Barienrode - Viele Privatleute haben schon Photovoltaikanlagen auf dem Dach – doch auf öffentlichen Gebäuden ist die Nutzung von Sonnenenergie eher die Ausnahme. Vor diesem Hintergrund will die evangelische Titusgemeinde in Barienrode ein Zeichen setzen. Sie hat durch den markanten frei stehenden Glockenturm bereits ein Wahrzeichen – nun kommt die eigene Solaranlage quasi als zweites dazu. Denn mit der gehört die Gemeinde unter den Kirchengemeinden der Region zu den Vorreitern und ist einer der Photovoltaik-Pioniere.
Und das, obwohl im Gemeindehaus gar nicht so viel Strom verbraucht wird, im Durchschnitt 2000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr. Produzieren wird die Anlage voraussichtlich 8000 bis 9000 kWh. Der Rest wird ins Netz eingespeist, reich wird die Gemeinde dadurch aber nicht. Die Anlage, die jetzt ans Netz gegangen ist, hat mehr als 23.000 Euro gekostet. Bis sie sich amortisiert hat, also die Einnahmen die Ausgaben wieder eingespielt haben, wird es wohl um die 17 Jahre dauern – das rechnet der ehrenamtliche Baubeauftragte der Gemeinde, Thomas Hausmann, auf Grundlage der aktuellen Preise und anderen Rahmenbedingungen aus, die sich bekanntlich schnell wieder ändern können.
„Nachhaltigkeit ist auch für die Kirche ein wichtiges Thema“
Warum also der große finanzielle Aufwand – zumal die Planung ein gutes Jahr in Anspruch nahm? „Nachhaltigkeit ist auch für die Kirche ein wichtiges Thema“, betont Christine Schäffer, die Vorsitzende des Kirchenvorstandes. Und Vorstandsmitglied Markus Worm, Projektleiter des Photovoltaikvorhabens, ergänzt: „Wir wollen ein Zeichen setzen. Vielleicht kann unser Projekt Vorbild für anderen Gemeinden sein.“ Im Zuge der Energiewende will die Titusfamilie auch an spätere Generationen denken. Worm erläutert den Klimaschutz-Effekt der Anlage mit einem eindrucksvollen Vergleich: Die Gemeinde müsste einen halben Hektar Wald pflanzen, um so viel Kohlendioxid zu binden, wie die Photovoltaikanlage der Umwelt gegenüber der fossilen Stromgewinnung erspart – auf ihre gesamte Lebensdauer gerechnet. Ein großer Erfolg für eine der kleinsten Gemeinden des Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt, findet Christine Schäffer.
Schatten weg, Chance da
Angefangen hat alles mit Weihnachten – auf einem Umweg: Eine große Tanne vor dem Gemeindehaus wurde gefällt, abtransportiert und als öffentlicher Weihnachtsbaum in Diekholzen genutzt. Ihr Schatten hatte bis dahin eine Nutzung der Dachfläche für Sonnenenergie verhindert. Nun war der Schatten weg und die Chance da. Der Vorstand dachte zunächst darüber nach, das Dach zu vermieten, verwarf diese Option aber bald: „Wir wollten etwas Eigenes“, sagt Worm. In die Finanzierung sind nun vor allem Rücklagen geflossen. Um die wieder für alle Fälle aufzufüllen, läuft eine Spendenaktion für die Solaranlage über die kirchliche A-T-Stiftung der Auferstehungs- und Titusgemeinde. Das Motto: „Spenden Sie für die Zukunft!“. Wer mehr als 50 Euro gibt, wird namentlich auf einer Spendentafel erwähnt.
Eine Gelegenheit, sich über das Photovoltaik-Projekt zu informieren, ist die „Lange Tafel“ am Sonntag, 25. August, ab 17 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Gemeindehaus. Dann sind alle eingeladen, an einer Tafel aus Bierzeltgarnituren zusammen zu essen, zu trinken und zu klönen. Um Anmeldung wird gebeten, zum Beispiel mit einem Zettel in den Briefkasten am Gemeindehaus oder telefonisch unter den Nummern 2040654, 263860 oder 262443.
