Regionalliga-Toptorjäger

Moritz Göttel beim VfV 06 Hildesheim: Torschützenkönig der Regionalliga Nord – und Absteiger

Hildesheim - Mit Moritz Göttel (22 Saisontreffer) hat der VfV Borussia 06 Hildesheim den besten Torschützen der Fußball-Regionalliga Nord in seinen Reihen. Trotzdem muss der Klub absteigen – und Göttel wird wohl gehen.

Moritz Göttel in Jubelpose, aber der VfV 06 muss absteigen. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Moritz Göttel könnte eigentlich happy sein. Der Fußballer des VfV Borussia 06 Hildesheim ist mit 22 Saisontreffern der mit Abstand beste Torschütze der Regionalliga Nord. Aber am Telefon wirkt der 30-jährige Topstürmer auch einige Tage nach der 1:2-Niederlage bei FC St. Paul II noch immer geknickt. Den Hildesheimer Treffer schoss – natürlich – Moritz Göttel. Doch das ist nur noch eine Randnotiz, denn seit vergangenem Sonntag steht der VfV 06 als Absteiger fest.

Schwer zu akzeptieren

„Dieser Abstieg ist schwer zu akzeptieren“, sagt Göttel. Vor allem für ihn. „Die Mannschaft mit dem besten Torschützen der Liga steigt ab. Wann hat es das schon mal gegeben?“, fragt Göttel. Und gibt die Antwort selbst: „Ich kenne keinen vergleichbaren Fall.“

Jetzt steht natürlich die Frage im Raum, ob Moritz Göttel auch in der Oberliga für den VfV 06 auf Torejagd gehen wird. Wie kaum anders zu erwarten war, gibt er darauf noch keine klare Antwort: „Die Enttäuschung sitzt sehr tief. Ich muss das jetzt erstmal sacken lassen.“ Mit seiner Frau Denise und Sohn Marlon (4) fühle er sich in Hildesheim sehr wohl. Außerdem hat ihm der Verein einen Job bei Helosports, der Firma von Klub-Vizepräsident Helmuth Löhr, verschafft. Privat stimmt es also bei Moritz Göttel.

Nach Hildesheim war er vor zwei Jahren gekommen, weil er nach Engagements in den Regionalligen West und Südwest wieder in der Nähe seiner Geburtsstadt Braunschweig leben und spielen wollte. Daran macht sich auch das Fünkchen Resthoffnung fest, dass er vielleicht doch beim VfV 06 bleiben könnte.

Er hat etliche Angebote

Doch realistisch betrachtet ist ein Abgang sehr viel wahrscheinlicher. Göttel zählt sicher zu den Topverdienern im Team – wobei man dies gleich relativieren muss, denn „Topverdiener“ gibt es nicht wirklich beim VfV 06, der im Etat-Ranking der Regionalliga Nord ziemlich weit unten stehen dürfte. „Wir haben bei weitem nicht die finanziellen Möglichkeiten der meisten anderen Klubs“, erklärt Präsident Michael Salge.

Die ohnehin geringen Mittel werden in der Oberliga noch erheblich knapper. Heißt: Ein Mann wie Göttel dürfte kaum zu halten sein. Zumal die Torschützenliste auch andernorts genauestens studiert wird. Etliche Vereine haben ihre Fühler ausgestreckt. „An Angeboten mangelt es nicht“, bestätigt Göttel, der ablösefrei gehen könnte. Er hat also die Qual der Wahl. Unter anderem sollen der VfB Lübeck und Alemannia Aachen angeklopft haben. Aachen spielt in der lukrativen Regionalliga West, die einer Profiliga gleicht. Und Lübeck ist gerade in die 3. Liga aufgestiegen.

Geht Göttel zum VfB Lübeck?

Einer, der in der 3. Liga spielen kann, dem fällt es sicher schwer, sich in die Niederungen der Oberliga Niedersachsen zu begeben. Zumal es für den 30-Jährigen wohl die letzte Chance wäre, noch einmal höherklassig zu spielen. Noch äußert er sich relativierend: „Ich muss jetzt für mich die beste Entscheidung treffen.“ Allzu lange will er damit nicht warten: „In der nächsten Woche werde ich mich dazu äußern.“ Diese Ankündigung lässt vermuten, dass er schon mit einigen Vereinen verhandelt und sich ein Favorit herauskristallisiert hat.

Noch will Göttel nicht über seine Zukunft reden. „Wir haben noch ein Spiel“, sagt er. „Wir wollen uns am Samstag mit einer guten Leistung und einem Sieg aus der Regionalliga verabschieden.“ Die Torjägerkrone dürfte ihm nicht mehr zu nehmen sein. Auf Platz zwei steht Douda Beleme (HSV II). Dass der im letzten Spiel gegen Flensburg fünf oder sechs Tore schießt, ist unrealistisch.

Er jagt noch einen Rekord

Zudem hat Göttel noch einen Rekord im Sinn: „Ich habe mal die Statistiken studiert. Der Regionalliga Nord-Rekord liegt bei 24 Toren.“ Der Cloppenburger Rogier Krohne schaffte in der Saison 2012/13 dieses Kunststück. „Es wäre schön, wenn ich diesen Rekord einstellen oder überbieten könnte“, sagt Göttel. Doch auch das wäre nur ein kleines Trostpflaster auf der tiefen Wunde, die der Abstieg hinterlässt.

Einiges spricht dafür, dass es nach zwei Jahren Göttels letztes Spiel für den VfV 06 sein wird. In den vergangenen Jahren, ja sogar Jahrzehnten, hatte man sich an der Pottkuhle stets nach einem klassischen Top-Mittelstürmer gesehnt. Mit Moritz Göttel hatte man ihn endlich gefunden – und doch muss der Verein absteigen. Das ist eine fast schon tragische Geschichte.

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