Hildesheim - Break Dancer, Autoscooter, Berg- und Talbahn – alles schon tausend Mal gefahren. Klar gehören auch diese Fahrgeschäfte als Klassiker zum Hildesheimer Schützenfest, doch ich knöpfe mir in diesem Jahr einmal vier neue Attraktionen vor. Welche Fahrgeschäfte zum ersten Mal auf dem Volksfestplatz sind, hat mir Platzmeister Manfred Jüngerkes verraten. Vom Hörensagen sollte da für jeden etwas dabei sein, denke ich mir – doch ist das wirklich so? Das will ich herausfinden.
Für entspannte Runden: Aviator
Donnerstagnachmittag, kurz nach 14 Uhr. Das Schützenfest ist noch genauso frisch wie ich, und beim Gang über den Volksfestplatz ist der Turm des Aviator nicht zu übersehen. Wie auch?! 36 Meter geht es in den roten Zweier-Sitzbänken in die Höhe – und dort dreht man dann seine Runden. Die leeren Sitzbänke liegen aus meiner Sicht überraschend schräg in der Luft, während der Fahrt merke ich davon aber nichts. Ich rutsche im Sitz nicht hin und her, es ruckelt nicht, es ist nicht zu schnell. „Ein guter Start“, denke ich mir, während der Wind meine Frisur zerzaust und mein Blick aus der Höhe über den Volksfestplatz wandert.
Dabei bemerke ich, dass über der Sitzbank vor mir eine Deutschlandfahne an den Ketten weht. Und ich sitze unter der Frankreich-Flagge. Auswirkungen auf die EM hat das nicht. Hoffe ich zumindest. Etwas unentspannter werde ich, als ich während meiner Runden ein weiteres neues Fahrgeschäft unten auf dem Volksfestplatz erblicke: den Airpower. Doch über den will ich erstmal gar nicht weiter nachdenken und mir mein wohliges Gefühl nicht nehmen lassen. Rund drei bis vier Minuten dauert die Fahrt im Aviator, bis zu 20 Personen können einsteigen. Kinder ab 6 Jahren und 1,10 Metern Körpergröße dürfen mitfahren, wer jünger ist als acht, muss von seinen Eltern begleitet werden. Ein Ticket kostet vier Euro, drei Tickets gibt es für zehn Euro.
Für die ganze Familie: Fun House
Wieder auf dem Boden angekommen, gibt’s von mir nicht nur einen Daumen hoch für den Aviator, sondern auch einen gespannten Blick um die Ecke. Denn dort wartet eine weitere neue Attraktion auf mich, auf die ich mich besonders gefreut habe: das Fun House. Von diesem bunten, leuchtenden Gebilde lacht mich unter anderem Super Mario an – mir als Nintendo-Fan geht dabei natürlich das Herz auf. Als ich meinen Blick davon endlich abwenden kann, sehe ich, dass sich jede Menge dreht und bewegt, wackeln tut’s auch. Das wird ein Spaß! Mein Vorteil, weil am Nachmittag noch wenig los ist: Ich kann so oft vor und zurück gehen, wie ich möchte. Besonders beim Teil namens „Wash Express“ mache ich davon auch mehrfach Gebrauch (was genau das ist, verrate ich allerdings an dieser Stelle allerdings noch nicht – ein bisschen Spannung muss ja schließlich noch bleiben).
Kurz darauf kann ich Super Mario nicht nur sehen, sondern auch hören. Über Rollen, Platten und Treppen geht es immer weiter nach oben, für Mutige gibt es dort ein kleines Kletternetz. Runter geht’s, für alle die wollen, per Rutsche (oder alternativ per Treppe). Losrutschen darf ich aber erst, wenn die grüne Lampe leuchtet. Bei mir wird’s allerdings weder Rot noch Grün – irgendwann rutsche ich dann einfach trotzdem, schließlich habe ich lange genug gewartet und auf meiner Tour gesehen, dass niemand vor mir ist. Auf dem Weg zum Ausgang muss ich noch eine kleine Platte passieren, die in den Edelstahlboden eingelassen ist. Doch erstaunlicherweise passiert: nichts! So weit hat mich das Fun House schon: Sonst hat’s doch überall gerüttelt?! Ein Ticket fürs Fun House kostet vier Euro, Mengenrabatt gibt es nicht. Kinder ab sechs Jahren dürfen alleine auf Tour gehen, Kinder ab drei Jahren in Begleitung von Erwachsenen.
Für den Nervenkitzel: Airpower
Genug Spaß gehabt, jetzt muss ich mich dem herausfordernden Teil des Tests stellen: Nur wenige Meter vom Fun House entfernt wartet Airpower auf mich. Ich wollte eigentlich vorher schon einmal geschaut haben, was genau mich erwartet, habe das aber vergessen. „Der überschlägt sich aber nicht, oder?“, frage ich die Verkäuferin an der Ticketkasse. Das anschließende Lächeln und das „Nein“ beruhigen mich ein wenig: Also, los geht’s! Ich nehme Platz in den erstaunlich bequemen Sitzen, die Metallbügel sitzen fest (ich prüfe das mehrfach...), ohne an unangenehm an meinem Oberkörper zu drücken. Und dann nimmt der Airpower Fahrt auf: Der lange Arm des Fahrgeschäfts schaukelt die Sitzreihen wie bei einem Schaukelschiff von einer Seite zur anderen – und die Sitzreihen drehen sich währenddessen in einem Kreis. Beim Anlaufnehmen merke ich ziemlich deutlich die Schübe, die mich immer weiter in die Höhe katapultieren. Dann kommen die kurzen Momente der Schwerelosigkeit, in denen man förmlich aus dem Sitz gehoben wird.
Das Mädchen und der Junge in der Sitzbank gegenüber lachen und schreien vor Freude. Ich klammere mich an meinen Metallbügel – bin eher der stille Genießer. Doch je länger die Fahrt geht, desto weniger bleibt’s bei mir beim Genießen. „Der Airpower hat wirklich Power“, schießt mir in den Kopf und: „Früher habe ich solche Fahrten besser vertragen.“ Dann meldet sich allerdings diese unverwechselbar verzerrte Schützenfest-Stimme „So jetzt...“ und ich ergänze in meinem Kopf „... ist es geschafft.“ – allerdings geht es erst in den Endspurt. Kurz darauf hab ich’s dann geschafft. Für einen Ticketpreis von fünf Euro (ebenfalls kein Mengenrabatt) habe ich jetzt eine Sturmfrisur, zuhause was zu erzählen und eine große Vorfreude auf eine deutlich weniger actionlastige vierte Attraktion.
Für den unverhofften Spaß: Der Wasserball
Denn zum Ende meiner Schützenfest-Tour habe ich mir etwas aufgehoben, was ich immer schon mal machen wollte: Übers Wasser laufen. Gut, ich gebe zu, ich bin in einem mit Luft gefüllten Riesenball, aber wer will schon päpstlicher sein als der Papst? Also: Schuhe aus, dann wartet aber schon die erste Herausforderung. Denn obwohl man die Attraktion ausdrücklich auch als Erwachsener nutzen darf, ist der Schlitz, durch den man in den Ball kommt, eher für Kinder ausgelegt. Mit ein bisschen Geschick habe ich es schließlich geschafft, dann darf ich über eine kleine Holzrampe ins Wasser rutschen – und lande mit meinem Po erst einmal für einen kurzen Moment auf dem Boden des riesigen Planschbeckens. Doch das ist nur eine Momentaufnahme, dann treibe ich auf dem Wasser. Von der Idee, darauf zu laufen, muss ich mich allerdings schnell verabschieden. „Krabbeln“, ruft mir Betreiber Joel Spindler zu – und ich sehe schnell ein, dass das ein sehr sinnvoller Tipp ist.
So krabbele ich munter in Richtung des anderen Endes des Planschbeckens und frage mich, wie ästhetisch das wohl von außen aussieht. Andererseits: egal, mir macht’s Spaß. Auf dem Boden des Beckens entdecke ich einige Cent-Stücke (der Trevi-Brunnen lässt grüßen), danach mache ich es mir erstmal gemütlich: Nach all der Aufregung beim Airpower kann ich mich auch für einige Momente im äußert geräumigen Luftball einfach mal hinlegen. Bei 20 Grad Außentemperatur merke ich allerdings schon recht bald, dass es im Ball warm und stickig wird, also nochmal zurück zur Holzrampe und wieder runter vom Wasser. 5 Euro kostet der Spaß (auch hier gibt es keinen Mengenrabatt), im Planschbecken haben locker mehrere Luftbälle, in die jeweils eine Person rein darf, Platz. Für Kinder ist’s vermutlich ein nahezu endloser Spaß, für Erwachsene mindestens kurzzeitig eine echte Gaudi – sowohl im Luftball als auch beim Zuschauen.
Der Festbetrieb auf dem Volksfestplatz läuft am Donnerstag seit 14 Uhr und startet am Freitag und am Samstag ebenfalls um 14 Uhr, am Sonntag um 13 Uhr. Am Freitagabend gibt es um 22.45 Uhr das traditionelle Feuerwerk, am Sonntag um 13 Uhr startet der Schützenumzug vom Marktplatz.




