Hildesheim - Er könnte lamentieren. Über die vielen Auflagen, die die Corona-Pandemie für die Abläufe im Jo-Bad bedeuten. Über den wirtschaftlichen Schaden, der mit dem Virus einhergeht. Vielleicht sogar über das Wetter, das Mitte Juni auch besser sein könnte und von dem er als er Freibad-Betreiber abhängig ist. Doch Matthias Mehler sagt vor allem: „Wir sind glücklich, dass wir das hier hinbekommen haben.“
Am Montag vor zwei Wochen hat er die Saison eingeläutet; nach allem, was bekannt ist, als erstes Freibad in Niedersachsen. Die endgültige Erlaubnis vom Gesundheitsamt – der Lohn für das ausgeklügelte Sicherheitskonzept – kam am Sonntagnachmittag. 20 Stunden, bevor sich die Tore des Jo-Bads in diesem Jahr zum ersten Mal öffneten.
Höchstens 800 Gäste gleichzeitig als Obergrenze
„Es wird ein schwieriges Jahr“, ist Mehler sicher. Eine Obergrenze von höchstens 800 Besuchern gleichzeitig kann für die Saisonbilanz nicht ohne Folge bleiben – auch wenn die Temperaturen bislang noch nicht so ausfielen, dass die Marke überhaupt in Sichtweite kam. Immerhin: Am Dienstag nach Pfingsten waren es schon 300 Gäste; ohne Corona wären es wohl mehr gewesen.
Ohnehin schauen bislang deutlich weniger Tagesgäste als sonst vorbei. Die täglich bis zu 80 Frühschwimmer dagegen halten der Jo-Wiese auch in diesen Zeiten die Treue. Bei den Saisonkarten rechnet Mehler inzwischen nach anfangs größeren Befürchtungen mit einem Minus von bis zu 15 Prozent; etwa 20 Dauerkarten-Käufer haben die Tickets gegeben einen Gutschein für das nächste Jahr getauscht, eine weitere Handvoll ihr Geld für die Karte zurückverlangt.
Und doch bereut Mehler es nicht, sich für die Öffnung am 25. Mai entschieden zu haben. Auch wenn das natürlich für alle Beteiligten Stress bedeute: „Wir müssen viel erklären, die Besucher unter anderem auf warme Duschen verzichten.“ Doch gerade von Stammgästen gebe es viel Lob, berichtet Schwimmmeister Gerald Wendt: „Die Menschen sind froh, dass sie ihre Runden drehen dürfen.“ Auch wenn sie das nach einem Einbahnenstraßen-System tun müssen: Das Becken ist in vier Bereiche unterteilt, in denen es im Kreis herum geht und nicht, wie sonst, hin und her. „Das gefällt vielen sogar“, freut sich Mehler, bei dem sich Bad-Betreiber aus Peine, Salzgitter und Bad Salzdetfurth Tipps dafür geholt haben, wie sich Badespaß und Corona-Vorgaben in Einklang bringen lassen.
Doch es gibt auch Kritik – zum Beispiel daran, dass jeder Gast seine Kontaktdaten angeben musste. Das ist seit Montag vorbei, das Land hat die Dokumentationspflicht gestrichen. Den Wunsch einiger, den Hohnsensee zu öffnen, kann Mehler dagegen nicht erfüllen: Vor dem 16. Juli dürfe er das nach den Vorgaben gar nicht, betont er. Was dann passiere, hänge von den Ergebnissen der Wasserqualität ab, die das Gesundheitsamt wohl Ende Juni prüfe.
