Hildesheim - Es ist 2013, in unserer WG-Küche in Weimar läuft Avril Lavigne in Dauerschleife, während ich Keksteig knete, und das ziemlich wütend. Meine Lieblingsmitbewohnerin kommt rein, hört Avril, sieht, wie ich den Keksteig verprügle, und fragt nur vorsichtig: „Alles ok?!“. Nee, natürlich nicht.
Es gibt Stress, natürlich ist ein Mann schuld, und die Avril und das Wut-Backen müssen mich da jetzt wieder rausholen. Wie ich darauf komme, liebe Katharina? Weil letztens im Auto plötzlich die Avril im Radio läuft, eine längst vergessene Rebellin, die meine Jugend prägte und über Jungsärger hinwegtröstete.
Nach Avril folgt weitere Heul-Interpretin
Und plötzlich fühlte ich mich wieder wie damals, in der Weimarer WG-Küche, als wären keine 13 Jahre seither vergangen. Musik macht das mit einem – kann einen sofort in eine andere Zeit zurückbeamen. Und die Avril, die konnte den ganz persönlichen Weltschmerz herrlich transportieren, immer auf eine „niemand versteht mich, auch wenn wir alle dasselbe fühlen“-Weise.
Wo haben sie beim Radio den alten Schinken wohl ausgegraben? Als sie dann direkt im Anschluss aber noch Natasha Bedingfields „Soulmate“ spielten, begann ich doch, mir Sorgen zu machen. Auch ein Song aus meiner Jugend, der kaum melodramatischer sein könnte und absolut perfekt zu unerwiderter Liebe passt: Wenn doch jeder Topf einen Deckel findet, warum bin ich dann immer noch allein?
Was hilft?
Da war die Autofahrt dann zum Glück zu Ende, ehe noch Akons „Lonely“ aus den Lautsprechern zu plärren drohte. Was meinste, Katharina, ob ich dem Radiosender mal ne Tafel Schokolade schicken soll – oder doch ein Rezept für wütende Kekse? Hat damals zumindest gegen Liebeskummer geholfen …
In der HAZ-Kolumne „Unter uns“ schreiben sich Katharina Brecht und Julia Haller zu Themen, die sie bewegen.
