Diekholzen - Es war ein Tag im Urlaub, der Caroline Ebels Berufsleben maßgeblich verändern sollte. Da lernte die Erzieherin aus Diekholzen eine Töpferin kennen – und schwärmte: „In meinem nächsten Leben möchte ich auch etwas Handwerkliches machen!“ Die Reaktion der Frau: Was das nächste Leben für sie bereithalte, könne man ja nicht wissen. Wenn Caroline Ebel also etwas ändern wollte – warum dann nicht schon in diesem Leben?
Der Satz der Töpferin
„Das war ein Schlüsselmoment, von da an war das in meinem Kopf“, erinnert sich die heute 45-Jährige. Und traf bald darauf eine ungewöhnliche Entscheidung. Nach mehr als zwei Jahrzehnten als Erzieherin begann sie eine Ausbildung zur Raumausstatterin. Die hat sie inzwischen erfolgreich bestanden, eröffnet am Donnerstag ihren eigenen Betrieb in Diekholzen – und hofft, dort im Herbst ihren Meisterbrief an die Wand hängen zu können.
Dabei war es nicht so, dass ihr die Arbeit als Erzieherin keinen Spaß gemacht hätte: „Die Arbeit mit Kindern war toll.“ Dennoch fehlte ihr etwas. „Ich wollte schon länger gern mehr Handwerkliches machen.“ Ein weiterer Faktor: Anderthalb Jahre lang arbeitete sie in einem Projekt der Region Hannover in der Sprachförderung in Kitas, konnte sich ihre Termine weitgehend frei einteilen: „Dieses Selbstbestimmte hat mir sehr gelegen“, erinnert sie sich.
Mitschüler im Alter der eigenen Töchter
Und so reifte der Entschluss zum großen Kurswechsel. Zumal Caroline Ebel sehr jung Mutter geworden war, in Bezug auf Arbeitszeiten und Einkommenssicherheit lange ihre beiden Töchter im Blick hatte. Doch die sind mittlerweile erwachsen. 2019 wagte Caroline Ebel den Schritt, bewarb sich um Lehrstellen als Raumausstatterin. Dass es dieses Handwerk sein sollte, sei schnell klar gewesen, sagt die 45-Jährige und schwärmt von „Vielseitigkeit und Abwechslung, mal verlege ich einen Fußboden, mal polstere ich, mal tapeziere ich – es sind jeden Tag neue Herausforderungen!“
Einen Ausbildungsplatz fand sie in Salzgitter, Berufsschul-Unterricht hatte sie in der Hildesheimer Walter-Gropius-Schule. Dass ihre Klassenkameraden dort „im Alter meiner Töchter waren“, sei nie ein Thema gewesen: „Der Umgang war ganz normal.“
Rücklagen für die Ausbildung
Was sie allerdings nicht an sich feststellte: Eine größere Gelassenheit mit Blick auf Lernen und Prüfungen, wie sie Menschen mit einer gewissen Lebenserfahrung, die sich noch einmal für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden, oft beschreiben: „Ganz ehrlich, das trifft auf mich nicht zu“, gesteht Caroline Ebel mit jenem hellen Lachen, dass die zuversichtliche Diekholzenerin im Gespräch öfter hören lässt. „Vor allem wegen meiner eigenen Ansprüche.“ Zumindest in der praktischen Prüfung sollte es auf jeden Fall ein „Sehr gut“ sein, hatte Ebel sich vorgenommen – und packte das auch.
Die auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung machte der Diekholzenerin großen Spaß. Der Betrieb hätte sie auch übernommen, sagt sie – doch das Gehalt hätte, zumal in Kombination mit dem Arbeitsweg nach Salzgitter – nicht unbedingt gereicht. Für die Ausbildung hatte sie sich auf ihre Rücklagen gestützt, eine Dauerlösung konnte und sollte das nicht werden.
Eigene Firma gegründet
Doch Caroline Ebel fand einen anderen Weg. Sie kehrte zunächst zurück in ihren Job als Erzieherin, mit einer 33-Stunden-Stelle – und begann parallel, ihre eigene Raumausstatter-Firma aufzubauen. Zunächst eher als Nebenjob, dann mit steigendem Zeitanteil. Außerdem meldete sie sich für die Meisterschule an, ist derzeit jede Woche freitags und samstags in Münster. „Ja, ich habe gerade wenig Zeit“, kommentiert Ebel. „Aber ich weiß ja, wofür ich das tue.“
Ende Januar hatte sie ihren letzten Arbeitstag in der Kita, setzt nun ganz auf ihren eigenen Raumausstatter-Betrieb, der ab Donnerstag auch einen echten Firmensitz hat. Gegründet hat sie ihn zusammen mit einem Raumausstatter-Meister im Ruhestand aus Nörten-Hardenberg, doch das Unternehmen trägt allein ihren Namen.
Vorhänge für Berliner Firma
Weil sie ihren Meisterbrief noch nicht hat, hat Caroline Ebel eine Ausnahmegenehmigung der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen bekommen. Weil man einen solchen Betrieb ohne Meistertitel eigentlich nicht führen darf – weil sie aber andererseits auf eben dieses Zertifikat hinarbeitet und erste Bausteine schon in der Tasche hat. Die Genehmigung gilt bis zum Jahresende – und wenn alles läuft wie geplant, darf sich die Diekholzenerin dann tatsächlich als Raumausstatter-Meisterin bezeichnen.
Die meisten Kunden hat Caroline Ebel in Stadt und Landkreis Hildesheim und anhängenden Regionen. Einer ihrer Auftraggeber sitzt aber auch in Berlin. Wie sie den gewonnen hat, klingt irgendwie typisch für die ebenso unkompliziert wie zupackend wirkende Diekholzenerin: „Das ist eine Firma, die wirklich tolle Camper baut – aber da habe ich einen Thermo-Vorhang gesehen, da dachte ich, das geht gar nicht. Dann habe ich die einfach angefunkt, probehalber einen Vorhang hergestellt, und seitdem arbeiten wir zusammen.“
