Hildesheim - Es heißt: Eine Mutter wird im Schnitt alle drei Minuten unterbrochen, wenn ihre Kinder in der Nähe sind. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das ungefähr hinkommt. Weshalb sonst fühlt sich eine Toilettenpause hinter geschlossener Tür an manchen Tagen an wie Kurzurlaub? Über Mütter liest man noch viel mehr.
Mehr Vollzeit-Mütter, weniger Kindkrank-Unterstützung
Zum Beispiel, dass einige versuchen, ein Mutterideal aus den 1950er-Jahren im 2026er-Arbeitsleben unterzubringen. Sprich: Mütter möchten für alle und alles da sein, obwohl sie oft 20 bis 30 Stunden die Woche berufstätig sind. In Zeiten, in denen Politiker gar nach mehr Vollzeitjob-Müttern rufen, gleichzeitig aber Kinderkrankentage gekürzt werden, scheint die Lage vollends paradox. Ich wage mich aus der Deckung und frage: Was ist denn eigentlich mit den Vätern? Die tragen doch rein rechnerisch 50 Prozent der Verantwortung in einer Familie. Trotzdem fragen Erzieher oder Lehrer auf Elternabenden: Haben vielleicht noch einige Mütter Zeit für das alljährliche Adventsbasteln? Kleinigkeit, ich weiß, aber im Kleinen liegt ja oft das Große.
Echte Freiheit? Längst nicht
Väter werden meines Wissens nämlich auch alle drei Minuten unterbrochen, wenn sie sich mit ihren Kindern umgeben. Das könnte eine Chance für Mütter sein, die Care-Arbeit daheim gerechter aufzuteilen. Wenn Frauen in diesem Land dann jobunabhängig auch noch genauso gut entlohnt würden wie Männer und gute Fremdbetreuung zuverlässig gewährleistet würde, wären wir einen riesigen Schritt weiter. Echte Freiheit in der Entscheidung, wer sich wann und wie um die Kinder kümmert? Für viele Eltern weiterhin ein schöner Traum.
