Impfgegner mit verschiedenen Motiven

Vor einem Testzelt in Hildesheim: Warum sich Menschen nicht impfen lassen

Hildesheim - Ab 11. Oktober muss man für einen Corona-Test selbst zahlen. Doch etliche Menschen hält das nicht davon ab, auf eine Impfung zu verzichten. Was sie bewegt.

Der 23-Jährige Informatikstudent muss sich testen lassen, weil sein Status als Genesener nicht akzeptiert wird - aus technischen Gründen. Foto: Norbert Mierzowsky

Hildesheim - Wenn man wissen will, warum sich Menschen nicht gegen Corona impfen lassen, stellt man sich am besten vor eines der wenigen verbliebenen Testzentren oder -zelte. So wie das auf dem Parkplatz des Café del Sol, das der Jungunternehmer Florian Braune dort betreibt. Seine Mitarbeiterin, die 31-jährige Nadine König, ist längst geimpft. Sie hört immer wieder bei der Arbeit im Testzelt, was die Menschen hierher bringt.

„Es sind auch viele junge Leute, die schon geimpft sind, die aber für einen Familienbesuch noch einmal auf Nummer Sicher gehen wollen“, erzählt König. Aber es gebe auch viele, vor allem ab 30 Jahre aufwärts, die es „aus Trotz ablehnen, geimpft zu werden, sie wollen nicht dazu gezwungen werden“, sagt sie.

Studie aus Hamburg

Das bestätigt auch eine Studie des Hamburg Center for Health Economics (HCHE), das seit Beginn der Pandemie immer wieder Menschen nach ihrer Einstellung zum Impfen befragt. Eines der Ergebnisse: Jeder 20. ist noch unentschlossen. Und: 74 Prozent der Impfgegner zweifeln an der Sicherheit des Impfstoffs, 67 Prozent fühlen sich unter Druck gesetzt.

So wie eine 55-Jährige, die wie alle anderen an diesem Vormittag nicht ihren Namen nennen wollen, aber ein Gespräch zum Thema nicht ablehnen. „Meine beste Freundin ist überzeugt von der Corona-Impfung, ich nicht“, sagt sie. Sie trifft sich heute mit Freundinnen im Café und lässt sich deswegen testen. Dass das ab 11. Oktober knapp 15 Euro und mehr kosten wird, ärgert sie zwar, aber verstärkt ihre Einstellung noch, sagt sie. Also wird sie zahlen oder sich künftig mit den Freundinnen eher privat treffen, wenn sich die 2-G-Lösung durchsetzt, also nur Geimpfte und Genesene Zutritt zum Beispiel zur Gastronomie hätten.

Keine Zeit zum Impfen

Eine 21-Jährige, die noch in der Ausbildung ist, schluckt bei dem Gedanken, von ihrem niedrigen Gehalt nun auch Geld fürs Testen zu bezahlen. Aber dann werde sie eben ihren Alltag anpassen, sagt sie. Bislang habe sie sich regelmäßig zwei Mal die Woche testen lassen. Warum sie sich nicht impfen lässt? „Bislang hatte ich keine Zeit“, sagt sie zuerst. Dann fügt sie hinzu: „Ich habe noch keinen Grund dafür gesehen.“

Ähnlich geht es einer 52-durchtrainierten Radlerin, die auch einräumt, sie habe mehr Angst vor der Impfung als vor Corona: „Ich bin kerngesund, hatte nie eine Grippe, ernähre mich gut. Ich kenne meinen Körper.“ Zu ihrem Freundeskreis zählen zwei Krankenschwestern und ein Arzt. Auch die haben sie bislang noch nicht überzeugen können. Dass die Tests ab Montag kostenpflichtig werden, stört sie nicht. In ihrem Sportstudio kann sie sich für 1,50 Euro selbst vor Zeugen testen und bekommt dafür auch eine Bescheinigung, sagt sie.

Jeden Morgen denkt sie darüber nach, sich impfen zu lassen

Eine Altersgenossin, 55 Jahre alt, entscheidet nach Bauchgefühl, jeden Tag nach dem gleichen Schema: „Morgens denke ich oft, vielleicht sollte ich doch zur Impfung, aber abends ist das Thema für mich erledigt.“ Sie will lieber abwarten, ob es vielleicht doch mal einen Impfstoff gibt, dem auch sie vertrauen kann.

Matthias Wiemann kennt all diese Leute, einige sind bei ihm im Testzelt schon Stammkunden. Geduldig erklärt er die Abläufe vom Registrieren, dem Testen und der Mitteilung des Ergebnisses. „Die meisten hier sind freundlich, so etwa mehr als 90 Prozent“, schätzt er. Aber es gibt auch die „Arschlöcher, die nur schimpfen“, fügt er hinzu. „Hier passieren auch unschöne Szenen, es ist gut, dass wir hier immer zu zweit sind.“

Unschöne Szenen im Testzelt

An diesem Vormittag bleibt es jedoch friedlich. Ein älteres Pärchen bekennt sich als Impfgegner, geben auch zu, dass sie offiziellen Nachrichten nicht trauen. „In den Krankenhäusern liegen doch nur die Geimpften“, ist der Mann überzeugt. Eine weitere Diskussion darüber will er nicht führen. Das sei eben so, das wisse er genau.

Ein anderes Pärchen, beide 71 Jahre alt, sind ebenfalls ungeimpft. „Unser Leben liegt in Gottes Hand“, sagt die Frau mit osteuropäischen Akzent. Keiner sei vor Corona geschützt, auch die Geimpften nicht. „Warum müssen die sich nicht testen lassen?“, fragt sie.

Auf Gott vertrauen

Ein besonderer Fall ist der junge Franzose, der an der Uni Data Analytics studiert. Er ist einmal geimpft und dann an Corona erkrankt und genesen. Eine zweite Impfung hat er danach abgelehnt: „Ich habe ja mein Attest.“ Doch kurioserweise sei er so etwas wie ein technisches Rätsel, sagt er. „Wenn ich versuche, mich über meine App als genesen auszuweisen, heißt es immer, mir fehlt die zweite Impfung. Also lasse ich mich eben testen.“ Wenn er neben dem Studium wieder Zeit hat, will er sich darum noch kümmern.

In den ersten beiden Stunden ließen sich an diesem Donnerstag 55 Leute testen, danach wurden es zwar weniger, aber es kamen immer wieder neue dazu. „Richtung Wochenende steigt die Nachfrage“, sagt Brauner. Vielen fehlten fachlicher Rat, andere befürchten Nebenwirkungen und es gibt auch die, die abwarten, wie es den Geimpften auf Dauer geht, nennt er weitere Beispiel für Impfgegner.

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