Winterwetter

Warum die Schule im Kreis Hildesheim diesmal nicht ausfiel – und wieso eine Rektorin fast Taxis für die Schüler bestellt hätte

Kreis Hildesheim - Wieder Schneemassen, wieder Probleme mit den Bussen – doch diesmal fand der Unterricht statt, auch wenn teilweise nur die Hälfte der Schüler da war. Der Landkreis Hildesheim erklärt, warum er diesmal anders entschied als vor zwei Wochen. (Mit Kommentar)

Ja, da kommt er! Ein Schulbus hält am frühen Nachmittag am Sarstedter Sonnenkamp - er fahren würde, war zunächst unklar gewesen. Foto: Tarek Abu Ajamieh

Kreis Hildesheim - Am Hildesheimer Scharnhorst-Gymnasium war es am Montagvormittag ungewöhnlich ruhig. Nur etwas mehr als die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler war zum Unterricht erschienen, wie Schulleiter Marcus Krettek auf Anfrage berichtete: „Das Sekretariat hatte 205 telefonische Abmeldungen wegen des Wetters.“ Von den Kindern und Jugendlichen, die dagewesen seien, sei noch einmal etwa ein Viertel zu spät gewesen. Krettek hatte am Morgen selbst per E-Mail noch einmal auf die Eigenverantwortung von Eltern und Schülern hingewiesen.

Auch viele Lehrkräfte zu spät

„Auch viele Lehrkräfte aus dem Landkreis, der Region und Stadt Hannover hatten wegen der nicht befahrbaren Straßen oder der Sperrung der A7 lange Verspätungen, obwohl sie oft bereits eine Stunde vorher von zu Hause aufgebrochen waren“, berichtete Krettek weiter. Einige hätten sogar umkehren müssen.

Das Winterwetter hat am Montag für einige Probleme an vielen Schulen in Stadt und Landkreis gesorgt – und das dürfte neue Debatten auslösen. Vor zwei Wochen gab es rege Diskussionen über die Entscheidung des Landkreises Hildesheim, die Schule angesichts von Schneefall und Eisglätte ausfallen zu lassen. Und einige Kritik daran – so schlimm sei die Lage doch gar nicht gewesen. Am Montag gab es nun prompt Diskussionen über die Entscheidung, die Schulen diesmal nicht ausfallen zu lassen – und auch an dieser Entscheidung wieder allerhand Kritik von Eltern. Ein Argument: Diesmal sei doch noch viel mehr Schnee gefallen. Warum also hat der Landkreis vor drei Wochen die Schule ausfallen lassen und diesmal nicht?

Keine Unwetterwarnung

Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen und Faktoren, erklärte die Kreisverwaltung am Montagmorgen auf Anfrage. „Der Landkreis stand bei der Abwägung, ob für den Montag der witterungsbedingte Schulausfall anzuordnen ist, im intensiven Austausch mit der Polizei, dem Träger des Öffentlichen Nahverkehrs und den im Schulbusverkehr eingesetzten Busunternehmen“, berichtete Kreis-Pressesprecherin Birgit Wilken auf Anfrage. Das Fazit dieser Diskussionen: „Mit Blick auf die aktuelle Wetterlage und den damit einhergehenden Verkehrsbedingungen hat es sich nicht um eine Lage gehandelt, die bei entsprechend angepasster Fahrweise eine Gefahr für Leib und Leben bedeutet hätte.“

Ein wichtiger Unterschied sei zudem gewesen, dass für diesen Montag, anders als im Zuge von Schneesturm „Elli“ vor gut drei Wochen, keine amtliche Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes vorgelegen habe. Vielmehr habe es sich diesmal um einen „jahreszeitlich zu erwartenden üblichen Wintermorgen“ gehandelt. Wilken betont: „Nicht jeder auch stärkere Schneefall kann einen Unterrichtsausfall nach sich ziehen.“ Am Dienstag werde jedenfalls ebenfalls der Unterricht stattfinden.

Späte Info zu Schulbussen

Für die Kreisverwaltung ist dabei klar: Gibt sie keinen Unterrichtsausfall bekannt, findet die Schule statt. Viele Eltern waren am Montagmorgen dennoch verunsichert, zumal der Landkreis erst sehr spät in den sozialen Medien erklärte, dass die Schule stattfinde – und dabei auch darauf hinwies, dass die Eltern natürlich eine Eigenverantwortung trügen: „Auch wenn seitens des Landkreises kein genereller Unterrichtsausfall angeordnet wird, können die Erziehungsberechtigten der Schülerinnen und Schüler der Klassen eins bis zehn ihre Kinder für einen Tag zu Hause behalten, wenn sie eine unzumutbare Gefährdung auf dem Schulweg durch extreme Witterungsverhältnisse befürchten.“

Exemplarisch für die Verunsicherung war am Montagmorgen die Situation an der größten Grundschule im Landkreis Hildesheim, der Regenbogenschule in Sarstedt. Die bekam, wie auch die zweite Sarstedter Grundschule am Kastanienhof, um 7.19 Uhr eine Mail vom Regionalverkehr Hildesheim (RVHI), wonach wegen des Wetters bestimmte Haltestellen zwischen Hotteln und Sonnenkamp nicht angefahren werden könnten. „Das war natürlich viel zu spät“, klagt Rektorin Marion Heuer. „Da war es nicht mehr möglich, die Eltern noch rechtzeitig zu informieren – zumal das eigentlich ohnehin nicht unsere Aufgabe ist.“ Der RVHI ist für eine Stellungnahme angefragt, bis Montagabend gab es keine Antwort.

„Die Nerven liegen blank“

Jedenfalls standen zu diesem Zeitpunkt schon die ersten Kinder an den Bushaltestellen und mussten ziemlich lange warten. Die Busse kamen, allerdings mit deutlicher Verspätung. Zwischen Gödringen und Sarstedt stauten sich die Autos teilweise einen Kilometer zurück, weil viele Eltern kurzfristig den Nachwuchs ins Auto packten, um ihn zur Schule zu bringen.

Rektorin Heuer hat für den späten Hinweis des RVHI wenig Verständnis: „Der Schneefall war angesagt, das Ausmaß hat sich früh abgezeichnet.“ Sie selbst sei um 6.15 Uhr in Itzum losgefahren und um 7.40 Uhr in Sarstedt angekommen. Den halben Vormittag telefonierte ihre Sekretärin mit Landkreis und RVHI, um herauszufinden, ob denn wohl die Busse nach der Schule alle fahren würden – was das Busunternehmen am Morgen offengelassen hatte. „Wenn das wieder nicht klappt, bestelle ich Taxis für die Schüler und schicke die Rechnung an den Landkreis“, schimpfte Heuer zwischendurch. „Es tut mir leid, aber hier liegen langsam echt die Nerven blank!“ Wenig später kam dann aber die Rückmeldung vom RVHI, dass die Busse nach der Schule fahren würden. Und Marion Heuer konnte den verspäteten Bussen und dem Schnee dann doch noch etwas Positives abgewinnen: „Die Schüler finden das alles ganz toll!“

Improvisation gefragt

In den ersten 20 Minuten habe die Schule ein wenig improvisiert, weil nicht nur viele Schüler noch unterwegs waren, sondern auch noch nicht alle Lehrerinnen pünktlich angekommen waren. Ähnlich sah es auch am Kastanienhof in der zweiten Sarstedter Grundschule aus. „Wir haben zurzeit ohnehin einen hohen Krankenstand“, berichtete Schulleiterin Claudia Eitel. Schüler und Lehrkräfte seien teilweise zu spät gekommen. „Mit Hausmeister, Sekretärin und pädagogischen Mitarbeitern konnten wir aber alles auffangen“, stellte sie zufrieden fest. Von allenfalls geringfügigen Verspätungen berichten indes die Leiter des Gymnasiums und der Schiller-Oberschule in Sarstedt, Dr. Joris Doelle und Sebastian Rothe.


Kommentar: Das Kernproblem ist die Information – die Lösung liegt aber auf der Hand

Das eigentliche Problem beim Thema Schule am Montag war nicht die Frage, ob es irgendwo glatt war, oder wie viel Schnee in der Nacht gefallen war. Das eigentliche Problem war in diesem Fall das Thema der Information. Das lässt sich lösen, wenn die Verantwortlichen jetzt die richtigen Lehren ziehen.

Informationsfluss zu kompliziert

Über Schulausfälle informiert der Landkreis über Social Media, auch im Radio oder auf den Internetseiten verschiedener Medien kann man davon erfahren, manche Schulen setzen die Eltern zudem über ihre eigenen Netzwerke in Kenntnis. Es gibt dabei eine gewisse Holschuld der Eltern, was auch in Ordnung ist.

Schwieriger ist es mit dem Ausfall oder Verspätungen bei Schulbussen. Diese Information geht von den Busunternehmen an die Schulen, von denen wiederum manchmal an die Eltern, manchmal auch nicht, zumal, wenn die Schulen so wie am Montag zum Teil selbst erst spät davon erfahren. Und ob dann jedes betroffene Elternteil in der morgendlichen Hektik die entsprechende E-Mail noch mitbekommt, ist fraglich.

Eine App könnte helfen

Die Lösung sollte einfach sein. Gefühlt sind wir gerade kurz nach der Telefonkette angekommen, aber tatsächlich haben wir das Jahr 2026. Eine App fürs Handy, die Schulausfälle, Ausfälle oder Verspätungen bei Schulbussen und im Nahverkehr, Wetterhinweise und ähnliche für Eltern und Schüler relevante Informationen gesammelt bereitstellt, sollte kein Hexenwerk sein. Etwa in Verknüpfung mit dem ohnehin von Niedersachsens Schulen genutzten System Iserv. Das würde die Bringschuld der Behörden und die Holschuld der Eltern miteinander verknüpfen, beide Seiten würden profitieren, alle hätten Klarheit.


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