-Atoll der Malediven. „Die ganze Insel lebt von diesen Tigerhaien“, berichtet sie. Allerdings sei es noch nicht so, dass die Tiere – wie etwa die Weißen Haie vor Südafrika – angefüttert werden, damit sie auch zuverlässig zu den Tauchern kommen. Stattdessen seien die Tiere noch sehr neugierig – und näherten sich den Menschen deshalb zuverlässig.
Die Bilder, die Monica Fusch von ihren Tauchgängen mitgebracht hat, sind einmalig. Tigerhaie – unschwer an ihrem Streifenmuster zu erkennen – in allen Größen sind darauf zu erkennen. „Es waren etwa 18 von ihnen in unserer Nähe“, erzählt die Schulleiterin. Aber ihre Fotos zeigen noch viele andere Haie, etwa Weißspitzen-Hochseehaie, Schwarzspitzen-Riffhaie, Ammenhaie, Grauhaie und weitere Arten. Auf einem kurzen Video sind rund 80 der eleganten Räuber zu erkennen, die gemächlich in einer Art Schule durch das Wasser ziehen.
Hammerhaie sind etwas scheu, Tigerhaie eher neugierig
Haie hat Monica Fusch schon oft gesehen. Auch imposante Hammerhaie, die im Gegensatz zu den forschen Tigerhaien meistens etwas Abstand halten. In jedem Fall müsse man sich an Regeln halten, wenn man mit den potenziell gefährlichen Raubtieren tauche. „Ich muss immer bedenken, das ich mich in ihrem Element bewege“, sagt Monica Fusch. Dazu gehöre auch, sie möglichst nicht anzufassen. Aber das sei auch eine allgemeingültige Regel beim Tauchen. „Man fasst dabei nichts an“, sagt sie.
Fast hätte sie auf den Malediven auch noch einen der majestätischen Walhaie gesehen. Der größte Fisch der Welt kann bis zu zehn Meter lang werden. Für den Menschen ist er nicht gefährlich, weil er sich von Krill, Krebsen und anderen Kleintieren ernährt, die er aus dem Wasser filtert. Auf ihre Tauchboot habe es einen Walhai-Weckruf gegeben – die Gäste werden geweckt, wenn ein Walhai auftaucht. „Es muss einer in der Nähe gewesen sein“, sagt Monica Fusch. Gemeinsam mit anderen Tauchern der Gruppe stand sie nachts an Deck und spähte in die Dunkelheit. Aber der Walhai war offenbar wieder abgetaucht. Stattdessen kam plötzlich ein Delfin an die Oberfläche. „Es ist schon ein wenig merkwürdig, dass man enttäuscht sein kann, einen Delfin zu sehen“, erzählt die Pädagogin mit einem Lachen.
Im Trockentauchanzug im eiskalten Gletscherwasser
Inzwischen hat Monica Fusch 720 Tauchgänge hinter sich. Die meisten in warmen Gewässern. Sie ist selbst Tauchlehrerin in Hannover und dazu in der Lage, bis zu 80 Meter tiefe Tauchgänge zu absolvieren. Das ist für normale Sporttaucher zu gefährlich.
Den vielleicht spektakulärsten Tauchgang absolvierte sie aber in sehr kaltem Wasser – und ganz ohne Haie. Bei Minusgraden stieg sie vor einigen Jahren in Grönland mit einem Trockentauchanzug in eiskaltes Wasser und bewegte sich in einem zugefrorenen Fjord unter tausende Jahre altem Eis. Als sichtbare Lebewesen waren hier lediglich Quallen und kleine Fische unterwegs. „Aber die Eisformationen unter Wasser, die waren einfach unglaublich“, sagt sie.

