Kolumne Gefundenes Fressen

Von einem, der loszog, um kleine Schneemänner kaputtzumachen

Hildesheim - In Hamburg spricht man vom Schneemann-Massaker: Ein Mann geht über eine Brücke und fegt lauter kleine Schneemänner vom Geländer, die Menschen hier gebaut haben. Eine kleine Geste, die eine große Frage aufwirft: Was ist nur los mit Leuten, die so etwas tun?

Die Kolumne Gefundenes Fressen erscheint jeden Montan in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Foto: HAZ

Hildesheim - Haben Sie das vom Schneemann-Massaker gehört? Es hat sich dieser Tage in Hamburg ereignet: Auf der Balustrade der Krugkoppelbrücke standen lauter kleine Schneemänner, gebaut aus Liebe, Zufälligkeiten und natürlich Schnee: einer mit Blaubeeraugen, der andere mit Kaugumminase, manche schön, manche lustig, manche weder noch. Immer mehr kamen zusammen, schließlich waren es so viele, dass sie die ganze Brücke säumten.

Eines Abends aber betrat diese Brücke ein Herr, dem die kleine Versammlung wohl gar nicht passte. Er schlug, während er so schlenderte, einen Schneemann nach dem anderen zu Schneebrei, dann fegte er die Reste mit dem Jackenärmel von der Brücke. Das Video des Schneemann-Massakers ging viral, halb Hamburg sah es und fragte sich: Hilfe, was ist denn bitte mit dem los??

Warum hat der Mann die Schneemänner kaputt gemacht?

Ja, was ist mit solchen Leuten los? Die sind ja nicht nur in Hamburg unterwegs, auch nicht bloß da, wo es Schneemänner zum Zerdetschen gibt, die sind überall. Sie verbieten Kindern grundlos, eine Wiese zu betreten oder nach 16 Uhr Eis zu essen, sie petzen noch als 50-Jährige jedes Ding dem Chef oder ziehen extra in die Wohnung über einer Kneipe, nur um dann jeden Abend wegen Lärmbelästigung die Polizei zu holen. Wehe, es geht in ihrer Gegenwart irgendwem gut – dieser Zustand muss beendet werden, sofort, egal wie. Was man da machen kann? Nichts. Sich umdrehen und weggehen. Und neue Schneemänner bauen, so wie es die Hamburger gemacht haben. Jetzt ist das Brückengeländer noch viel voller als vorher.

Über das Motiv des rabiaten Herrn ist indes nichts weiter bekannt. In Schneemannbau-Fachkreisen kursiert allerdings die Vermutung, es handele sich um den traurigsten Mann der Welt.

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