Alfeld/Kreis Hildesheim - Der Anstieg ist extrem: Seit den Angriffen von Israel und den USA auf den Iran sind die Preise für Kraftstoffe in die Höhe geschossen. Für alle, die regelmäßig mit dem Auto oder anderen Fahrzeugen unterwegs sind, bedeutet das deutlich höhere Kosten. Doch was ist mit den Unternehmen, die darauf nicht verzichten können?
Busunternehmen fängt Schwankungen selbst ab
Mit etwa 15 Bussen ist das Northeimer Busunternehmen Weihrauch für den Regionalverkehr Hildesheim (RVHI) im Südkreis unterwegs – jeder einzelne davon fährt am Tag ungefähr 250 Kilometer. Da kommt ein immenser Dieselverbrauch zusammen. Die Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen seien „gewaltig“, sagt der Alfelder Betriebsleiter Marco Müller.
Bezahlt wird der Betrieb vom RVHI mit einer monatlichen Pauschale. Preisschwankungen beim Sprit muss er zunächst selbst abfangen. Allerdings, erklärt Müller, gebe es in den Verträgen sogenannte Preisgleitklauseln. Das sind Regelungen, die festlegen, dass sich die Vergütung automatisch anpasst, wenn sich bestimmte Kostenfaktoren – etwa der Dieselpreis – deutlich verändern. Das Problem: „Die greifen erst nach einem gewissen Zeitraum.“
Die Stellschrauben, an denen das Unternehmen drehen kann, sind klein. An Routen kann es selbst nichts ändern. „Natürlich sind unsere Fahrer aber generell dazu aufgefordert, spritsparend zu fahren und zu tanken, wenn die Preise unten sind“, erklärt Müller. Er findet es „nicht nachvollziehbar“, dass es beim Sprit „einen Kriegszuschlag“ geben müsse. Seiner Meinung nach ist „die Politik stark gefordert“, bei solchen Entwicklungen gegenzusteuern.
Muss der RVHI seine Budgetplanung überschreiten?
Mit ihren eigenen Fahrzeugen verbrauchen Stadtverkehr (SVHI) und Regionalverkehr Hildesheim (RVHI) mehr als 200.000 Liter Diesel im Monat – kein Wunder, besteht die Busflotte der beiden Unternehmen zusammen aus 110 Fahrzeugen. Und so könnte der zuletzt stete Anstieg der Kraftstoffpreise die Verkehrsbetriebe „künftig vor Herausforderungen stellen“, sagt Pressesprecherin Ziti Haviri. Derzeit sei die Versorgung zwar gesichert, man schöpfe den Vorrat im Tanklager aus. Doch in zwei bis drei Wochen werde die Preisentwicklung „interessant für uns“, erklärt Haviri. Was wohl bedeutet: Dann steht die nächste Bestellung an.
Ihre Budgets für das aktuelle Geschäftsjahr hätten die Unternehmen auf Basis der Vorjahreswerte kalkuliert. Doch inwiefern dieser Wert über das Jahr hinweg realistisch bleibe, werde die weitere Entwicklung zeigen. Klar sei: „Der aktuelle Tagespreis dürfte spürbar über den Planwerten liegen.“
Bereits jede minimale Veränderung an den Zapfsäulen führe zu erheblichen Budgetverschiebungen. Diese bezögen den Diesel wegen ihres höheren Bedarfs über einen Großhändler, dessen Konditionen seien unmittelbar an die Entwicklung der Weltmarktpreise gekoppelt.
Kurierfahrerin bleibt gelassen
Recht entspannt blickt hingegen Sabine Jones auf die Lage. Im Alfelder Ortsteil Wispenstein betreibt sie das Transportunternehmen Jones. Damit übernimmt sie vor allem Sonderfahrten – „wenn es schnell gehen muss und sonst nichts mehr geht, springen wir ein“, erklärt sie. Zwar umfasst die Fahrzeugflotte ihres Betriebs nur drei Bullis, doch die Strecken sind weit, führen quer durch Europa.
In den 20 Jahren, in denen sie den Job bereits mache, habe sie viele Preisschwankungen erlebt, berichtet Jones. Wirtschaftlich kritisch sei es dabei am Ende nie geworden – und so werde es wohl auch diesmal kommen. Ihre Preise hat Jones zuletzt zum Jahresanfang etwas nach oben korrigiert – wegen der höheren Preise aufgrund des Anstiegs der CO2 -Steuer. Erneut an der Preisschraube drehen möchte sie aktuell nicht.
Bäcker findet: „Das müssen wir aushalten“
Biels Backhaus mit Sitz in Delligsen liefert seine Backwaren bis nach Northeim, Hameln und Seesen aus. Viel Fahrerei. Jetzt einfach von heute auf morgen die Brötchenpreise zu erhöhen, komme für ihn aber nicht in Frage, betont Geschäftsführer Hendrik Biel. „Das müssen wir gerade aushalten – und hoffen, dass es sich im Nahen Osten bald wieder beruhigt“, sagt der Bäckerei-Chef.
Und wenn der Krieg doch nicht so schnell vorbei sein sollte? „Nun, es betrifft ja erst mal nur die Auslieferung, das heißt, unsere sieben Fahrzeuge.“ Die laufen mit Benzin beziehungsweise Diesel; E-Mobilität komme wegen der weiten Entfernungen nicht in Frage. „Unsere Öfen laufen mit Gas und PV, wir haben auch ein eigenes Blockheizkraftwerk“, erklärt Biel. Energetisch habe das Unternehmen einiges unternommen, um Abhängigkeiten zu minimieren.
Der ZAH sorgt vor
Der Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim (ZAH) braucht pro Jahr rund eine Million Liter Diesel für seine Fahrzeuge. Aktuell lagert in den Tanks noch Sprit für rund fünf Wochen, berichtet Geschäftsführer Jens Krüger auf Anfrage. Darauf wolle er sich nicht verlassen: „Wir werden in nächster Zeit in kleineren Chargen zukaufen“, kündigt er an. „Es gibt keine Garantie, dass der Dieselpreis nicht noch weiter steigt.“
Die Kraftstoffe machen laut Krüger knapp zehn Prozent der jährlichen Gesamtkosten des ZAH aus. Im Vorjahr zahlte der Zweckverband im Schnitt 1,44 Euro pro Liter – als Großkunde bekommt er andere Preise als der einzelne Autofahrer an der Zapfsäule. Dass es in diesem Jahr teurer werden würde, habe sich jedoch schon vor dem Angriff Israels und der USA auf den Iran angedeutet.
Dauerhafte spürbare Preissteigerungen könnten sich auch auf die Abfallgebühren auswirken, räumt Krüger ein. Wichtiger sei ihm aber: „Ich will nicht in die Lage kommen, dass wir die Tonnen nicht leeren können, weil wir keinen Diesel haben.“
