Berufsausbildung

Hildesheimer Azubi arbeitete im Austausch in Japan – und machte Menschen mit Gummibärchen glücklich

Hildesheim - Womöglich als erster Azubi aus Niedersachsen hat Niklas Wiedenhöft drei Wochen im Austausch in einem Hotel in Japan gearbeitet. Welche Erfahrungen er dort gemacht hat – und warum bald noch mehr Azubis nach Japan fliegen könnten.

Niklas Wiedenhöft (Mitte) hat viele Erfahrungen aus Japan mit nach Hildesheim gebracht - sehr zur Freude von Lisa Böhle von der Walter-Gropius-Schule und Berghölzchen-Chef Eberhard Haist. Foto: Tarek Abu Ajamieh

Hildesheim - Tokio, Kirschblüte, Fuji – das sind wohl die Begriffe, die vielen Deutschen sofort zu Japan einfallen. Niklas Wiedenhöft denkt an etwas ganz anderes: „Ich habe noch nie gesehen, dass sich jemand so über eine kleine Haribo-Tüte freut“, erzählt der Hildesheimer. Der angehende Hotelkaufmann hat jetzt für drei Wochen im Land der aufgehenden Sonne gearbeitet – der Auftakt zu einem dauerhaften Austausch, wie seine Berufsschule, die Walter-Gropius-Schule, hofft. Austauschprogramme gibt es für Azubis in handwerklichen und anderen Berufen zwar seit Jahren. Doch Lisa Böhle von der Gropius-Schule geht davon aus, dass Wiedenhoft der erste Lehrling aus ganz Niedersachsen war, der in Japan hospitieren konnte.

Arbeitgeber profitiert auch

„Eine tolle Erfahrung“, schwärmt der 29-Jährige, der im dritten Lehrjahr im Parkhotel am Berghölzchen lernt. Als in der Berufsschule gefragt wurde, wer sich einen Austausch nach Japan vorstellen könne, sei für ihn sofort klar gewesen: „Das will ich unbedingt!“ Auch seinen Chef konnte er jedenfalls schnell überzeugen: „Ich finde das großartig“, sagt Berghölzchen-Hoteldirektor Eberhard Haist. Zum einen bringe es den jungen Mann in seiner persönlichen und fachlichen Entwicklung voran, wovon wiederum er als Arbeitgeber profitieren würde. Er sei umgekehrt auch immer offen für Hospitanten aus anderen Ländern. „Und zum anderen ist es natürlich auch gut für unsere Marke als Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb, dass wir so etwas ermöglichen und unterstützen.“ Das könne im Ringen um Fachkräfte und Nachwuchs nur von Vorteil sein.

Haist flog sogar selbst mit nach Japan, blieb eine Woche, schaute sich verschiedene Hotels und andere Betriebe an. „So geht längst nicht jeder Arbeitgeber damit um – oft heißt es, wir können die Azubis nicht entbehren“, berichtet Lisa Böhle von der Gropius-Schule.

Alle sind fürs Gesamtbild verantwortlich

Niklas Wiedenhöft lernte ein paar japanische Begriffe, konnte bei der Arbeit aber vor allem sein gutes Englisch nutzen. Er musste sich zunächst um die Bettwäsche kümmern – was schwieriger war, als es klang. Denn das Hotel Kyomachiya Ryokan Sakura hat viele traditionell japanisch eingerichtete Zimmer, nach denen Touristen oft gezielt suchen. Deren Betten sind ganz anders gestaltet als in Deutschland. „Es war mir erstmal gar nicht klar, welche Sets zu welchen Betten gehören“, erinnert sich Wiedenhöft. Er habe aber – nicht nur dabei – von der „enormen Hilfsbereitschaft“ seiner Kollegen profitiert.

Ohnehin sei die Haltung der Belegschaft zueinander und zu ihrem Arbeitgeber eine prägende Erfahrung gewesen. „Man unterstützt sich immer extrem gegenseitig, weil alle sich für das Gesamtbild verantwortlich fühlen, keiner will, dass man einen schlechten Eindruck macht.“ Zugleich werde jeder als wichtig respektiert, vom Straßenkehrer bis zum Chef.

Trinkgeld ist verpönt

Gezeigt habe sich diese Kollegialität auch bei den Arbeitszeiten. Er habe um 16 Uhr Feierabend gehabt, und wenn er um 16.01 Uhr noch nicht weggewesen sei, habe es geheißen, er solle nun nach Hause gehen. „Ich habe mal gesagt, ich mache das nur noch schnell fertig – aber dann hieß es: Nein das übernimmt ein Kollege aus der nächsten Schicht.“ Auch das sei eine Frage des Respekts untereinander. „Überhaupt – man redet bei Japan ja immer von Respekt und Disziplin – aber das im Alltag zu erleben, war wirklich eindrucksvoll.“

Um Respekt ging es übrigens auch bei den Gummibärchen. Die verschenkte Niklas Wiedenhöft manchmal in Restaurants an die Kellner. Zu deren großer Begeisterung. Trinkgeld hingegen sei verpönt, berichtet der Hildesheimer: „Damit würde man ausdrücken, das Restaurant habe sein Essen zu billig verkauft.“

Japanerin nach Hildesheim

Die Walter-Gropius-Schule erwartet nun im Herbst eine Japanerin zum Austausch in Hildesheim. Zudem hat sie in Japan Gespräche darüber geführt, das Programm auf Tischler-Azubis auszuweiten. Insgesamt unterhält die Schule Austauschprogramme mit neun europäischen Ländern und nun auch mit Japan.

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