Hildesheim - Der Boden war tief, und der Gegner stand tief. Damit hatten die Oberliga-Fußballer des VfV Borussia 06 Hildesheim am Sonntag so ihre Probleme. Der Spitzenreiter kam gegen den Tabellen-Sechzehnten Eintracht Northeim nicht über ein 1:1 hinaus.
Nachdem die Heimspiele gegen TB Uphusen und Kickers Emden witterungsbedingt ausgefallen waren, hatten 1320 Zuschauer große Lust auf Fußball. Doch kaum hatten sie ihre Plätze eingenommen, da mussten sie erstmal einen kleinen Schock verdauen. Es waren gerade mal drei Minuten gespielt, als der Northeimer Marc-Jannick Grunert den Ball nach einer kurz ausgeführten Ecke scharf und flach an den Fünf-Meter-Raum passte. Dort staubte Julian Kratzer zum 0:1 ab. Ein Treffer, der schwer zu verteidigen war.
Kleiner Schock in der 3. Minute
Der Spitzenreiter reagierte und belagerte sofort das Gästetor. Benedict Plaschke hatte die erste gute Chance. Er tankte sich auf der rechten Seite durch. Doch nach seinem Schuss in die kurze Ecke tauchte Eintracht-Torwart Tim Tautermann in die kurze Ecke und wehrte den Ball ab. Die Borussen drängten weiter. Nach 21 Minuten lupfte Verteidiger Mohammad Baghdadi einen Freistoß in den gegnerischen Strafraum. Plaschke reagierte am schnellsten und schoss das Leder aus kurzer Distanz hoch ins Netz – 1:1. Vor der Pause vergaben abermals Plaschke, Baghdadi und Zlatkov weitere gute Möglichkeiten. „Die Northeimer kämpfen und stehen sehr tief, aber das halten die nicht durch“, bilanzierte VfV-Sportkoordinator Thomas Siegel zur Halbzeit.
Die Fans hofften in der zweiten Hälfte auf einen Sturmlauf des Spitzenreiters, doch die abstiegsbedrohten Gäste, die sich in der ersten Halbzeit einige Male durchaus gefährlich nach vorne gewagt hatten, verteidigten nun mit Mann und Maus. Sie zogen sich nun komplett zurück, und für die Borussen gab es kaum ein Durchkommen, zumal ein Kombinationsspiel auf dem holprigen Boden kaum möglich war. Entweder kamen die Pässe zu ungenau oder es war ein gegnerisches Bein dazwischen.
Gäste spielen auf Zeit
Zudem übertrieben die Gäste das Zeitspiel. Ständig wälzte sich ein Northeimer am Boden, und bei Abstößen ließ sich Torwart Christopher Meyer sehr viel Zeit. Meyer war in der zweiten Hälfte für Tautermann eingewechselt worden, der sich insbesondere bei einigen Abstößen schlimme Patzer geleistet hatte.
Mitte der zweiten Hälfte sah der Northeimer Jakob-Hanno Westfal die gelbe Karte. Er hatte sich bei einem Einwurf aufreizend viel Zeit gelassen. Wenig später ließ sich Paul Mähner theatralisch fallen. Gelb wegen Schauspielerei wäre die richtige Entscheidung gewesen, doch diesmal ließ Schiedsrichter Timon Oliver Schulz die Karte stecken.
Das alles brachte die Borussen aus dem Rhythmus. Jan Zlatkov versuchte es mit einem Distanzschuss, doch der Ball flog weit über das Tor. Den Hildesheimern lief nun die Zeit davon. Trainer Benjamin Duda brachte mit Neuzugang Stephane Dieupeugbeu, Adem Avci und Leon Heesmann frische Offensivkräfte. Letzterer hatte Pech bei einem Schuss aus halbrechter Position. Der Ball streifte die Latte (82.).
In der vierminütigen Nachspielzeit hatten die Zuschauer den Torschrei noch zweimal auf den Lippen. Doch Silvester Fahlbusch klärte nach einem abgefälschten Freistoß auf der Linie – und Avci köpfte den Ball nach einer Baghdadi-Ecke um Zentimeter am Tor vorbei.
Diesmal fehlt das Glück
Das Glück, das den Borussen in dieser Saison einige Male hold war, fehlte ihnen diesmal. Dagegen war Gästetrainer Nils Reutter überglücklich. Er hatte in der vergangenen Woche den entlassenen Simon Schneegans abgelöst. Ein Remis beim Tabellenführer ist kein schlechter Einstand. „Sicherlich war der Punkt etwas glücklich, aber den nehmen wir natürlich gerne mit“, freute sich Reutter.
Für den VfV 06 waren es nach neun Erfolgen die ersten Punktverluste auf eigenem Platz. „Das ist natürlich ärgerlich“, erklärte VfV-Coach Benjamin Duda. „Aber es ist kein Drama. Wir machen weiter.“
