Hildesheim - Über Worte lässt sich bekanntlich gut streiten. Was der eine gern sagt, findet die andere unmöglich. Oft heißt es: Uns wird im Leben doch schon so viel verboten! Nun auch immer mehr Worte? Das sorgt mitunter für Empörung. Trotzdem verrate ich hier und heute mein derzeit meistgehasstes Wort. Mein Kollege monierte diese Wortempfindlichkeit jüngst in dieser Zeitung. Trotzdem müssen wir über „Familienväter“ sprechen. Über diese lesen wir ständig, die Frage ist bloß: Warum?
Familienmütter? Nie gehört
Reicht es nicht aus, Vater zu sein? Es ist ja definitiv genug, Mutter genannt zu werden. Das transportiert ein Rollenbild, in dem die Fürsorglichkeit von Männern extra betont, von Frauen hingegen als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Familienväter-Fans meinen, dass man sehr wohl betonen müsse, wenn ein Vater bei seiner Familie lebt und sich um Kinder kümmert. Ist einer, der das nicht tut, dann im Umkehrschluss ein Alleinvater? Bei Müttern scheint die Familie dagegen immer mitgemeint, von Familienmüttern spricht schließlich schlicht niemand – auch wenn der Duden das Wort durchaus kennt.
Damals ein Oberhaupt
Doch das Problem mit Familienvätern geht noch weiter. Denn der Begriff taucht vor allem in den Medien auf, wenn ein Vater einen Unfall hat oder ein Verbrechen begeht. Die Betonung liegt somit darauf, dass dieser Mann doch aber eine ganze Familie hat! Seinen Ursprung hat das Wort übrigens vermutlich im Rechtssystem des antiken Roms. Damals war ein Mann Familienoberhaupt und herrschte über Frau, Kind und Kegel. Müssen wir wirklich weiterhin streiten?
