Hildesheim - Licht kann eine Menge, es ist notwendig zum Leben, aber es kann auch töten: Bakterien, Keime, Viren. Viren wie den Covid-19-Erreger und seine Mutanten. Diese Technik will sich nun der Verein für Schwimmsport (VfS) in Hildesheim zunutze machen und gleichzeitig Energie sparen. Vereinsvorsitzender Dieter Engelke hat die neue Anlage, die im Hallenbad des Vereins in Drispenstedt eingesetzt wird, nun vorgestellt.
Die Technik basiert auf einer einfachen physikalisch-biologischen Wirkung: UV-Licht einer niedrigen Wellenlänge hat die Eigenschaft, die Nukleinsäure (DNS) von Krankheitserregern mit einer rechnerischen Wirkung von bis fast 100 Prozent zu zerstören – was den Tod von Keimen, Bakterien und Viren zur Folge hat. „Diese Technik gibt es schon länger“, erläutert Dennis Rösing, Verkaufsmanager der Firma Bäro, die eine Airstream-Anlage baut, die über UV-C-Lampen und spezielle Einbausätze die Umluft entkeimt. Die ist nun im Hallenbad in Drispenstedt eingebaut und wartet auf ihren Einsatz.
Viren in Aerosolen beseitigen
Man muss schon durch die Katakomben des Gebäudes unterhalb des Schwimmerbeckens im Keller wandern, um zu den Metallschächten zu gelangen, hinter denen der Nachrüstsatz eingebaut ist. Nur mit einer Schutzbrille darf man dann einen Blick auf die harmlos wirkenden Neonlampen ähnlichen Lichtquellen blicken, die auf spiegelnden Metallflächen montiert sind, um die Wirkung noch zu erhöhen.
Strömt nun Luft durch die Anlage, werden die in den Aeorosolen gebundenen Covid-Viren abgetötet „Oder eben andere Krankheitserreger“, freut sich Engelke. Der höchste Effekt tritt bei 254 Nanometern Kurzwelligkeit ein, sagt Rösing. Eine Strahlung, die schon seit langem bei der Desinfektion eingesetzt werde. Allerdings wird sie durch die Ozon-Schicht gestoppt, die um die Erde herum den Planeten schützt. Längerwelliges ultraviolettes Licht dringt hingegen durch, was Sonnenbräuner nach draußen treibt. Es hat aber auch einen nützlichen Effekt für den privaten Haushalt, sagt Rösing: „Wenn man Wäsche draußen im Sonnenlicht trocknet, wird sie eben auch keimfrei.“
Neue Technik für Gebäude
Doch es geht ihm nicht um Haushaltstipps, sondern um eine Technologie, die aus seiner Sicht zukünftig für den Gebäudebau ebenso wichtig wird wie bereits Energieeinsparung durch Baumaterialien: „Das Thema Allergien oder Krankheitserreger ist ein Dauerthema und belastet zunehmend die Gesundheit der Bewohner oder Nutzer von Gebäuden.“
Als Anwendungsbereiche stellt Rösing Gebäude vor, die durch Lüftungsanlagen versorgt werden. Büros, Kitas oder Schulen, Krankenhäuser, aber auch Hotels, Sporteinrichtungen oder der Einzelhandel, zählt er auf.
Zuschüsse vom Land und der gbg
Der VfS hat insgesamt rund 49 000 Euro in seine neue Lufttechnik investiert, davon 20 000 in die neue UV-C-Anlage. Dennis Münter, Vorsitzender des Kreissportbundes (KSB), hat geholfen, einen Landeszuschuss in Höhe von 30 Prozent auf den Weg zu bringen. Die gbg hat als Eigentümer des Bades in Drispenstedt ebenfalls großzügig unterstützt, bedankt sich Engelke.
Und trotz der Ausfälle in der Corona-Phase habe auch sein Verein noch Geld zur Verfügung gehabt, um den Schritt in die neue Technik zu wagen. „Und am Ende sparen wir mit dem Umbau auf Umlufttechnik auch Energiekosten, weil wir künftig nicht mehr im Winter die kalte Luft von außen aufheizen müssen.“
