Hildesheim - Wegen schwerer Wasserschäden ist an der Ganztagsschule (GTS) Drispenstedt und in der St.-Nikolaus-Schule in der unmittelbaren Nachbarschaft am Freitag der Unterricht für die Grundschülerinnen und -schüler ausgefallen, es gibt derzeit lediglich eine Notbetreuung. Die Schäden sind zumindest in der GTS deutlich gravierender als beim schweren Hochwasser 2017, sagt Schulleiterin Daniela Starniske.
Ihre Kollegin Veronika Bensch-Casper von der benachbarten St.-Nikolaus-Grundschule war am Donnerstagabend um 17.30 Uhr noch mit Arbeiten in der Grundschule beschäftigt, als der Regen immer stärker zunahm. Sie wurde Augenzeugin, wie sich auf dem Schulhof in raschem Tempo ein regelrechter See bildete, bis schließlich das Wasser durch die Tür ins Gebäude floss. Im Erdgeschoss lief das Wasser in Klassenräume, ins Foyer und ins Lehrerzimmer. Deutlich größere Wassermassen ergossen sich fortan in den Keller der Schule: Schnell füllten sich Flur und Räume einige Zentimeter hoch mit der schlammigen Brühe. „Das war eine Sache von höchstens 30 Minuten, da war hier alles voll“, berichtet Bensch-Casper.
Spezialfirma versucht, Wasser abzupumpen
Hausmeister David Galliardt, der für beide Grundschulen zuständig ist, war auch im Dienst, und stemmte sich mit aller Kraft gegen die Folgen des Starkregens. Schulleiterin Bensch-Casper alarmierte die Feuerwehr bereits um kurz nach 18 Uhr, doch es sollte noch gut zwei Stunden dauern, bevor die Helfer kamen und begonnen, Wasser aus dem Gebäude zu pumpen. „Die waren wegen des Wetters ja die ganze Zeit über überall in der Stadt im Einsatz“, sagt die Schulleiterin trotz der eigenen Lage verständnisvoll.
Am heutigen Freitagmorgen ist in der Schule noch eine Spezialfirma mit einer Art Wassersauger und ganz simplen Wischern am Werk, die Mitarbeiter versuchen den Keller trocken zu bekommen – eine schwierige Aufgabe, weil es seit dem Morgen weiter regnet und durch den aufgeweichten Boden weiter Wasser von außen ins Kellergeschoss nachdrückt.
Stadt spricht von Sanierungsstau
Die Stadt als Trägerin der Grundschule St. Nikolaus weiß durchaus von den Mängeln in der Kellerwand. Es gebe einen erheblichen Sanierungsstau, bestätigt Stadtsprecher Helge Miethe, bei solch extremen Witterungsbedingungen dringe Wasser durch Lücken in den Fugen ins Gebäude ein. Hauptursache für die Überschwemmung sei die überlastete Grundstücksentwässerung bis zum Anschluss an das Straßennetz. „Hier muss dringend die Kanalisation saniert und erweitert werden.“
„2017 war es nicht so schlimm“
Der Ablauf der Überschwemmung war auch in der GTS ganz ähnlich, der Schulleiterin zufolge hat sich das Wasser ebenfalls auf dem Hof gesammelt und ist dann durch Ritzen unter der Tür ins Gebäude und schließlich in den Keller in verschiedene Werk- und Lagerräume gelaufen. Starnitzke dazu: „2017 war es nicht so schlimm.“ Im Obergeschoss der GTS war zudem ein Oberlicht offen, dass sich nur elektrisch hätte schließen lassen, was aber nicht funktionierte.
Die Bilder am Vormittag gleichen sich in beiden Schulen auch, was die Aufräumarbeiten angeht: Hier wie da sind Lehrkräfte im Einsatz und versuchen noch zu retten, was zu retten ist, tragen zum Beispiel Unterrichtsmaterialien und Musikinstrumente ins Freie. Der ständige Regen erschwert diese Arbeiten der Zeit zusätzlich. Hausmeister David Galliardt, der inzwischen schon mehr als 16 Stunden mit den Folgen des Unwetters kämpft, sieht zumindest noch kein Ende in Sicht und will weiter arbeiten: „Wie könnte ich jetzt an Feierabend denken?“ Am Freitagvormittag rückt gegen 10.30 Uhr erneut die Feuerwehr an, um mit leistungsstarken Pumpen zu helfen, während der andauernde Regen die Wasserflächen auf den Schulhöfen wieder ansteigen lässt.
Für die GTS Drispenstedt steht bereits am Freitagmittag fest: Auch am Montag wird der Unterricht ausfallen. Ob die Grundschule St. Nikolaus wieder öffnet, ist noch nicht klar. Die Stadt will bei einem etwaigen erneuten Unterrichtsausfall rechtzeitig darüber informieren.



