Ladenöffnungszeiten

Warum an Silvester künftig weniger Zeit zum Einkaufen bleibt

Hildesheim - An Silvester dürfen Geschäfte nur noch bis 14 Uhr öffnen. Während das manchen Händlern und Kunden in Hildesheim ziemlich egal ist, müssen sich andere umstellen.

Senab Özkan ist Vorsitzende der Innenstadt-Gemeinschaft Die Freundlichen Hildesheimer und Chefin im Handelshaus Schlegel. Ihren Laden hatte sie an Silvester bislang bis 16 Uhr geöffnet, sie muss nun zwei Stunden früher schließen. Foto: Jan Fuhrhop

Hildesheim - Silvester hat ab diesem Jahr den gleichen Rang wie Heiligabend – jedenfalls, was die gesetzlichen Vorgaben zu den Ladenöffnungszeiten angeht. Zum ersten Mal greift das im Frühsommer 2019 reformierte Landesgesetz, nach dem Geschäfte an Silvester nur noch bis maximal 14 Uhr geöffnet sein dürfen, so wie auch an Heiligabend. Ausgenommen sind: Tankstellen, Apotheken und Läden in Bahnhöfen und Flughäfen.

Für viele ändert sich: nichts

Den meisten Hildesheimer Innenstadthändlern ist diese Neuregelung herzlich egal, da sie ohnehin nie länger als bis 14 Uhr geöffnet hatten. Sandra Bracksieck etwa, Geschäftsführerin des Kaufhauses Galeria Karstadt Kaufhof, antwortet auf die Frage nach ihrer Haltung kurz und knapp: „Das tangiert uns überhaupt nicht.“ Denn schon in den Vorjahren hieß es bereits um 14 Uhr: Türen zu, Feierabend. Auch Holger Höfner, Center-Manager der Arneken Galerie verweist auf die bisherige Praxis, nach der kein Geschäft in seinem Center länger als 14 Uhr geöffnet hatte.

Am ehesten müssen sich Supermarkt-Betreiber und deren Kunden umstellen. Zum Beispiel die von Lutz Ahlers. Er führt in Hildesheim zwei Rewe-Märkte, einen in der Oststadt, den anderen am Vier Linden. Er ist alles andere als begeistert von der Gesetzesreform, mit der die Landesregierung nach Aussagen der Sozialministerin Carola Reimann die „Beschäftigten im Handel vor ausufernder Arbeitsbelastung“ schützen wolle. Zudem sei es im Sinne der Kunden, die Öffnungszeiten der Geschäfte zu vereinheitlichen.

„Gerne für Kunden da“

Lutz Ahlers sieht das komplett anders, er ärgert sich: „Ich bin gerne für die Kunden da, wenn sie uns brauchen.“ Der Unternehmer will keine Silvester-Öffnungszeiten wie an regulären Wochentagen bis 22 Uhr, aber er hätte gerne die Freiheit, weiter wie bisher bis 16 Uhr zu öffnen. „Alle Mitarbeiter sind rechtzeitig zu ihren Feiern gekommen, es gab nie Probleme: Die mit Familien haben Heiligabend frei, die ohne an Silvester.“

Lukas Kiezko, Chef der Rewe-Märkte in Himmelsthür und in Holle, fuhr bislang eine flexible Linie: Fiel Silvester wie 2018 auf einen Montag, öffnete er bis 16 Uhr, damit Kunden nach dem Wochenende etwas länger Zeit haben, sich einzudecken, ansonsten hat er um 14 Uhr geschlossen. Er wäre gerne bei dem Konzept geblieben, glaubt aber auch, dass sich die Kunden vermutlich ohne allzu großes Murren auf die neue Regelung einstellen können, wenn sie erstmal davon erfahren.

Für den Edeka-Markt Potratz am Moritzberg ändert sich durch die Reform des Ladenöffnungsgesetzes nichts. Seit Jahren schließt der Markt an der Geschwister-Scholl-Straße an Silvester um 14 Uhr. „Eine mitarbeiterfreundliche Uhrzeit“, meint Geschäftsführer Lars Potratz. Er ist überzeugt: Für die Kunden bleibe genug Zeit, die Einkäufe bis Ladenschluss zu erledigen.

16 Uhr als favorisierter Schluss

Anders sieht das sein Kollege Jürgen Bosse, stellvertretender Leiter des Edeka an der Frankenstraße: „Ich finde die geänderten Öffnungszeiten nicht pralle“, sagt er. 14 Uhr sei für die Kunden zu früh, um alles zu besorgen. Bisher war der Markt, den Bosses Chef Marcel Wächter betreibt, an Silvester bis 16 Uhr geöffnet. Bosses Ansicht nach wäre eine Öffnung bis 18 Uhr übertrieben („So lange möchte keiner an Silvester arbeiten“), 16 Uhr sei aber im Rahmen und sinnvoll.

Umstellen müssen sich Senab Özkan und ihre Kunden im Handelshaus Schlegel. Als Vorsitzende der Innenstadt-Werbegemeinschaft Die Freundlichen Hildesheimer sieht sie in der Reform kein großes Problem, weil sie kaum Kollegen betreffe. Sie selbst hatte ihr Geschäft in der Schuhstraße bislang immer bis 16 Uhr geöffnet. „Gerade Champagner oder andere Getränke haben viele noch auf den letzten Drücker gekauft.“ Sie ist aber auch sicher: Haben sich die Kunden sich einmal darauf eingestellt, kommen sie in Zukunft einfach zwei Stunden früher.

Mitarbeit: Katharina Franz

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