Energiemonitor im Landkreis Hildesheim

Warum in einer Kommune genug Strom für alle produziert wird – und in der anderen keine zehn Prozent

Alfeld/Lamspringe - Nach Lamspringe macht auch Alfeld öffentlich, wie viel Strom vor Ort hergestellt und verbraucht wird. Die Unterschiede könnten kaum größer sein.

Der Strom, kommt aus der Steckdose - doch von wo aus kommt er dorthin? In zwei Kommunen im Landkreis Hildesheim lässt sich das nun aktuell verfolgen Foto: dpa

Alfeld/Lamspringe - Wie viel Strom wird in der Stadt gerade verbraucht und von wem – und wie viel wird erzeugt? Das lässt sich jetzt für eine zweite Kommune im Landkreis Hildesheim für jedermann im Internet nachvollziehen. Nach der Gemeinde Lamspringe hat auch die Stadt Alfeld den „Energiemonitor“ des Netzbetreibers Avacon auf ihrer Seite installiert. Dabei wird bereits deutlich, wie unterschiedlich strukturiert die Städte und Gemeinden in der Region sind.

In Lamspringe zum Beispiel wurde seit Installation des Energiemonitors vor einigen Wochen fast immer mindestens so viel Strom im Gemeindegebiet produziert, wie dort auch verbraucht wurde – meist sogar merklich mehr. Eine große Rolle spielen dabei Biogasanlagen, die kontinuierlich produzieren – sozusagen eine Grundlast abdecken, wie Fachleute sagen würden – und rein rechnerisch allein gut die Hälfte des Lamspringer Strombedarfs abdecken.

Sappi – und keine Windräder

Eine wesentliche Rolle kommt zudem der Windkraft zu: Liefern die Windräder eine durchschnittliche Strommenge, reicht das schon, um zusammen mit den Biogasanlagen den Gesamtbedarf mehr als zu erfüllen, zumindest rechnerisch. Photovoltaik spielt eine deutlich geringere Rolle, trägt aber – zumindest im Sommer – relativ stabil zur Stromerzeugung bei. Auffällig auch: An Wochenenden sinkt der Verbrauch in der Gemeinde so weit ab, dass ihn allein die Biogasanlagen abdecken können.

In Alfeld ist die Situation vollkommen anders – und das liegt vor allem daran, dass die Leinestadt ein wichtiger Industrie-Standort ist. Zudem hat Alfeld mit dem Sappi-Werk den größten Stromverbraucher im Landkreis Hildesheim. Auf der anderen Seite gibt es im Alfelder Stadtgebiet keine Windräder, zur Stromproduktion tragen in nennenswertem Maße nur Biogasanlagen und Photovoltaik bei.

Eigenversorgung unmöglich?

Doch die sind weit entfernt davon, den Strombedarf der Industrie auch nur ansatzweise decken zu können. Nur sechs bis neun Prozent des in Alfeld verbrauchten Stroms werden auch im Stadtgebiet erzeugt. Sonntags, wenn viele Anlagen stillstehen, kann dieser Wert mal auf 15 Prozent steigen, doch in der Regel liegt er deutlich unter zehn Prozent – während es in Lamspringe bei guten Windverhältnissen mitunter mehr als 150 Prozent sind.

Wie groß die Bedeutung der Alfelder Betriebe in Sachen Stromverbrauch ist, macht eine Stichprobe am Montagvormittag deutlich. Gut 1000 Kilowattstunden wurden da binnen einer Viertelstunde mit Biogas, Photovoltaik und einem kleinen bisschen Wasserkraft produziert, die privaten Haushalte verbrauchten im gleichen Zeitraum gut 600. Doch die Unternehmen benötigten in besagten 15 Minuten knapp 16.000 Kilowattstunden. Was den Schluss zulässt, dass eine komplette Eigenversorgung in einem Ort wie Alfeld kaum zu realisieren scheint.

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