Angebot in Dingelbe

Von Tieren lernen: Hier können Menschen im Kreis Hildesheim mit Alpakas wandern

Dingelbe - Markus Reinecke hält in Dingelbe acht Alpakas und bietet Wanderungen mit den sanften Tieren an. Der einstige Unternehmer berichtet von seiner Veränderung, seit er diese Tiere hält.

Markus Reinecke inmitten seiner Alpakas, mit denen er Wanderungen durch die Feldmark anbietet. Foto: Andrea Hempen

Dingelbe - Willi und Ranga sind beste Kumpel. Das kommt vor unter Alpakas. Sie sind zwar Herdentiere, aber manche mögen sich eben ein bisschen mehr als andere. Willi und Ranga teilen sich ihre Weide in Dingelbe mit Luis, Peterle, Theo, Bobby, Hardy und Valentino. Sie gehören Markus Reinecke, der die Tiere schon seit 2019 hält. In Dingelbe bietet der Mann nun Alpakawanderungen an.

Zuneigung zu Alpakas wuchs

Markus Reinecke, 63 Jahre alt, war viele Jahre selbstständig. Während seines Studiums in Berlin nahm er eine Stelle bei einer Fuba-Tochter an und widmete sich in seinem Berufsleben Kabelfernsehen, dem Handel und dem Ausbau von Netzen. Sein Unternehmen war in Hannover angesiedelt, dort lebte der gebürtige Dingelber 30 Jahre lang. Bis er 2013 aus gesundheitlichen Gründen die Reißleine ziehen musste und die Firma aufgab. Wenig später schaffte sich jemand in der Nachbarschaft Alpakas an. Reinecke ging bei der Haltung zur Hand und las viel über die Tiere, die ursprünglich aus Peru stammen. Die Zuneigung zu den sanftmütigen Tieren wuchs ebenso, wie der Wunsch, selbst welche zu halten.

Im Kreis Diepholz wurde Reinecke fündig und kaufte sich einen Hof, sanierte ihn und kaufte von verschiedenen Züchtern in Deutschland seine insgesamt acht Alpakas – denn jetzt hatte er endlich den Platz für die Tiere. „Ich wollte eine Hofgastronomie anbieten“, erinnert sich Reinecke. Doch als es 2019 so weit war, platzte die Corona-Pandemie in seine Pläne. Er gab 2021 den Hof auf und zog nach Kappeln, doch die rauen und harten Winter vertrieben ihn wieder von der Schlei.

Kontakt in die Heimat gepflegt

Reinecke pflegte während seiner Abwesenheit Kontakte in sein Heimatdorf Dingelbe. „Ich hatte von einem Freund gehört, dass Markus eine Weidefläche suchte und da habe ich ihm unsere angeboten“, sagt Landwirtin Judith von Hermanni. Und so siedelte Reinecke mit seinen zwei Alpaka-Hengsten und sechs Wallachen noch einmal um. Weibliche Wesen gibt es in der Herde nicht, denn die, so Reinecke, würden keine Ruhe vor den Hengsten haben. Und da er nicht züchten möchte, setzt er auf die Hengst-Gruppe.

Tiere strahlen Ruhe aus

„Ich habe mich verändert, seit ich die Alpakas habe“, sagt Reinecke. Viel ruhiger sei er geworden. Die Tiere strahlten Ruhe aus, Stress sei für sie – wie für Menschen ja auch – ein Krankheitsfaktor. Auf der Weide an der Konrad-Adenauer-Straße geht es absolut stressfrei zu. Der einäugige Leithengst Ranga, der eigentlich ein Wallach ist, gibt den Ton an. Ohne Gewalt, einfach nur durch seine souveräne Ausstrahlung. Der weiße Hardy rangiert in der Herdenrangordnung ganz unten, da muss der Halter immer aufpassen, dass der sanfte und sehr gemütliche Hardy nicht zu kurz kommt. „Mich hat das Wesen dieser Tiere fasziniert, sie sind leise und absolut aggressionslos“, sagt Reinecke. Dabei geben die Huacalyas, so heißt die Rasse, die er hält, durchaus Laute von sich. Wenn sie im Unterstand stehen, brummen und knören sie leise. Würde sich ein Feind nähern, in Peru wären das der Puma oder der Schakal, stießen sie einen spitzen Schrei aus.

Zurück in die Heimat

Nach seinem Umzug 2022 in seine alte Heimat bietet Markus Reinecke jetzt Wanderungen mit seinen Klunkau-Alpakas durch die Feldmark an. „Sie mögen es, wenn sie weit gucken können“, sagt der 63-Jährige – und dafür ist die Börde ja bekannt. „Ab vier Teilnehmern biete ich die Wanderungen an“, erklärt Reinecke. Sieben gingen nicht, weil schließlich nicht ein Alpaka auf der Weide alleine zurückbleiben dürfe. Das Tempo bei der Wanderung bestimmen die Tiere, bis zu zwei Stunden dauert eine Tour. Für Kinder gibt es auch Begegnungen mit den Vierbeinern auf der Weide. „Alpakas sind zwar keine Streicheltiere, aber sie lieben Kinder“, sagt Reinecke.

Lange Wimpern und Kulleraugen

Die großen Kulleraugen hinter den langen Wimpern wecken beim Betrachter schnell warme Gefühle. Alpakas erfüllen das Kindchenschema. Das führe dazu, dass manche Leute sie füttern wollen, dass ist aber auf jeden Fall zu unterlassen. Denn Alpakas sind sehr sensibel, was die Verdauung angeht. Selbst Obst vertragen die Wiederkäuer nicht.

Der Kot ist feinster Dünger

Dass, was die Tiere auf der Wiese hinterlassen, sei feinster Dünger, sagt Reinecke. Den könne er aber nicht verkaufen, weil er laut Vorschrift erhitzt werden müsste – das sei zu viel Aufwand. Wohl aber verkauft der Dingelber Alpaka-Produkte auf Märkten und vielleicht irgendwann auch in einem kleinen Laden. Er lässt aus den keratinhaltigen Haarfasern Seife sieden und Hautcreme produzieren. Die Wolle von Bauch und Beinen der Tiere, die einmal im Jahr geschoren werden, werden gemischt mit 50 Prozent Schafwolle zu Dünger verarbeitet. Den will Reinecke auf dem nächsten Zwiebelmarkt auf der Domäne Marienburg anbieten. Das Fell, bei Alpakas Faser genannt und bei den Inkas als Vlies der Götter geschätzt, wird zu Wolle und dann zu Kleidung verarbeitet – etwa zu Socken oder auch Mützen, so wie Reinecke sie auf dem Kopf trägt. Ein Alpaka lässt bei der Schur etwa vier Kilogramm Wolle, nur 1,5 Kilogramm davon ist verwertbar. Wer die Geduld hat, ein Jahr abzuwarten, kann bei ihm auch ein Alpaka-Deckbett bestellen. „Es gibt nichts besseres“, sagt der Mann, der nachts unter einer solchen Decke schlummert. Die Decke sei leicht und temperaturregulierend.

Reinecke hat sich vor dem Kauf seiner Alpakas eingehend mit den Tieren beschäftigt. Während der Führungen kann er den Teilnehmenden viel über die Geschichte der Tiere, ihre Vorlieben und Eigenarten berichten. Etwa, dass sie sehr entspannt sind, wenn die Ohren locker nach hinten hängen. Stehen die Lauscher, sind sie aufgeregt. Und wenn sie stramm nach hinten gerichtet sind, sollte man in Deckung gehen. Dann fühlt sich das Tier womöglich bedroht und könnte spucken. Aber dafür gibt es in Dingelbe kaum einen Grund.

Kontakt

Alpaka-Wanderungen können online per Mail gebucht werden.

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