Neue Stromtrasse

Auf riesiger neuer Betonfläche in Hildesheim: Erste 80-Tonnen-Kabeltrommeln für Südlink eingetroffen

Hildesheim - Im Großlager der Südlink-Netzbetreiber am Flugplatz sind die ersten Kabeltrommeln eingetroffen. Wie groß sie sind, was aus der Betonfläche werden soll – und warum es in der Region weiter Widerstand gibt.

Eine riesige Betonfläche, ein zwölf Meter hohes Spezialfahrzeug und acht 80 Tonnen schwere Kabeltrommeln - da nehmen sich die Menschen in dem Freilager im Norden Hildesheims fast wie Ameisen auf. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Auf einer eigens dafür angelegten riesigen Betonfläche im Norden Hildesheims sind die ersten großen Kabeltrommeln für die Stromtrasse Südlink in der Region eingetroffen. Der Netzbetreiber TransnetBW stellte das Großlager am Flugplatz am Donnerstagnachmittag der Öffentlichkeit vor. Von dem Areal aus sollen die Trommeln an ihre jeweiligen Einbauorte entlang der Trasse verbaut werden. Während mehrere Redner Südlink als wichtigen Baustein der Energiewende lobten, übten Vertreter der Landwirtschaft Kritik an der geplanten Erdverkabelung.

Die 525-Kilovolt-Höchstspannungsleitung Südlink führt von der Nordsee nach Bayern und soll vor allem in Offshore-Windparks erzeugten Strom in den Süden transportieren. Erstmals wird eine Gleichstrom-Verbindung dieser Größenordnung in Deutschland als Erdkabel verlegt. Die Trasse führt unter anderem zwischen Elze und Freden durch das Leinetal.

Am Eiffelturm vorbei

Die einzelnen Trommeln umfassen knapp zwei Kilometer Kabel und sind rund 80 Tonnen schwer. Die Firma Prysmian stellt sie in Montereau südlich von Paris her. Von dort werden sie über die Seine an den Atlantik gebracht – und schippern dabei auch unterhalb des Eiffelturms vorbei, wie ein Firmenvertreter stolz anmerkte. Per Schiff geht es von der französischen Küste aus weiter nach Hamburg und von dort per Schwertransport über die Autobahn 7 nach Hildesheim.

Entlang der rund 700 Kilometer langen Südlink-Trasse haben die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW mehrere Großlager eingerichtet. In Hildesheim ist das Größte entstanden. Um den enormen Lasten standhalten zu können, hat TransnetBW zwischen dem Coca-Cola-Außenlager und der Baurat-Köhler-Straße eine insgesamt 62 000 Quadratmeter große Fläche mit einer 24 Zentimeter dicken Betonschicht überziehen lassen. Die ersten acht Kabeltrommeln sind nun eingetroffen, insgesamt ist Platz für 138 Exemplare.

„Eingriffe in den Boden“

Im Jahr 2028 soll Südlink in Betrieb gehen. Im gleichen Jahr muss TransnetBW die Fläche in Hildesheim an die Stadt zurückgeben. Dabei kann die Stadt selbst festlegen, ob sie die riesige Betonfläche übernimmt, oder ob das Unternehmen den ursprünglichen Zustand einer Ackerfläche wieder herstellen muss.

In Grußworten von Oberbürgermeister Ingo Meyer, Staatssekretär Frank Doods aus dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium und vom Bundestagsabgeordneten Bernd Westphal wurde vor allem die Bedeutung von Südlink für die Energiewende in Deutschland hervorgehoben. Westphal merkte allerdings an, dass es „natürlich auch enorme Eingriffe in den Boden gibt“.

Das sorgt vor allem in der Landwirtschaft für Unmut, ein Verein im Südkreis prüft sogar, die Erdverkabelung noch juristisch anzugreifen. Landvolk-Vorstandsmitglied Henrik Gödeke sah sich beim Ortstermin in seinen Bedenken bestätigt: „Wird unser Boden, wo Korn für Brot und Brötchen wachsen, das überleben?“ Es gebe noch keine Erkenntnisse darüber, ob und welche Bodenfunktionen nach Erdkabelverlegung wiederhergestellt werden könnten. „Die Erfahrungen der landwirtschaftlichen Praxis lehren, dass irreparable Schäden unvermeidbar sind“, mahnte Gödeke. Insgesamt werde die Südlink-Baustelle durch ganz Deutschland eine Fläche von 4000 Fußballfeldern ausmachen, das entspreche der Anbaufläche von 28 Millionen Kilogramm Weizen.

Ursprünglich war Südlink als Freileitung geplant. Nach Protesten aus der Bevölkerung mit Blick auf das Landschaftsbild schrieb der Bundestag stattdessen Erdkabel vor.

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