Fußball

VfV 06 Hildesheim startet in die Saison-Vorbereitung: Das neue Trainergespann über DFB-Pokal, Kaderplanung und Ziele

Hildesheim - Am Samstag beginnt für die Hildesheimer Oberliga-Fußballer die Vorbereitung auf die Saison: Im Interview blicken die Trainer Marc Vucinovic und Marcel Hartmann auf den Start.

Ab Samstag leiten Marc Vucinovic (links) und Marcel Hartmann als neues Trainergespann die Geschicke von Fußball-Oberligist VfV Borussia 06 Hildesheim. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Es geht wieder los: Am Samstag startet Fußball-Oberligist VfV Borussia 06 Hildesheim in die Vorbereitung auf die Spielzeit 2024/25 – mit dem neuen Trainergespann bestehend aus Marc Vucinovic und Marcel Hartmann. Kurz vor dem Trainingsstart waren die beiden Coaches zum Interview in der Redaktion zu Gast. dabei ging es um die Konstellation als Gespann, die Kaderplanung sowie die Saisonziele der Borussen und den DFB-Pokal.

Samstag ist der Start als neues Trainergespann – wie groß ist die Vorfreude?

Marcel Hartmann: Das beantwortet am besten Marc (lacht). Ich bin zum Vorbereitungsstart erstmal im Urlaub.

Marc Vucinovic: Ich habe schon Vorfreude. Die Pause tat gut und war auch wichtig, aber ich habe Bock, mit den Jungs auf dem Platz zu stehen.

Hartmann: Natürlich habe ich auch Lust – es gibt wenig geilere Sachen als den Start der Vorbereitung, das war bei mir immer schon so.

Das hört man von Trainern wahrscheinlich öfter als von Spielern, oder?

Vucinovic: Definitiv (schmunzelt).

Hartmann: Ich habe es als Spieler auch gemocht.

Wie oft haben Sie beide eigentlich Kontakt?

Hartmann: Als wir Klarheit hatten, dass Marc die Aufgabe mit mir übernimmt, war er ja noch Trainer in Sarstedt. Da hat er von sich aus immer gesagt: Meine Aufgabe ist noch hier. Ab und zu hatten wir trotzdem Kontakt, gerade bei Themen mit Weitblick.

Vucinovic: Jetzt auf jeden Fall mehrmals täglich – meistens über Fußball, aber nicht nur. Im Urlaub habe ich bewusst abgeschaltet, auch der Familie zuliebe (lacht). Seit der Rückkehr geht es aber täglich um den VfV.

Herr Hartmann, Sie haben bereits ein Jahr Erfahrung mit einem Partner an der Seite. Was können Sie Herrn Vucinovic vorweg raten?

Hartmann: Das Wichtigste ist, dass wir offen miteinander sprechen. Im Übrigen finde ich es gar nicht verkehrt, wenn es zwei unterschiedliche Typen gibt, weil du dadurch größere Bereiche abdecken kannst.

Herr Vucinovic, was haben Sie von außen wahrgenommen und wollen Sie jetzt einbringen?

Vucinovic: Für mich ist das gar kein Thema. Ich komme in ein funktionierendes Gebilde, das hat man an den Ergebnissen sehen können. Es geht nicht darum, alles auf links zu drehen, sondern einfach Dinge die funktionieren noch etwas zu verfeinern oder zu vertiefen. Und Dinge, an denen man arbeiten kann, da kann ich meine Sichtweise einbringen. Ich denke nicht daran, wer ist Chef- oder Co-Trainer. Es wird Bereiche geben, in denen Marcel einfach stark ist, da werde ich ihn unterstützen und dann wird es Bereiche geben, für die ich ein Faible habe, und dann arbeitet mir Marcel zu.

Es gibt da diese Geschichte. In der geht es darum, dass Sie sich bei einem zufälligen Treffen in einem Schwimmbad gesagt haben, Sie werden in Zukunft mal zusammenarbeiten. Wann hat es für die jetzige Aufgabe den ersten Kontakt gegeben?

Hartmann: Genau weiß ich es gar nicht mehr, aber es war nach der Niederlage in Egestorf, letztes Jahr. Danach hat Björn Kollecker den Entschluss gefasst, nicht weiterzumachen. Da musste ich mich selbst ein bisschen schütteln, aber dann überlegte ich auch, wie kann es weitergehen. Kurz danach müsste das erste Gespräch gewesen sein.

…und wann hat es gefunkt – also gepasst?

Vucinovic: Ich habe ja damals die Aussage im Schwimmbad getroffen, und das sagt man nicht ohne Grund. Sicher war da auch ein bisschen Spaß dabei, aber so etwas sage ich nicht zu jedem. Wir hatten immer mal wieder Kontakt, auch als Gegner. Da war für mich immer eine Ebene, bei der ich dachte: geiler Typ, cooler Trainer. Als Marcel dann auf mich zukam, habe ich direkt gesagt: Ich kann mir das vorstellen, lass uns treffen.

Hartmann: Bei mir war das ähnlich – wir haben mal gegen Sarstedt gespielt, als wir noch im Abstiegskampf steckten. Wir haben übrigens gewonnen (lacht), aber Marc war damals noch Spieler und angeschlagen. Da haben wir uns im Vorfeld und auch danach ausgetauscht. Danach wurde Marc Trainer in Sarstedt, und was er aufgebaut hat, verdient Anerkennung. So war es naheliegend, ihn zu holen.

Wie wollen Sie die neue Saison angehen?

Hartmann: Der Kern des Teams ist zum Glück geblieben, und man hat in vielen Spielen gesehen, welches Potenzial die Mannschaft hat. Wir müssen defensiv viel aggressiver und stabiler werden. Dazu muss die Mannschaft, trotz Widerständen immer klar bei sich bleiben. Also Themen wie Stabilität und Arbeit gegen den Ball müssen verbessert werden.

Vucinovic: Wenn man sieht, wie die Jungs spielen, dann glaube ich, dass wir eine Menge Zocker auf dem Platz haben, die richtig gut am Ball sind. Da habe ich direkt im Kopf gehabt, dass wir mehr Zielstrebigkeit Richtung Tor reinkriegen. Ballbesitz oder Kurz-Pass-Spiel ist alles schön und gut, aber ich will Zug Richtung Tor sehen und die absolute Gier, den Ball reinzumachen.

Wie ist der Stand der Kaderplanung?

Vucinovic: Mit den kurzfristig geglückten Vertragsverlängerungen von Kapitän Hassan El Saleh und Erhan Yilmaz konnten wir die letzten wichtigen Personalien unter Dach und Fach bringen.

Also gibt es keinen Bedarf mehr?

Hartmann: Wir hätten gern einen dritten Torhüter – da sind wir noch offen für eine Personalie.

Wie war eigentlich ihre Rolle beim Thema Kaderplanung, Herr Vucinovic?

Vucinovic: Meine einzige Bitte war eigentlich, dass es anders als in den letzten Jahren läuft. Da waren beim VfV beim Trainingsauftakt oftmals nur 13 oder 14 Mann, und der Kader hat sich erst nach und nach gefüllt. Björn Rührer hat tolle Arbeit geleistet. Wir haben unsere Wünsche kundgetan und er die Gespräche geführt. Es ist sehr gut, dass wir jetzt vor dem Trainingsstart alles geklärt haben.

Gab es mal Ungereimtheiten?

Vucinovic: Bis jetzt nicht. Alles, was wir besprochen haben, wer bleiben soll, wer eher gehen kann, das wurde alles so umgesetzt.

Also ein Kader der ganz Ihren Vorstellungen entspricht?

Vucinovic: Ja!

Wie lauten die Saisonziele?

Hartmann: Besser als letzte Saison! Da war Vorgabe Pokal holen und Platz fünf. Die Qualität unserer Spieler ist sehr hoch, und das wollen wir umsetzen.

Herr Vucinovic, ist der VfV 06 eine Mannschaft, die um den Aufstieg mitspielen sollte?

Vucinovic: Wenn du unter den ersten Vier mitspielst, dann ist man automatisch in der Verlosung mit dabei. Wir tun gut daran, demütig an die Spielzeit heranzugehen, aber uns trotzdem verbessern zu wollen im Vergleich zur letzten Saison. Den Pokalwettbewerb würde ich nie außer Acht lassen, darum sollte es auch unser Ziel sein, den Titel zu verteidigen. Und ich bin auch nicht zum VfV gekommen, um Fünfter zu werden.

Wer sind gute Konkurrenten und Favoriten?

Hartmann: Die Liga wird anspruchsvoller. Viele Mannschaften haben etwas vor und konnten ordentlich Geld in die Hand nehmen. Spelle-Venhaus als Absteiger ist unangenehm zu bespielen, dazu wird Bersenbrück nach der verlorenen Relegation sicherlich wieder oben mitspielen.

Da muss ich kurz dazwischen grätschen: Waren Sie eigentlich ein bisschen froh, dass Sie es nicht in die Relegation geschafft haben? Sie hätten schließlich gegen Flensburg und damit gegen Ihren Bruder Dominic um Auf- oder Abstieg gespielt?

Hartmann: Schon ein bisschen, so ehrlich muss ich sein.

Vucinovic: So etwas gönnt man seinem Bruder ja nicht, dass der absteigt.

Interessant – dann gern zurück zu den Konkurrenten und Favoriten?

Hartmann: Ich sage mal Atlas Delmenhorst, und auch Rehden wird nach dem Jahr sicher angreifen, dazu darf man Lupo Martini nie abschreiben, und Egestorf kennt die Oberliga mittlerweile in- und auswendig. Und dann hat Schöningen richtig Qualität eingekauft.

Schaut man eventuell etwas neidisch nach Schöningen, wo Geld scheinbar keine Rolle spielt?

Vucinovic: Überhaupt nicht. Es bringt nichts, wenn du 15 Alphatiere auf dem Platz hast – du musst eine Mannschaft auf dem Platz haben. Es kann Gefahren und Probleme mit sich bringen, wenn jeder Spieler den Anspruch hat, von Anfang an zu spielen. Trotzdem haben die Schöninger Qualität, man muss mit ihnen rechnen.

Was ist für die Vorbereitung geplant?

Hartmann: Aufgrund von Urlaub fehlen uns ein paar Spieler in der ersten Woche, dazu bekommen die A-Jugendlichen wegen der langen Saison noch ein paar Tage frei. Dann geht es aber darum, die Neuzugänge schnell zu integrieren sowie sie an unsere Spielweise zu gewöhnen und den Feinschliff vorzunehmen.

Gibt es auch schon Testspiele?

Hartmann: Ja alles ist terminiert. Zum Auftakt am 7. Juli spielen wir in Eilvese, am 12. Juli in Sarstedt. Am 19. Juli in Ochtersum, dazu am 20. Juli in Nordstemmen gegen den SV Lippstadt und zum Abschluss am 27. Juli in Berßel gegen die U23 des 1. FC Magdeburg.

Mitte August geht’s in den DFB-Pokal – Sie kennen das bereits Herr Vucinovic, worauf kann sich Herr Hartmann freuen?

Vucinovic: Das ganze Drumherum stachelt schon an. Die Banden alles leuchtet im Grün des DFB-Pokals. Du hast schon Fernsehkameras beim Abschlusstraining, gibst Interviews – das ist für fast alle Neuland. Das Kribbeln geht schon eine Woche vorher los. Ich denke auch die Kulisse wird dementsprechend sein, weil hoffentlich die Stadt mit uns fiebert.

Sie haben mit Havelse sogar mit dem 1. FC Nürnberg einen damaligen Erstligisten ausgeschaltet.

Vucinovic: Stimmt. Ich bin total positiv, weil ich miterleben durfte, wie man als vermeintlicher Underdog gewinnen kann. Ich hoffe an dem Tag sind 40 Grad, da haben die Profimannschaften nicht so Lust und denken sich, wir machen das mal nebenbei bei einem Oberligisten.

Wie war eigentlich Ihre Reaktion auf das Los SV Elversberg?

Vucinovic: Ich bin da ehrlich: Wenn man sich einen Gegner wünschen kann, dann hätte sich niemand Elversberg gewünscht. Ich hätte mir einen Bundesligisten oder Traditionsvereine wie den HSV oder Schalke gewünscht.

Hartmann: Trotzdem freuen wir uns jetzt, dass wir in Hildesheim spielen können und hoffen auf ein zweites Pokalmärchen.

Haben Sie schon Elversberg analysiert?

Hartmann: Ich habe mir tatsächlich schon ein paar Spiele angeschaut, aber ich glaube die Mannschaft wird sich noch sehr verändern, weil sie letzte Saison viele Leihspieler hatten.

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