Musik-Legende

Unvergesslich: Am 2. November 1981 sang Joe Cocker im Hildesheimer be bop

Hildesheim - Vor genau 41 Jahren trat der britische Rock- und Blues-Sänger Joe Cocker im Hildesheimer be bop auf – alle, die vor Ort waren, werden diesen Abend wohl nie vergessen. Dabei war es eine recht spontane Aktion – und hinter den Kulissen ging längst nicht alles glatt.

Hildesheim - Viele Hildesheimerinnen und Hildesheimer denken noch heute oft an „ihr“ be bop zurück – die Szene-Diskothek, die zwischen 1976 und 1996 bestand. Unvergesslich blieb für viele wohl der Auftritt des inzwischen verstorbenen britischen Musikers Joe Cocker am 2. November 1981.

„Schuld“ an dem Auftritt war Pelle. Pelle, ein alter Freund von be-bop-Betreiber Candido „Doddy“ de Bona, war größter Cocker-Fan weit und breit. Zwei Mal hatte Pelle ihn schon bei Tourneen durch die USA begleitet, bei der Europatour 1981 war er wieder mit im Boot. Und so klingelte einmal auch das Telefon bei Doddy. Cocker habe zwischen zwei Konzerten in Berlin und Paris drei Tage Pause, berichtet Pelle. Ob Doddy nicht auf die Schnelle noch ein Konzert im Raum Hannover organisieren könne?

Nur anderthalb Wochen zur Vorbereitung

Es sind nur anderthalb Wochen Zeit, doch Doddy gibt sein Bestes. Er versucht es in der Rotation und anderen Clubs in Hannover, fragt in Hildesheim nach der Sporthalle an der Pappelallee. Nichts zu machen, erklärt er seinem Freund Pelle. Doddy lässt sich aber breitschlagen, Cocker für zwei Konzerte ins be bop zu holen. Es ist noch eine Woche Zeit.

Davon gab es damals in Deutschland nur drei Stück

Doddy über die B3-Orgel

Da kennt Doddy allerdings noch nicht die Liste des Cocker-Technikers, was alles zu besorgen ist: Verstärker für die Musiker, PA, Licht, sogar eine Hammond B3-Orgel. „Davon gab es damals in Deutschland nur drei Stück“, sagt Doddy. Es gelingt ihm aber, alles zu mieten – glaubt er jedenfalls. Eine deutsche Band sagt zu, alles mit einem Sattelschlepper zur Wilhelmshöhe zu bringen.

Der große Tag ist da

Der große Tag ist da. 1. November. Doch der Sattelschlepper kommt nicht. In den wenigen verbleibenden Stunden bis zur Ankunft Cockers leiht sich Doddy in der Hildesheimer Musikszene alles zusammen, was er bekommen kann. Die B3 und ein paar Kleinigkeiten fehlen. Als die Band ankommt, nimmt Doddy den Manager Michael Lang (bekannt aus dem Woodstock-Film) beiseite: „Hier hast du erstmal die komplette Gage für beide Tage. Und jetzt lass uns reden.“ Das Ende vom Lied: Der erste Abend wird abgesagt, um die Technik in den Griff zu bekommen.

350 Zuschauerinnen und Zuschauer

Am 2. November steht Joe Cocker vor nur 350 Zuschauern auf der Bühne des be bop und spielt nach Aussagen von Augenzeugen ein tolles Konzert. Er glaubt, ein Verrückter habe ihn für seine private Geburtstagsfete gebucht. Die Story hat sich Doddy selbst für Cocker ausgedacht.

Wenn einer so ein Thema nicht anfasst, dann kann er aufhören

Doddy

Das Nachspiel: Peter Höcker geht das Engagement des britischen Weltstars eine Spur zu weit. Er beschließt, im be bop auszusteigen und ein eigenes Lokal aufzumachen. Und Doddy? Ist um eine Erinnerung reicher und ein paar Riesen ärmer. Er hat bei dem Konzert 25000 Mark drauf gezahlt. Und bereut es noch nicht einmal: „Wenn einer so ein Thema nicht anfasst, dann kann er aufhören.“


Wer noch einmal in Erinnerungen ans be bop schwelgen und die alten Zeiten wieder aufleben lassen möchte, der hat am kommenden Samstag, 5. November, die Möglichkeit dazu: Ab 21 Uhr steigt eine be bop-Revival-Party im Vier Linden. Tickets sind im Vorverkauf online für 10 Euro erhältlich, an der Abendkasse kostet der Eintritt 15 Euro.

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