Hildesheim - Rückkehr zu Bosch oder dicke Abfindung: Vor dieser Entscheidung stehen voraussichtlich im April rund 385 Mitarbeiter von SEG Automotive in Hildesheim, die inzwischen die Kündigung erhalten haben. 60 weitere Beschäftigte müssen ohne Bosch-Option gehen, noch einmal 60 können bei SEG bleiben.
Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass Bosch den Betroffenen die finanzielle Entschädigung möglichst schmackhaft machen möchte, ihnen das Rückkehrrecht also quasi abkaufen will. Schließlich hat die Stuttgarter Konzernzentrale kürzlich moniert, der Standort Hildesheim habe ohnehin schon zu viel Personal. „Aber es bleibt die Wahlmöglichkeit: Wer zu Bosch zurück möchte, darf das auch“, betont der Hildesheimer Bosch-Betriebsratsvorsitzende Stefan Störmer.
Personalgespräche im April?
Hintergrund: SEG Automotive, vor gut drei Jahren aus dem Verkauf der Starter-Sparte von Bosch an den chinesischen ZMJ-Konzern entstanden, will sein Werk im Hildesheimer Wald größtenteils aufgeben. Um die Mitarbeiter vom Wechsel ins neue Unternehmen zu überzeugen, gab Bosch damals eine Garantie ab: Wer bei SEG betriebsbedingt gekündigt wird, hat Anspruch auf eine Rückkehr. Im Sommer vergangenen Jahres kündigte SEG tatsächlich Massen-Entlassungen in Hildesheim an und begründete sie mit Umsatzeinbrüchen durch die Corona-Krise. Deshalb greift nun für einen Großteil der Mitarbeiter die Bosch-Klausel.
Wie das genau funktionieren soll, treibt die Betroffenen seit Monaten um, doch inzwischen gibt es mehr Klarheit. Bei Bosch verhandeln Geschäftsführung und Betriebsrat derzeit noch darüber, wie hoch genau die Abfindungs-Angebote sein sollen, die den potenziellen Rückkehrern unterbreitet werden. „Wir sind aber auf einem guten Weg“, berichtet Betriebsrats-Chef Störmer. Und sein SEG-Pendant Birgit Ertelt hofft auf „konkrete Gespräche mit den einzelnen Betroffenen im April, damit die Beschäftigten endlich Klarheit bekommen.“
Nicht alles nach Ungarn
SEG Automotive will die traditionsreiche Starter-Produktion in Hildesheim zum 30. Juni einstellen. Rund 60 Mitarbeitern droht dann die Arbeitslosigkeit – sie haben die Kündigung bekommen, haben aber kein Rückkehrrecht zu Bosch, weil sie erst nach dem Verkauf dazugekommen waren. Die meisten könnten aber zum 1. Juli wieder bei Bosch anfangen, einige auch später, weil sie bei SEG längere Kündigungsfristen haben.
Knapp 60 weitere Beschäftigte bleiben im Unternehmen, mit ihnen will SEG Automotive seinen Standort Hildesheim in deutlich kleinerer Form weiter betreiben.Vor allem für die sogenannte Aftermarket-Produktion – dabei geht es um Lastwagen-Starter, die nicht mehr in Serie hergestellt werden, sowie um Ersatzteile. Diese Bereiche wollte SEG eigentlich in sein Werk im ungarischen Miskolc verlagern.
Maschinen vor dem Abbau
Doch bei den Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan im Herbst kam das Unternehmen immer mehr unter Zeitdruck. Weil der Betriebsrat sich nicht hetzen ließ, geriet aus Sicht von SEG die geplante Werksschließung zur Jahresmitte in Gefahr. Um diese doch noch bewerkstelligen zu können, ließ sie sich auf einen Kompromiss ein – so blieben 58 statt wie zunächst geplant elf Arbeitsplätze erhalten.
Was nichts daran ändert, dass die Starter-Produktion im Hildesheimer Wald nach mehr als 80 Jahren bald Geschichte ist. Das hat auch eine große logistische Operation zur Folge: Eine Verwertungsfirma soll die riesigen Maschinen abbauen und entsorgen, an denen derzeit noch Starter produziert werden.
