Hildesheim - In jedem Haushalt gibt es Suchende und Findende, oder? Ich meine das jetzt nicht philosophisch, sondern ganz praktisch. In einem Haushalt in Vechta beispielsweise lebt ein reizender älterer Herr, der oft auf der Suche ist: nach Schlüsseln, Brillen, seinem Smartphone. Das war eigentlich schon immer so, nur jetzt, da er etwas älter ist, hat er immer gleich die Sorge: Da stimmt was nicht, wird er etwa tüddelig? Ich würde sagen, er ist einfach nur schusselig.
Das berühmte Schussel-Gen
Und dieses Schussel-Gen hat er vererbt. Und so lebt in unserem Haushalt ein Mensch, der ebenfalls immer Dinge sucht. Er rennt dann wortlos durch das Haus, hebt hier ein Kissen hoch, schaut drunter, zieht dort eine Schublade auf, linst hinein, tastet Jackentaschen ab. Alles wortlos. Ich beobachte das zugegebenermaßen ganz gerne und zähle dann innerlich von zehn runter auf null. Weil ich dann erfahre, was gerade gesucht wird: „Hast du mein Portemonnaie gesehen?“ Meist habe ich das und es mir gemerkt, weil ich mich noch gefragt habe: Warum liegt das im Bad? Bisher hat sich alles immer wieder angefunden, selbst wenn die Geldbörse auf dem Autodach gelegen hat und wir schon einige Minuten unterwegs waren. Ich mag es auch sehr, wenn diese hektischen Klopfbewegungen direkt am Körper des Suchenden erfolgen, dann wird entweder nach dem Schlüssel oder dem Smartphone gefahndet. Das ist schwarz und deswegen oft nicht schnell zu finden. Schon gar nicht, wenn es beispielsweise im Seitenfutteral des Autos abgelegt wurde.
Hektische Suche ist auch lustig
Die hektische Suche erinnert mich an Eichhörnchen. Die sollen ja auch haufenweise Nüsse vergraben und dann oft vergessen, wo denn nun ihr Vorrat liegt. Dabei finde ich das deutlich schwieriger, weil die Umwelt sich verändert und so mancher Busch dem anderen ähnelt. Neulich wurde ich Zeuge eines Gesprächs von zwei Suchenden bei uns daheim. Der eine suchte gerade wieder einmal sein Portemonnaie (er hatte es in einen Baumwollbeutel gesteckt), der andere, ein Freund, der zu Besuch war, berichtete, wie ihm mal das Handy beim Bücken aus der Brusttasche gefallen ist – er es aber gerade noch so bemerkt hat. „Ha, ha!“, da lachten sie beide. Man verabschiedete sich. Sekunden später kehrte der Mann wieder zurück. Er hatte den Kaffee vergessen, den er sich extra für die Autofahrt gekocht hatte. Später verabschiedet sich der liebe Gast. Ich, die professionelle Finderin, erreichte ihn noch ganz in der Nähe, im Auto. Er hatte seinen Hut liegen lassen.
