Hildesheim - Dass es nach dem Abstieg aus der Fußball-Regionalliga Einschnitte geben würde beim VfV Borussia 06 Hildesheim, das war klar. Wie groß vor allem der finanzielle Verlust ist, verdeutlicht eine Aussage von Klubchef Achim Balkhoff. Er erklärt klipp und klar: „Der sofortige Wiederaufstieg ist nicht unser Ziel.“
Er fährt fort: „Mit einer gesunden Balance aus bisherigen erfahrenen Regionalliga-Spielern und jungen, hungrigen Talenten aus der Region wollen wir in der kommenden Saison zunächst eine gute Rolle in der Oberliga spielen.“ Mit einer weiter verbesserten Struktur im Verein solle dann in einem Zwei- bis Drei-Jahresplan das Ziel „Wiederaufstieg“ angepeilt werden.
Das größte Talent geht nach Berlin
Eines der jungen und vielversprechenden Talente konnte der VfV 06 nicht halten. Der 18-jährige Alexander Dikarev hat einen Vertrag beim Nord-Ost-Regionalligisten Viktoria Berlin unterschrieben. In der vergangenen Saison war der Youngster zu vielen Einsatz gekommen und überzeugte in Abwehr und Mittelfeld mit guten Leistungen. „Alex ist ein Riesentalent“, schwärmte Trainer Markus Unger.
„Natürlich ist es schade, dass wir Alexander Dikarev verlieren“, sagt Klubchef Balkhoff. „Vielleicht wäre es für ihn besser gewesen, sich bei uns weiterzuentwickeln. Aber so ist das Geschäft.“ Ein Geschäft, in dem der VfV 06 nach dem Abstieg nicht mehr mitbieten kann, wenn Regionalligisten talentierte Spieler abwerben. Der VfV 06 spielt nun auch in Sachen Neuverpflichtungen eine Liga tiefer.
Die ersten Neuzugänge
Am Montag wurden die ersten drei Neuzugänge für die kommende Oberliga-Saison präsentiert. Carlos Christel ist 19 Jahre jung. Er machte seine Fußballausbildung im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) von Eintracht Braunschweig und spielte dort unter anderem in der U17-Bundesliga. In seinem ersten Herrenjahr trug er in der Landesliga das Trikot des MTV Wolfenbüttel. Christel schoss in seiner Premieren-Saison 17 Tore und war dabei einer der besten Goalgetter der Liga. Balkhoff betont zudem die regionale Identität: „Carlos ist ein echter Hildesheimer Junge, wohnt in Harsum und beginnt im Herbst sein Studium in Hildesheim.“
Neuzugang Nummer zwei ist Nikos Elfert (22). Er kommt aus dem U19-Bundesliga-Team des TSV Havelse und kickte zuletzt beim diesjährigen Oberliga-Dritten FC Germania Egestorf. Er kann auf beiden Abwehrseiten spielen. In den zwei Jahren bei Egestorf war er Stammspieler und kam in 48 Oberliga-Partien als Defensivakteur auf zehn Tore. „Nikos ist ebenfalls regional verwurzelt und wohnt in Neustadt“, berichtet Balkhoff.
Wer wird neuer Cheftrainer?
Zwei Jahre älter ist Can Gökdemir. Der 24-Jährige wechselt vom Oberligisten SV Ramlingen-Ehlershausen an die Pottkuhle. Zuvor traf der Offensiv-Allrounder auch für den TSV Havelse und HSC Hannover – sowohl in der Oberliga als auch in der Regionalliga. In Ramlingen war er Stammspieler und schoss in der abgelaufenen Saison 13 Tore. In seiner noch jungen Karriere kann er bereits auf die Erfahrung aus 69 Regionalliga-Einsätzen und 42 Partien in der Oberliga zählen. Gökedmir stammt aus Hameln und wohnt in Hannover.
Für diese Woche kündigt der VfV 06 weitere Neuverpflichtungen sowie Vertragsverlängerungen mit bisherigen Spielern an. Auch der neue Chefcoach könnte bis zum Wochenende verkündet werden, heißt es.
Dass die sofortige Regionalliga-Rückkehr nicht auf der Agenda steht, hat gute Gründe, denn mit Kickers Emden, Atlas Delmenhorst und dem BSV Rehden begleiten drei Mitabsteiger den VfV 06 in die Oberliga – und die scheinen finanziell besser ausgestattet zu sein.
Positive Formulierung
In Emden ist ein zahlungskräftiger Mäzen eingestiegen, Delmenhorst hat sich für den DFB-Pokal qualifiziert und erwartet einen Geldsegen – und auch in Rehden gibt es ein paar großzügige Geldgeber.
Beim VfV 06 haben nach dem Abstieg etliche Sponsoren ihre Zuwendungen reduziert. So wird der ausgedünnte Etat – über die Höhe macht der Verein keine Angaben – auch bei den weiteren Personalien zwangsläufig die Marschroute vorgeben. Achim Balkhoff versucht es, positiv zu formulieren: „Die neue Mannschaft soll frisch, sympathisch und hungrig rüberkommen.“
Kommentar: Der Abstieg wirft den VfV 06 um Jahre zurück
Der Abstieg aus der Fußball-Regionalliga wirft den VfV Borussia 06 Hildesheim um Jahre zurück. Der Etat muss erheblich gekürzt werden. Viele Spieler haben oder werden den Verein verlassen. Dass auch ein Talent wie der 18-jährige Alexander Dikarev nicht gehalten werden kann, ist bitter. Gleichwohl setzt der der VfV 06 bei den Neuverpflichtungen auf junge Akteure. Das ist einerseits löblich, aber auch aus der Not geboren.
Wie stark der Einschnitt ist, wird bei der Formulierung des Saisonziels deutlich: „Der sofortige Wiederaufstieg ist nicht unser Ziel“, sagt Vereinschef Achim Balkhoff. Man wolle und müsse sich für den Neuaufbau Zeit nehmen. Ziel sei es, eine junge und ehrgeizige Mannschaft, umgeben von einigen etablierten Kräften, ins Rennen zu schicken. Die Fans müssen sich auf einen längeren Aufenthalt des VfV 06 in der Oberliga einstellen. Die Frage: Gehen sie diesen Weg mit?
Es wird klar, dass der VfV 06 mit Klubs wie Kickers Emden Atlas Delmenhorst und BSV Rehden, die ebenfalls abgestiegen sind, aber ihre Kader offenbar aufrüsten, kaum mithalten kann. Und das ist die eigentlich bittere Nachricht: Nämlich, dass es in der 100 000-Einwohner-Stadt Hildesheim nicht gelingt, langfristig zumindest Regionalliga-Fußball zu etablieren

