Hildesheim - Die Stadt hat diese Immobilie nie offiziell zum Kauf angeboten – und doch ist inzwischen ein echter Bieterwettstreit um das „Gelbes Haus“ genannte Gebäude in der Treibestraße 4 entstanden. Nach HAZ-Informationen liegen im Rathaus inzwischen vier Kaufangebote für den Bau gegenüber dem St. Bernward Krankenhaus (BK) vor, unter anderem von der Klinik selbst. Deren Leitung hatte im Frühjahr dieses Jahres ein Angebot vorgelegt.
Das BK hatte zuerst geboten
Der Deal mit der Verwaltung war schon fast in trockenen Tüchern, doch die Politik trat auf die Bremse. Die Fraktionen wollten zunächst die angekündigten Um- und Neubaupläne des BK abwarten, ehe sie ihr Okay für das Geschäft geben. Kurz darauf meldete ein Privatmann sein Interesse an dem erstmals 1926 errichteten und nach dem Weltkrieg 1946 wieder aufgebauten Haus sowie dem rund 1500 Quadratmeter großen Grundstück an. Einst diente die Immobilie als Jugendherberge, derzeit nutzt die benachbarte St.-Augustinus-Oberschule sie.
In den folgenden Monaten gingen weitere Kaufangebote im Rathaus ein, die Bieter bleiben anonym. Das Duo, das nun ebenfalls beim Bieten mitmacht, hat kein Problem damit, auch öffentlich darüber zu reden. Nikolaus Schramm und Carsten Paulick bestätigen im Gespräch mit der HAZ: „Wir haben großes Interesse daran, das Gebäude zu erwerben.“ Schramm ist Unternehmensberater, besitzt aber wie auch Zahnarzt Paulick mehrere Immobilien. Beide haben der Stadt jetzt nach eigenen Angaben ein Angebot gemacht, dessen Höhe fair sei und die Marktlage realistisch wiedergebe.
Hostel für Patienten-Angehörige
Der technische Direktor des BK, Jörn Augsburg, hatte zuletzt erklärt, dass die Klinik das Grundstück und das Haus nicht zwangsläufig benötige, um die anstehende Erweiterung umsetzen zu können. Diese Information nahmen Paulick und Schramm zum Anlass, selbst mit einem Gebot einzusteigen. Ihr Plan für das Haus: Ein Hostel mit günstigen Zimmern für rund 50 Euro pro Nacht einrichten und an einen Betreiber vermieten. „Davon könnte auch das BK profitieren“, ist sich Paulick sicher. So könnten sich zum Beispiel Angehörige von Patienten dort einbuchen.
Wann klar ist, wer neuer Besitzer des Gelben Hauses wird, steht nicht fest. Die Stadt äußert sich zu den vorliegenden Kaufangeboten für das Haus öffentlich gar nicht. Aber auch intern ruhe das Thema derzeit, sagt Stadtsprecher Helge Miethe. Erst müssten alle Details der geplanten BK-Erweiterung und des Umbaus der Treibestraße geklärt werden. „Erst wenn die finale Abstimmung erfolgt ist, wird sich die Verwaltung intern wieder mit der Grundstücksangelegenheit befassen und in diesem Kontext über das weitere Vorgehen entscheiden.“
