Hildesheim - „Was mache ich nur mit euch?“, frage ich die Johannisbeeren in unserem Garten. Wie erwartet, bekomme ich keine Antwort. Ich könnte eine Biskuitrolle backen und die Beeren mit Sahne darin einrollen. Oder – da fällt mir eine Eigenkreation meiner Mutter ein, die ich sehr geliebt habe: Mürbeteig in einer Tarteform, darauf Vanillepudding mit Johannisbeeren.
Was wollen die Ameisen hier?
Also pflücke ich die Beeren und stelle mich einem Kampf mit einer Ameisenkolonie, die seltsamerweise die Beerenernte für sich beansprucht. In der Küche geht der Kampf weiter. Zehn Ameisen trage ich raus, der Rest wird im Zweikampf erledigt. Nachdem der Kuchen auf dem Tisch steht, bin ich hochzufrieden. Schmeckt wie früher. „Und?“, frage ich meinen Ehemann, „Möchtest du noch ein Stück? Schmeckt er dir?“ Ich feuere gerne zwei, drei Fragen am Stück ab, dann vergesse ich keine. Als ich ihn ansehe, muss er eigentlich kein Wort sagen, diesen Gesichtsausdruck kenne ich gut: „Ganz ordentlich“, sagt er. Heißt übersetzt: „Der Kuchen schmeckt mir nicht die Bohne! Mach den nie wieder.“
Eine eigene Kreation
Etwas enttäuscht schaufle ich mir das zweite Stück auf den Teller und überlege mir, eine eigene Kreation zu schaffen. Rühr- statt Mürbeteig, Schmand ersetzt Pudding – und dann die Johannisbeeren untermischen. Während ich so nachdenke, setzt der Mann nach: Er möge nun mal keinen Kuchen mit Pudding darauf. Ach ja, ich vergaß. Das liegt nämlich in seiner Familie. Nur dort gibt es den sogenannten Erdbeerboden: Tortenboden mit Erdbeeren darauf und ein Hauch von Tortenguss, damit die Früchte nicht runterpurzeln. Dazu ungesüßte Sahne. Mehr nicht. Ob mir das schmeckt? Ganz ordentlich.
