Typisch!

Vom Ballermann-Dilemma zur Hildesheimer Hosen-Sensation: ein Plädoyer für mehr Philosophie

Hildesheim - Unser Kolumnist hat eine nachdenkliche Phase. Heute widmet er sich dem Mallorca-Festival, der KI und einer modischen Überraschung im Hildesheimer Rathaus.

Dieser Mann schreibt seine Kolumnen selbst - plötzlich fragt er sich, was wohl passieren würde, wenn die KI das Ruder übernimmt. Typisch! Foto: Julia Moras

Hildesheim - Darf man – unabhängig von etwaiger Alkoholintoxikation – zu schlechter Musik in gute Stimmung kommen? Ich stelle Ihnen und mir diese Frage, liebe Leserinnen und Leser, während der ewig gleiche, dumpfe Stampf-Beat und das nervige Gegröle des diesjährigen Mallorca-Festivals über Hildesheim hinweghallen. Man kann ganz offensichtlich. Es ist Samstagnachmittag, und meine zweite Frage lautet: Ist jeder, der sich einen Ballermannhit ausdenkt, zu dem alle mitsingen, gleich ein Künstler? Und drittens: Was ist, wenn die KI den ganzen Quatsch zusammengebraten hat – darf man dann auf den Interpreten sauer sein? Ich frage das bewusst, denn in Hildesheim ist gerade auch die Mallorca-Größe Ikke Hüftgold am Start, dessen neuer Hit sich um Geschlechtsverkehr dreht und im Original mehrere Fußball-Nationalspieler obszön ins kaum vorhandene Reimschema einbaut. Völlig durchgeschüsselt! Aber angeblich von der KI verfasst. Die Herren Schlotterbeck und Woltemade könnten ja den Hüftgold anrufen und sagen: „Junge, hast du in Sangria gebadet?“, und dann könnten sie ihm Haue androhen. Aber der KI? Wie soll man die zur Rechenschaft ziehen? Man ist ja schon fast geneigt, die arme Künstliche Intelligenz in Schutz zu nehmen, weil sie ja nur mit Wahrscheinlichkeiten hantiert. Und dass jemand zu dem Lied richtig eskaliert, war offenbar … nun ja: sehr wahrscheinlich. Was sagt das über uns Menschen aus?

Bevor ich zu philosophisch werde, werfen wir lieber noch mal einen Blick auf real existierende nackte Haut. Treue Leser dieser Kolumne wissen, dass ich mich vergangene Woche vehement gegen kurzbehoste Männerbeine in Redaktions- und Amtsstuben ausgesprochen habe – es sei denn, die Dezernentenrunde im Rathaus tage in Bermuda-Shorts. Was soll ich Ihnen sagen? In des Oberbürgermeisters Instagram-Story tauchte ein Clip auf – Ingo Meyer, Kämmerer Ulf Behnel und Sozialdezernent Malte Spitzer in kurzen Hosen.

Schönen Dank auch, mindestens einer unserer Redakteure läuft seitdem in Hotpants durch den Newsroom, schließlich hätte ich das ja in der Kolumne erlaubt. Was lernen wir daraus? Vorsichtiger sein. Oder wie Herr Hüftgold alles der KI in die Schuhe schieben.

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