Hildesheim - Wer Mütter nach dem Muttertag fragt, bekommt mit großer Wahrscheinlichkeit ganz unterschiedliche Antworten. Die einen mögen diesen Tag, für andere ist er ähnlich wichtig wie der Valentinstag, nämlich gar nicht. Die Pressemitteilung eines großen Getränkeherstellers, die nun pünktlich zum Muttertag am 10. Mai auf meinem Schreibtisch landete, hat mich wieder einmal daran erinnert, warum ich zur zweiten Gruppe gehöre.
Getränkekauf für Mutti
Der Absender der E-Mail möchte seine Getränke verkaufen, klar, aber wie er sich – ja, das Schreiben stammt von einem Mann – den perfekten Tag für eine Mutter vorstellt, lässt mich ratlos zurück. Los geht’s am Morgen: „Für den besonderen Genuss servieren Verwöhnprofis einer Mutter ein Glas Prosecco zum Frühstück“, heißt es im Pressetext. Und im Tagesverlauf? „Fürs Relaxen kreieren Planende später einen leckeren Drink mit luftgetrockneten Obstscheiben; die machen jedes Glas zum Hingucker.“ Fehlt noch der passende Abend: „Ob Romantikkomödie, Klassiker oder Lieblingsserie, am Muttertag geben Partner und Kinder die Kontrolle am Fernseher ab und überlassen die Auswahl Mama. Der gesamte Haushalt kuschelt sich auf die Couch, und diesen Moment runden schokolierte Früchte ab.“
Wertschätzung statt Alkohol
Ein Schwips in der Frühe, danach Obst im schicken Glas, Klischee-Fernsehen und Schoki zum Feierabend – all das macht Mütter froh? Ich wage das zu bezweifeln. Und wünsche mir stattdessen gesellschaftliche Anerkennung der Care-Arbeit, Verständnis rund um die ständige Organisation des Familienalltags (Mental Load) und mehr Solidarität unter Müttern insgesamt. Wenn meine Kinder mir zudem am Sonntag ein Gänseblümchen pflücken, freue ich mich natürlich trotzdem – so wie an jedem anderen Tag im Jahr.
