Bestattungen

Vom imposanten Grabstein zur kleinen Platte – wie sich die Alfelder Friedhöfe in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben

Alfeld - Auf den Friedhöfen gibt es immer weniger Gräber, die beinahe schon kleinen Gärten ähneln. Doch verschwinden aufwendig gestaltete Grabsteine deswegen komplett? Ein Blick auf die Alfelder Friedhöfe verrät: Der Trend geht zu einer ganz bestimmten Bestattungsform.

Auch Urnengräber bieten den Angehörigen Möglichkeiten der Gestaltung ohne großen Pflegeaufwand. Foto: Madlin Trümper

Alfeld - Mehrere Quadratmeter groß, von kleinen Hecken oder Büschen umgeben und mit einem imposanten Grabstein versehen – diese Art der letzten Ruhestätte eines Menschen findet sich immer seltener auf den Friedhöfen. Der Trend geht hin zu deutlich bescheidener gestalteten oder sogar anonymen Grabstellen. Marcel Runge, Leiter des Friedhofsamts, und Ines Westphal vom Alfelder Steinmetzbetrieb Westphal Natursteine erzählen, was sich auf den Alfelder Friedhöfen in den vergangenen Jahren verändert hat und wie die Steinmetzbetriebe mit dem Wandel der Bestattungsarten umgehen.

Die Kinder wohnen oft nicht mehr in der Nähe

Mehrere Faktoren führen dazu, „dass man weniger klassische Grabsteine auf den Friedhöfen sieht“, sagt Runge. „Das ist der Wandel vom Sarg- zum Urnengrab, der bereits seit vielen Jahren anhält und bei den meisten Friedhöfen dazu führt, dass etwa zwei Drittel aller Beisetzungen als Urne erfolgen“, erläutert der Leiter des Alfelder Friedhofsamts. Diese Grabformen seien deutlich pflegeleichter oder sogar komplett ohne Pflegeaufwand, nennt er einen Grund. Das sieht auch Ines Westphal so: „Die Urnengrabstellen sind im Trend. Diese werden auch häufig gewählt, weil die Angehörigen gar nicht mehr in der Nähe wohnen.“ Sie könnten sich nicht über 25 oder 40 Jahre regelmäßig um eine Grabstätte kümmern.

Diesem Wandel passen sich die Friedhofsverwaltungen an – beispielsweise in Form von pflegeleichten oder sogar komplett pflegefreien Gemeinschaftsanlagen. Dazu gehören in Alfeld die komplett anonymen oder halbanonymen Urnengräber mit Gedenkstele und die Urnengemeinschaftsanlage „Blätter im Wind“.

Steinmetz wollte Grabsteine zur Pflicht machen

Der Flecken Delligsen ermöglicht auch Baumbestattungen, bei denen ein Grabstein oder eine Platte optional ist. Das hatte einem Steinmetz nicht gefallen. Er stellte im vergangenen Jahr einen Antrag bei der Gemeinde, der die Errichtung eines Gedenkzeichens bei den Baumbestattungen als verpflichtend vorsieht. Die Begründung: Die derzeitige Regelung würde zum Aussterben des Steinmetzhandwerks führen. In Delligsen hatte es zu diesem Zeitpunkt bereits 25 Baumbestattungen gegeben – etwas mehr als die Hälfte ohne Grabstein. Der Delligser Rat hatte dem Steinmetz damals eine Absage erteilt.

Das befürwortet Westphal. „Natürlich wird das irgendwann schwierig, wenn der Trend weiter dahin geht, aber ich glaube, der Großteil der Menschen ist noch daran interessiert, dass es eine schön gestaltete Grabstelle gibt.“

Angehörige wünschen sich eine Anlaufstelle

Das hat auch Runge beobachtet: „Bei den Gemeinschaftsanlagen wird in fast allen Fällen darauf Wert gelegt, den Namen und die Daten des Verstorbenen aufzuführen.“ Er weiß auch: „Aus der Praxis sind einige Fälle bekannt, in denen sich die Angehörigen im Nachhinein doch einen Ort wünschen, an dem sie trauern können.“ Westphal bestätigt: „Es gibt viele Angehörige, die sagen, dass sie eine Anlaufstelle wollen.“

Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider. „Mit der Einführung des halbanonymen Urnengrabes ist die Anzahl der anonymen Grabstellen eher zurückgegangen“, verrät Runge. Zwischen 2010 und 2015 habe es im Durchschnitt noch 41 anonyme Bestattungen gegeben. „In den vergangenen fünf Jahren lag der Mittelwert nur noch bei 26 anonymen Urnen“, sagt der Leiter des Friedhofsamts.

Die Grabsteine verschwinden also nicht von den Friedhöfen – sie werden aber weniger imposant. „Es gibt viele Möglichkeiten, die keine große Grabstelle benötigen. Es wird zwar alles kleiner, aber es ist nicht so, dass es komplett ins Unscheinbare geht“, erklärt Westphal und nennt ein Beispiel: „Man kann mit den Schriften inzwischen die kleinsten Bereiche gestalten. Die Optionen, das in klein umzusetzen, was man früher nur in groß kannte, sind mehr geworden.“

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