Kolumne Gefundenes Fressen

Was machen wir bloß, wenn Hildesheim von Touristen überrannt wird?

Hildesheim - Immer mehr Menschen reisen. Die Folge: Venedig verlangt Eintrittsgeld, in Amsterdam dürfen keine Hotels mehr gebaut werden. Und Hildesheim? Was machen wir, wenn die Touristenströme RPM, Wildgatter und Dom lahmlegen?

Die Kolumne Gefundenes Fressen erscheint jeden Montag in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Foto: HAZ

Hildesheim - Neulich las ich in einem als seriös geltenden Nachrichtenmagazin diese erschütternde Schlagzeile: „Touristenansturm nimmt vielerorts drastische Ausmaße an. Einheimische genervt von Scharen an Urlaubern“. Ja, einige Städte und Regionen ergreifen bereits Maßnahmen: Venedig verlangt Eintrittsgeld, auf den Balearen geht man rigoros gegen den Partytourismus vor, Amsterdam hat einen Stopp von Hotelneubauten verhängt.

Steht uns in Hildesheim ab nächsten Sommer dasselbe bevor? Werden, kaum dass der Frühling beginnt, Busse über Busse Touristen auf die Parkplätze am Ratsbauhof spucken, wird die Polizei am Bahnhof die Scharen Ankommender vom fließenden Verkehr trennen müssen? Sollen wir lieber jetzt schonmal Plätze bestellen, wenn wir die Familie im August zum Italiener ausführen wollen? Nachher ist alles reserviert von diesen, diesen... Touristen, und wer guckt in die Röhre? Die Hildesheimer, na klar!

In der Jowiese planschen die Ungarn, in den Bars feiern die Briten

In die Jowiese kommste nicht mehr rein, weil da lauter Skandinavier und Ungarn planschen, ins RPM unternehmen nun zahllose Ägypter Bildungsreisen, in den Pubs machen Briten die Nächte zu endlosen Tagen, und vom Wildgatter können die Hildesheimer Kids sowieso nur noch träumen. Von den Weltkulturerbestätten fange ich gar nicht erst an.

Tja. Das mag alles toll werden für die Hoteliers, die Gastronomen und natürlich die Stadt, die ja gerade noch rechtzeitig die Bettensteuer eingeführt hat, hehe. Uns Einheimischen hingegen bleibt nur der Rückzug nach Balkonien. Oder wir fahren dem Ansturm einfach davon. Auf die Balearen zum Beispiel – und da lassen wir dann mal so richtig die Sau raus.

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