Überwachung von Kavernen

Wasserstoff: Firma aus Kreis Hildesheim bei Speichertechnik weltweit vorn

Emmerke - Socon hat sich auf die Vermessung von Kavernen spezialisiert – eine für die Energiewende womöglich entscheidende Fähigkeit. Die Firma sucht noch Techniker.

Was seine Firma kann, können nicht viele: Socon-Chef Andreas Reitze kürzlich bei einer Fachkonferenz im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum. Foto: Guido Klocke

Emmerke - Wasserstoff gilt als eine der wichtigsten Energiequellen der Zukunft. Vor allem die Industrie hofft, durch mit Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugten Wasserstoff einen geringeren CO2-Ausstoß zu verursachen. Diskutiert wird die Nutzbarkeit des Gases auch fürs Heizen und für den Antrieb von Autos, Lastwagen und Zügen. Die Betreiber des Kraftwerks Mehrum prüfen den Bau einer großen Produktionsanlage, in Salzgitter entsteht ein Wasserstoff-Campus. Und im Kreis Hildesheim ein neues Geschäftsmodell.

Weltweite Premiere

Denn wenn Wasserstoff wirklich zum Energieträger der Zukunft wird, muss das Gas in enormen Mengen gespeichert werden. Hier kommt die Emmerker Firma Socon ins Spiel. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Vermessung und Überwachung riesiger unterirdischer Hohlräume, sogenannter Kavernen, in denen derzeit vor allem Erdgas und Erdöl eingelagert werden.

In diesem Jahr hat Socon es geschafft, bei einer Bohrung in den Niederlanden erstmals einen unterirdischen Hohlraum auszumessen – und damit nachzuweisen, dass seine in Emmerke entwickelte Technologie auch bei Wasserstoff funktioniert. „Damit waren wir weltweit die ersten“, sagt Geschäftsführer Andreas Reitze stolz, aber nicht pompös. Schließlich ist das Unternehmen in seinem Nischenbereich schon länger global führend.

Konferenz in Hildesheim

In der Branche hat der Erfolg der Emmerker einiges Aufsehen erregt. Als Socon vor einigen Tagen Kunden und Wissenschaftler zu einer Konferenz nach Hildesheim einlud, kamen unter 2G-plus-Bedingungen rund 70 Gäste aus ganz Deutschland ins Roemer- und Pelizaeus-Museum, Dutzende weitere verfolgten die Hybrid-Veranstaltung am Bildschirm. „So viele waren wir noch nie, das Thema hat natürlich gezogen“, sagt Reitze.

Doch warum sind die Vermessungs-Spezialisten überhaupt so wichtig? Das liegt am Wesen der Kavernen. Diese entstehen künstlich, indem Salzstöcke in 1000 bis 1500 Metern Tiefe mit Wasser ausgespült werden. Das Salzwasser wird dann entweder ins Meer oder in alte Bergwerke geleitet. Je nachdem, wie hart das Salz an welcher Stelle ist, formt sich der Hohlraum aus – in aller Regel entsteht dabei ein äußerst unregelmäßiges Gebilde.

Kavernen werden kleiner

Um dessen Kapazität herauszufinden, sind aufwendige, detaillierte Messungen mit Sonden nötig, die Abstände zu den Wänden rundum mithilfe von Schallwellen bestimmen. „Es entsteht ein 3-D-Modell des unterirdischen Hohlraums“, erklärt Socon-Chef Reitze. Und das muss letztlich ein Gebilde wiedergeben, das mehrere hundert Meter hoch und mindestens mehrere Dutzend Meter breit ist. Das durchschnittliche Fassungsvermögen liegt bei 400.000 Kubikmetern.

Doch das muss regelmäßig passieren. „Die Kavernen verändern ihre Form, das Salz drückt ganz langsam nach“, erklärt Reitze. Pro Jahr gehe es etwa um 0,5 bis ein Prozent des Raumes. Wie viel Gas, Öl oder eben Wasserstoff in eine Kaverne passt, müsse deshalb immer wieder neu ermittelt werden.

Dutzende Kavernen nötig?

Das Thema Wasserstoff ist für Socon eine Zukunftsfrage. Das bisherige Geschäftsmodell mit Öl- und Gas-Kavernen ist angesichts der Energiewende kein Selbstläufer mehr. Umso wichtiger ist es für Reitze, dass das Unternehmen nun ganz vorn dabei ist, erste Erfahrungen vorweisen kann. Und nachgewiesen hat, dass die selbst entwickelten Sonden auch im neuen Medium tadellos ihren Dienst verrichten.

Die Nachfrage wird jedenfalls groß sein, glaubt der Geschäftsführer. Und rechnet vor: Der Bund geht in seiner Wasserstoff-Strategie von einem Jahresbedarf von 100 Terawattstunden im Jahr 2030 aus. Sollten nur zehn Prozent davon gespeichert werden, wären dafür bereits 67 herkömmliche Kavernen notwendig. Bei der strategischen Ölreserve der Bundesrepublik zum Beispiel liegt die Speichermenge aktuell bei 25 Prozent des Jahresbedarfs.

Techniker gesucht

Socon, von dessen weltweit 80 Beschäftigten 60 am Stammsitz Emmerke Dienst tun, sucht derzeit Mitarbeiter für die Vermessung. Idealerweise haben sie eine Techniker-Ausbildung – und kein Problem damit, im Außendienst unterwegs zu sein, umreißt Reitze das Profil. Die lokale Suche mache trotz der globalen Ausrichtung Sinn, ist Reitze sicher – und lobt: „Von der Werner-von-Siemens-schule sind schon einige gute Leute zu uns gekommen.“

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