Hildesheim - Vermüllte Fahrradkörbe, schmutzige Speichen, platte Reifen und manchmal fehlt bereits das Vorderrad. Geschätzte 215 Fahrräder sind von der Stadt Hildesheim im Mai dieses Jahres rund um den Hildesheimer Hauptbahnhof geräumt worden. Vierzig davon wurden von ihren Besitzern und Besitzerinnen wieder abgeholt. Die übrigen 175 Räder stehen als Fahrradwaisen am 16. August zum Verkauf.
Über Monate sammeln sich Fahrräder um den Hildesheimer Hauptbahnhof. „Die Räder sind in den meisten Fällen komplett verwahrlost“, erzählt Nils Rühmann, Fachbereichsleiter für Tiefbau, Verkehr und Grün – der Stadt Hildesheim. Das Ordnungsamt markiert gemeldete oder auffällig vernachlässigte Räder und setzt eine Frist. Verstreicht die Frist, werden sie abgeholt. Dieses Jahr gab es für die Reinigungsaktion im Mai sogar Mitteilungen der Stadt und große Plakate, die auf das Datum der Räumung hingewiesen haben. Trotzdem war die Zahl an zurückgelassenen Rädern noch nie so groß.
Drei Tage Arbeit für die Stadt
Die Schlösser werden durchtrennt, am zugehörigen Fahrrad befestigt und die Gegenstände dokumentiert. „Oft werden auch nur noch die Gestelle geborgen“, sagt Rühmann. Sobald Fahrräder markiert sind, ist für jeden sichtbar, dass der Besitzer sich offensichtlich nicht mehr kümmert. „Dann geht es schnell: Erst fehlt ein Vorderrad, dann der Sattel.“
Schätze zwischen Fahrradwaisen
„Es sind allerdings auch viele gute Fahrräder dabei“, sagt Rühmann und zeigt ein beiges Holland-Rad, das wie neu aussieht. Liebhaber haben hier die Chance, auch Vintage-Stücke zu finden. Rühmann’s Liebling ist ein orangefarbenes Vintage-Klapprad. Auch Rennräder gibt es. Ein besonders schönes Modell ist ein weißes Single-Speed, ein Rennrad ohne Gangschaltung. „Ein ehemaliges O-Bike haben wir auch. Sie haben unplattbare Vollgummireifen.“, sagt Rühmann. Das ist eine Kuriosität: Obike ist ein Anbieter von Leihrädern gewesen. Die Firma ist vor einigen Jahren pleite gegangen und hat entsprechend ihre Räder verkauft.
Verkauf statt Versteigerung
Bis zum 15. August können Besitzerinnen und Besitzer ihre Räder noch auslösen. Die Rückforderung des eigenen Fahrrads ist allerdings mit Kosten von 45 Euro verbunden. Alle übrigen werden am Samstag, 16. August, in der Zeit von 9 bis 12 Uhr auf dem Hildesheimer Bauhof verkauft. In den letzten Jahren wurden die Räder versteigert. Dafür sind es jedoch zu viele. Jetzt wird es Preiskategorien geben: Starten sollen die Preise bei circa 5 Euro. Die teuerste Kategorie steht noch nicht fest. „Letztes Mal lag der höchste Preis für das Fahrrad bei 75 Euro“, sagt Rühmann zur Orientierung. Wer am Verkaufstag erscheint, hat gute Chancen, ein günstiges Zweirad mit nach Hause zu nehmen. Wie immer gilt die Regel: Gekauft wie gesehen. Eine Garantie gibt es für den Zustand nicht. Eine Quittung mit Foto für den Besitznachweis allerdings schon. Was an brauchbaren Rädern anschließend noch übrig ist, wird sozialen Institutionen angeboten. Zuletzt noch einen Hinweis für Autofahrer: Parkplätze gibt es auf dem Bauhof in dem Zeitraum des Verkaufs nicht.
Korrektur: In einer ersten Version wurde Nils Rühmann als „Abteilungsleiter“ bezeichnet. Die richtige Bezeichnung ist „Fachbereichsleiter“, dies wurde korrigiert.
