Bei Hempens unterm Sofa

Verspätung klingt so unschön, vor allem bei der Bahn

Hildesheim - Es gibt Worte, die irgendwie sehr hart klingen. Kündigung zum Beispiel. Das lässt sich auch anders, ein bisschen netter sagen – auch wenn das nichts am Inhalt ändert.

Vieles lässt sich so oder so ausdrücken. Wenn man jemanden sagen will, dass er Mist gebaut hat, kann man das sehr direkt sagen oder freundlich verpacken: "Das war im Nachhinein betrachtet vielleicht nicht der beste Weg". Auch die Bahn setzt auf freundliche Umschreibungen. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Wir Redakteurinnen und Redakteure wissen, wie mächtig Worte sein können. Aber nicht nur wir wissen das, auch Werbeagenturen, Politiker und Mediziner. Es ist doch so, dass das Wort „freistellen“ nicht so böse klingt wie kündigen. Das ist so hart, so endgültig, so unschön. Freigestellt, das klingt nach Freizeit, nach endlich dafür Zeit haben, was man schon immer mal machen wollte. Dass man freigestellt nur kein Geld mehr dafür hat – na ja, irgendetwas ist ja immer.

Das klingt so hart

Wenn Mediziner von einer lebensverkürzenden Krankheit sprechen, wollen sie der Diagnose den Schrecken nehmen. Immerhin kommt das Wort „tödlich“ nicht darin vor. Trotzdem weiß jeder, dass genau das damit gemeint ist, der Patient wird nicht mehr gesund.

Mit dem Zug nach Hamburg

Ich bin neulich mit der Bahn verreist. Nach Hamburg. Da nimmt man besser die Bahn, weil es mit dem Auto wegen der Staugefahr mitunter sehr anstrengend sein kann. Also die Bahn. Die Verbindungen gebucht, Plätze reserviert. Fehlt nur noch der passende Zug. Während meine Schwester und ich auf dem Bahnsteig in Hannover auf den Zug warten, schauen wir uns um. Auf dem gegenüberliegenden Gleis steht ein Doppeldecker-Zug mit Ziel Norddeich/Mole. Auf dem Bahnsteig sehr, sehr viele Leute. Alle wollen in den Zug. Doch der ist nicht dehnbar und so schieben und drücken die Menschen sich eben gegenseitig zusammen. Unter Ächzen schließt sich die Tür – und das nur, weil ein Mann noch schnell seinen Bauch eingezogen hat. Gute Reise, Konservendose, es sind ja nur vier Stunden Fahrt bei 30 Grad bis zum Fähranleger.

Unser Zug fährt ein. Die Hinfahrt verläuft ohne größere Zwischenfälle. Auf der Rückfahrt sieht es schon anders aus – 40 Minuten Verspätung. Der ICE muss auf der Strecke repariert werden. Ein anderer, so die Ansage, hat einen Wasserschaden, bitte nicht einsteigen! Nach dem langweiligen Warten auf dem knallvollen Bahnsteig kommt der Zug tatsächlich mit einer Dreiviertelstunde Verspätung. Die Zug-Ansagerin entschuldigt sich bei den Fahrgästen für die – Achtung – Reisezeitverlängerung! Na, das klingt doch nach Spaß, Erholung und Zeitgeschenk. Ganz anders als Verspätung, ein Wort, das irgendwie Versagen und Schuld suggeriert. Ach, und ja, der Zug fährt nicht bis Frankfurt, sagt die Zugsprecherin. Da sei ganz plötzlich eine Baustelle eingerichtet worden. Baustelle – Pfui. Irgendwelche Ideen, wie man das schöner sagen könnte? Wie wäre es mit „da ist Buddelspaß im Gleisbett“?

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