Fußball

DFB-Pokalüberraschung bleibt aus: VfV 06 Hildesheim verliert gegen Zweitligist SV Elversberg mit 0:7

Hildesheim - Schon während der ersten Halbzeit zeichnete sich ab, dass ein Sieg für den VfV 06 Hildesheim sehr schwierig werden dürfte. Trotz der klaren Niederlage boten die Mannschaften für die Fußballfans am Sonntag aber ein unterhaltsames Spiel.

Der VfV 06 verliert das Pokalspiel gegen die SV Elversberg. Hier kommt Hassan El-Saleh (VfV 06) zum Schuss. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Erstmals seit 47 Jahren wieder ein DFB-Pokalspiel in Hildesheim. Entsprechend groß war die Vorfreude. 5186 Zuschauer waren am Sonntag ins Friedrich-Ebert-Stadion gekommen. Und die hofften insgeheim natürlich auf die große Überraschung des VfV 06 gegen Zweitligist SV Elversberg – mal abgesehen von den rund 200 Fans aus dem Saarland. Die stimmten frohe Gesänge an, denn ihre Mannschaft hatte nur zu Beginn ein paar Probleme, setzte sich am Ende aber deutlich mit 7:0 durch.

Gute Anfangsphase

Viel hatte nicht gefehlt und der Oberligist aus Hildesheim wäre früh in Führung gegangen. Zweimal war es VfV 06-Stürmer Can Gökdemir, der jeweils aus halblinker Position zum Abschluss kam. Doch zunächst schoss er knapp am kurzen Pfosten vorbei (4.). – und danach parierte SVE-Torwart Nicolas Kristof per Fußabwehr (10.)

Danach machten die Borussen die gleiche Erfahrung, die schon so viele Außenseiter im DFB-Pokal machen mussten: Wenn man seine wenigen Chancen nicht nutzt, dann schlägt der Favorit eiskalt zu. Elversberg nutzte gleich seine erste Chance. Auf der linken Seite setzte sich Filimon Gerezgiher durch – seinen scharfen Pass nach innen bugsierte Luca Schnellbacher im Fallen zum 0:1 über die Linie (17.).

„Wir wollten mitspielen“

Nach kurzer Schockstarre spielten die Borussen wieder mutig nach vorn. Hady El-Saleh und Gökdemir kamen gefährlich in Tornähe, doch die letzte Konsequenz fehlte. Auf der anderen Seite hatte der Elversberger Kapitän Robin Fellhauer nach einer zu kurzen Abwehr von VfV-Verteidiger Sean Redemann leichtes Spiel. Aus zehn Metern schoss er den Ball humorlos in die rechte Torecke. VfV-Torwart Tommy Henze war machtlos – 0:2 (28.).

... und dann noch ein Eigentor

„Wir wollten offensiv mitspielen“, meinte Redemann nach dem Spiel. „Dann läuft man natürlich Gefahr, dass man gegen eine Profimannschaft ins offene Messer läuft.“ Genau das passierte dann auch. Der VfV gewährte Elversberg zu viele Räume und Freiheiten. Zu allem Überfluss köpfte Yannik Schulze den Ball nach einer Elversberger Flanke ins eigene Tor – 0:3 (43.). Damit war die Partie quasi zur Pause entschieden.

Wie viele Hildesheimer trauerte Schulze den verpassten Chancen zu Beginn hinterher: „Wenn du gegen einen solchen Gegner gewinnen willst, dann musst du vorn das 1:0 machen und hinten einen Bus parken.“ VfV 06-Trainer Marcel Hartmann war mit der Leistung seines Teams in der ersten Halbzeit „zufrieden“, bemängelte aber das Abwehrverhalten: „Vor allem auf unserer rechten Seite waren wir zu offen, da haben wir nicht gut durchgeschoben.“

Elversberger Fans wollen Beachparty feiern

SVE-Trainer Horst Steffen monierte die Nachlässigkeiten seiner Mannschaft in den ersten 20 Minuten: „Da waren wir nicht aggressiv genug und Hildesheim hat einige Jungs im Team, die einen gepflegten Doppelpass spielen können.“ Nach dem ersten Tor habe es seine Mannschaft aber leichter gehabt als erwartet.

Die zweite Halbzeit ist schnell erzählt: Die Hildesheimer wollten wenigstens das Ehrentor, doch hinten fehlte der Zugriff. Der hohe Favorit konnte das Ergebnis fast mühelos in die Höhe schrauben. Paul Stock (51.), Frederik Schmahl (61.), Carlo Sickinger (76.) und Mampasi Boyamba (78.) trafen, am Ende hieß es 0:7 aus Hildesheimer Sicht – sehr zur Freude der rund 200 mitgereisten Elversberger Fans.

Der Fanklub „Elv-United“ war in bunten Hawaii-Hemden, Badelatschen und Sonnenbrillen aufgelaufen. „Wir wollten hier eigentlich eine Beachparty feiern“, meinte Fanklub-Vorsitzender Lukas Friedrich. Aber für ein Bad im Hohnsensee war es zu kühl und nass. Immerhin blieb es während des Spiels weitgehend trocken.

„Sommer, Sonne, Kacklos“

Vor dem Anpfiff hatten die Anhänger aus dem Saarland ein Banner präsentiert. Aufschrift: „Sommer, Sonne, Kacklos“. Es war ironisch gemeint. Dass man sich beim VfV 06 einen namhafteren Gegner gewünscht hätte, hatte sich bis Elversberg herumgesprochen. Nach dem Spiel mögen etliche Hildesheimer Fußballfreunde vielleicht anders darüber denken, denn sowohl die Elversberger Mannschaft als auch deren Fans waren sehr sympathische Gäste.

Trotz der hohen Niederlage verabschiedeten auch die Hildesheimer Zuschauer ihr Team mit viel Beifall. Schon während des Spiels hatten sie gelungene Aktionen der Borussen immer wieder mit Szenenapplaus belohnt. „Wir hätten gern das Ehrentor erzielt“, meinte Trainer Hartmann. „Leider ist es uns nicht gelungen.“

Trotzdem: „Ein tolles Erlebnis“

VfV 06-Präsident Michael Salge war dennoch erfreut: „Das volle Stadion war ein schönes Bild. Es wäre toll, wenn das in Zukunft öfter so wäre.“ Zumindest für einen Tag stand Fußball-Hildesheim bundesweit im Blickpunkt. Sky übertrug live aus dem Friedrich-Ebert-Stadion – und in der ARD-Sportschau gab es Ausschnitte vom Spiel. Im ARD-Interview meinte VfV-Stürmer Gökdemir: „Es war ein tolles Erlebnis. Jetzt arbeiten wir daran, dass wir das im nächsten Jahr wiederholen können.“ Dafür müsste der VfV 06 den NFV-Pokal erneut gewinnen.

Hier können Sie das Spiel im Liveticker nachlesen

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