Landesbischof eingeschaltet

Von der Decke tropft schon Wasser: Lage am Hildesheimer Andreanum spitzt sich weiter zu

Hildesheim - Wasser im Saal, feuchte Wände, gesperrte Klassenräume: Die bauliche Lage am Hildesheimer Gymnasium Andreanum spitzt sich zu. (Mit Kommentar)

Idyllische Lage, schlechte Bausubstanz: das Gymnasium Andreanum am Hagentorwall. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Wasser im Telemannsaal, gesperrte Klassenräume, nasse Flure und ein damit insgesamt einhergehender Bedeutungsverlust im Wettbewerb der Hildesheimer Schulen: Die Situation um das in baulicher Hinsicht in weiten Teilen marode Gymnasium Andreanum spitzt sich weiter zu. Offenbar kämpft die Schule zunehmend mit den Folgen der baulichen Mängel. Schulelternrat und Schülervertretung haben jetzt getrennt voneinander Brandbriefe an Landesbischof Ralf Meister geschrieben, in denen sie sich bitterlich über die Untätigkeit beklagen.

Die Grenze des Tragbaren sei aus Sicht der Schüler erreicht, schreibt deren Vertretung. Dem schließt sich der Schulelternrat an. „Mit dem nunmehrigen Zustand insbesondere des Telemannsaals ist der Punkt erreicht, an dem die Geduld aufgebraucht und das Vertrauen in den Träger unserer Schule erschüttert ist“, erklärt das Gremium um die Vorsitzende Kirstin Seidel.

Landeskirche und Stadt verhandeln schon seit Jahren

Die Landeskirche Hannovers als Träger des evangelischen Gymnasiums und die Stadt Hildesheim als Eigentümerin von Teilen des Grundstücks sowie der Schulgebäude verhandeln schon seit Jahren über die Verteilung der anstehenden Kosten. Deren Höhe hatten Planer vor Jahren mal auf 6,5 Millionen Euro taxiert. Fachleute gehen aber davon aus, dass inzwischen wohl deutlich mehr Geld erforderlich wäre. „Stadt und Landeskirche sind bestrebt, die Verhandlungen bis zum Frühjahr zum Abschluss zu bringen“, schreibt Kerstin Gäfgen-Track, Leiterin der Bildungsabteilung der Landeskirche, in einem Antwortschreiben an den Schulelternrat und die Schülervertretung. Ihr sei bewusst, dass es sich um eine sehr schwierige Situation handele, die sich jetzt schon sehr lange hinziehe.

Die Gremien der Schule hatten sich in den vergangenen Jahren äußerst geduldig gezeigt. Aber während Schulleiter Dirk Wilkening noch heute von einer „komplexen Gemengelage“ spricht, die aber „insgesamt lösbar“ sei, haben der Schulelternrat und die Schülervertretung ihre Bisshemmungen nahezu komplett verloren. „In den letzten Wochen nehmen diese Mängel (...) Dimensionen an, die für uns alle nicht mehr tragbar sind“, haben die Schülerinnen und Schüler an den Landesbischof geschrieben. Der Telemannsaal, der als Proberaum für alle Chöre und Orchester, Bühne für Theatergruppen, Aula und als Ort für die wichtigsten Klausuren fungiere, stehe unter Wasser. „Das Parkett ist schwer beschädigt, die Technik im Saal ist in Gefahr und weitere Folgeschäden treten damit auf.“ Einer der wichtigsten Orte des Schullebens falle damit komplett weg.

Das Andreanum fängt das Wasser in großen Gefäßen auf

Im ganzen Hauptgebäude tropfe zudem das Regenwasser durch die Decke, in den Fluren stünden große Wannen, die allerdings auch kaum noch helfen würden. An vielen Wänden seien große Wasserschäden zu erkennen, es breite sich Schimmel aus. „Wir bitten daher ausdrücklich darum, dass sich unsere Sache zu Herzen genommen wird. Wir sind mehr als ein sanierungsbedürftiges Gebäude, wir sind die Menschen, die dort tagtäglich ein- und ausgehen“, so die Schülervertretung.

Der Schulelternrat schließt sich dieser Argumentation an. In den zurückliegenden Jahren habe die Schulleitung ebenso wie das Schulwerk bei den Eltern immer wieder um Verständnis für die schwierigen Entscheidungsprozesse auf dem Weg zur Sanierung der Schulgebäude gebeten. Dieses Verständnis habe man bislang aufgebracht. Das Schulgebäude habe jetzt aber einen Zustand erlangt, der den Schülerinnen, dem Lehrerkollegium und der Schulleitung nicht mehr zuzumuten sei. Die Eltern deuten in ihrem Schreiben auch einen Bedeutungsverlust für die Schule an. Schließlich werde der Zustand Eltern von künftigen Fünftklässlern kaum verborgen bleiben.

Dach des Telemannsaals soll umgehend saniert werden

Die Landeskirche räumt alle vorgetragenen Kritikpunkte ein. „Der bauliche Zustand einiger Gebäude des Andreanum ist schlecht und hat sich teilweise in den letzten Wochen noch weiter verschlechtert“, so Gäfgen-Track in ihrer Antwort an den Schulelternrat und die Schülervertretung. Als Sofortmaßnahme habe das evangelische Schulwerk die Dachsanierung des Telemannsaales in Auftrag gegeben. Das sollte eigentlich schon während der Herbstferien passieren, habe aber wegen des schlechten Wetters verschoben werden müssen. Jetzt solle die Dachsanierung bis Weihnachten abgeschlossen sein. „Für das Oberstufengebäude und die Turnhalle wird sich eine Teilsanierung anschließen“, schreibt die Chefin der Bildungsabteilung. Zudem hätten eine Kirchengemeinde sowie das Michaeliskloster Räume angeboten, die übergangsweise genutzt werden dürfen.

Bei den Eltern freut man sich einerseits über die positive Antwort, andererseits gibt es Vorbehalte. „Was die Verhandlungspartner genau unter ’Frühjahr’ verstehen, wissen wir nicht“, sagt Schulelternrats-Vorsitzende Seidel. Sie wünsche sich, dass der „unbedingte Wille“ der Verhandelnden zu einem gemeinsamen Erfolg noch stärker erkennbar sei. „Wobei es im Ergebnis nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie der längst überfälligen Grundsanierung gehen kann.“


Kommentar: Dem Andreanum droht enormer Bedeutungsverlust

Um den baulichen Zustand des Gymnasiums Andreanum steht es schlecht. Aber das ist nicht das Schlimmste. Beunruhigender ist, dass mit jedem verstrichenen Jahr ein Bedeutungsverlust für eine Schule einhergeht, die von Menschen weit über den Landkreis hinaus angesteuert wird. Diese suchen bewusst die Nähe zur evangelischen Kirche oder zur hervorragenden musischen und sprachlichen Heranführung an eine spätere Universitätsausbildung. Aber all das beeindruckt Eltern kommender Fünftklässler wenig, wenn sie beim ersten Besuch durch nasse Räume waten. Der derzeitige Schaden ist deshalb immens. Die Landeskirche und die Stadt müssen sich jetzt einigen. Tun sie es nicht, nimmt die Schule dauerhaft Schaden.

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