Hildesheim - Uwe Bringmann hört auf. Der Mann, der vielen Hildesheimerinnen und Hildesheimern als Geschäftsmann, Politiker, Veranstalter und als Vorsitzender des Fördervereins Wildgatter bekannt ist, geht in Rente.
Am Dienstagabend hat er seine letzte Vorstandssitzung als Vorsitzender gehalten, Anfang kommenden Jahres wird er in seinem Bettengeschäft RückRad am Pferdemarkt sehr viel kürzer treten. Der Politik will er aber erhalten bleiben.
Tränen zum Abschied
Er soll Tränen in den Augen gehabt haben, als er von seinem Abschied aus dem Vorstand erzählte. Aber Hans-Uwe Bringmann, wie er richtig heißt, der sich als Hildesheimer durch und durch bezeichnet, zieht einen Schlussstrich.
Er möchte mehr Zeit für seine Familie haben – auch jetzt verbringt er viel Zeit mit seiner Frau Marion an der Ostsee. In Timmendorfer Strand hat das Paar eine Ferienwohnung, die künftig wohl noch häufiger frequentiert wird als bislang.
Er hat Hildesheim den Stempel aufgedrückt
Aber Hildesheim ist sein Zuhause, hier hat er sich jahrzehntelang ausgetobt und der Stadt seinen Stempel aufgedrückt. Als Vorsitzender der Werbegemeinschaft „Die freundlichen Hildesheimer“ hat Bringmann viele Projekte aus der Taufe gehoben und mit seinen Mitstreitern den Grundstein für heute prägende Veranstaltungen gelegt.
So ist der beliebte Pflasterzauber aus der Veranstaltung „Zauberhaftes Hildesheim“ im Jahr 2007 entstanden. Den hatte die Händlergemeinschaft unter seiner Führung ins Leben gerufen und damals angekündigt: „Wir machen mit mehr Stationen in der Innenstadt weiter.“ Genauso entwickelte sich die Automeile (heute: Mobilitätsmeile) zu einem festen Punkt im Hildesheimer Veranstaltungskalender.
An der Spitze der „Freundlichen Hildesheimer“
Die „freundlichen Hildesheimer“ mit Thomas Adamski und Uwe Bringmann an der Spitze treiben die Veranstaltungen Ende der 1990er Jahre in der Stadt voran. Und so stellt die HAZ schließlich 2001 bei der Amtsübergabe von Adamski (1. Vorsitzender) zu Bringmann fest: Die Werbegemeinschaft betreibe ehrenamtlich das Stadtmarketing.
Und so ist es wohl auch. Erst Jahre später, 2008, gründet sich die Hildesheim Marketing GmbH, und seither arbeitet man Seite an Seite und führt die ehrenamtlich organisierten Events hauptamtlich weiter.
Seine lange Zeit im BK
Was aber viele über den „Betten-Bringmann“ nicht wissen: Fast 20 Jahre verbringt er im Bernward Krankenhaus. Erst lange als Pfleger auf Station, später wechselt er 1990 in die Verwaltung und werkelt in der Öffentlichkeitsarbeit mit.
Unter anderem stammt der Slogan „BK, na klar“ aus seiner Feder. Dann kommen 1993 seine Zwillinge Nick und Levi Kolbe auf die Welt, und Vater Bringmann nimmt Erziehungsurlaub.
Zeit für eine Veränderung
Für Bringmann ist es Zeit für eine Veränderung. Der in ihm schlummernde Kaufmann will offenbar raus: 1995 scheidet er aus dem BK aus. „Während meiner Elternzeit habe ich mein medizinisches Wissen in das Bettengeschäft der Familie in Hannover eingebracht“, so Bringmann. Dann übernimmt er die Geschäfte in Hildesheim als Geschäftsführer der Firma Betten Kolbe. Im selben Jahr wird er Mitglied bei den freundlichen Hildesheimern.
Ehrenamtlich war ich schon immer aktiv
„Ehrenamtlich war ich schon immer aktiv“, sagt er. Der Fahrdienst vom ASB trägt Bringmanns Handschrift, für den Einsatz bei einem Waldbrand in der Lüneburger Heide erhält er 1975 den Verdienstorden des Landes Niedersachsen. Der wird ihm damals per Post zugestellt. Dass man damals den „Uwe“ auf der Urkunde vergisst, das stört den „Hans Bringmann“ nicht. „Mir geht es um die Sache.“
Das Wildgatter wird zum Ausflugsziel
Das ist totales Teamwork, es funktioniert nur gemeinsam
Und so sucht er sich immer neue Herausforderungen neben seinem Verkäuferleben in den Bettenläden der Stadt. 2009 widmet er sich dem Wildgatter. Damals soll ein privater Förderverein gegründet werden, der die Stadt langfristig bei den Unterhaltungskosten für das Gehege am Ochtersumer Steinberg entlasten soll. Martina Bertram wird Vorsitzende, Uwe Bringmann bringt sich als Stellvertreter ein.
Später übernimmt er an vorderster Front. Bringmann ist ein Netzwerker, seine Kontakte und Ideen helfen dem Verein, voran zu kommen. „Das ist totales Teamwork, es funktioniert nur gemeinsam und dort oben am Steinberg haben wir ein tolles Team und sehr viel Unterstützung. Es hat viel Spaß gemacht.“
Unter Bringmanns Regie entwickelt der Vorstand des Fördervereins das Wildgatter gemeinsam mit der Stadt und Werner Ziaja zu einem Ausflugsziel, das auch Gäste von außerhalb anlockt. Das bescheinigt auch Oberbürgermeister Ingo Meyer, der Bringmann für den jahrelangen ehrenamtlich Einsatz für das Wildgatter dankt. Er habe „viel zur Aufwertung und heutigen Gestaltung beigetragen“.
Bringmanns Weg in die Politik
2011 beschließt Uwe Bringmann, in die Politik zu gehen, er schließt sich den „Unabhängigen“ an und wird in den Stadtrat gewählt. Dem gehört er noch heute an. „Ich wollte nicht immer nur über die Politiker in der Stadt meckern, dass ich dies oder das anders sehe. Also wollte ich selbst mitreden.“
Ich bin schließlich gewählt
Aber warum hört der 65-Jährige, der gerne diskutiert – und auch hier und da mal anecken kann – überhaupt auf? „Ich gebe langsam meine Amtsgeschäfte ab. Ich möchte Urlaub machen.“ Der Kommunalpolitik will Bringmann „natürlich“ erhalten bleiben. Er ist Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen im Stadtrat: „Ich bin schließlich gewählt.“ Auch im Ortsrat Moritzberg bleibt er. Und als ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht und am Arbeitsgericht macht er weiter. „Das ist ein Termin im Monat.“
Der „freundlichen“ Werbegemeinschaft bleibt er als Beisitzer erhalten – und dem Präsidium im Handelsverband Hannover will er ebenfalls vorerst im Amt bleiben. Aber alles nur für wenige Termine. Und wenn man ihn fragt, dann wird er ganz bestimmt auch immer einen Tipp fürs Wildgatter haben. Aber eben nicht mehr an vorderster Front. „Jetzt ist Zeit für Urlaub.“ Und eines ist sicher: In der Rente wird ihm bei all diesen Terminen ganz gewiss nicht langweilig werden.
Nachfolger im Wildgatter schon benannt
Am Dienstagabend hat Uwe Bringmann nun den Vorstand des Förderverein Wildgatter Hildesheim über seinen Abgang informiert. Zugleich verständigte sich das Gremium darauf, den bisherigen zweiten Vorsitzenden Thomas Hagenhoff an die erste Position zu stellen. Neuer zweiter Vorsitzender wird der Betreiber der Kupferschmiede Jean-Marc Hakemeyer.
Die Satzung des Vereins besagt, dass der Vorstand ein Ersatzmitglied bis zum Ende der Legislaturperiode ernennen darf, sollte ein Vorstandsmitglied ausscheiden. Somit sind Hagenhoff und Hakemeyer nun für zwei Jahre in die Ämter gewählt – so lange läuft die aktuelle Wahlperiode noch.
Hagenhoff ist in Hildesheim, ähnlich wie sein Vorgänger, gut vernetzt und kennt die Stadt. Als Geschäftsführer von Bernward-Medien ist der verheiratete Familienvater beruflich am Domhof zuhause: „Uwe Bringmann hinterlässt uns nach fast anderthalb Jahrzehnten toller Arbeit natürlich große Fußstapfen, insofern haben wir hohen Respekt vor der Aufgabe“, sagt Hagenhoff auf HAZ-Nachfrage. Gleichzeitig spüre er eine „große Verantwortung“, weil das Wildgatter ein zentraler Bestandteil der Hildesheimer Identität sei.
Sein neuer Stellvertreter, Jean-Marc Hakemeyer, ist Gastroprofi und dem Wildgatter als Betreiber der Kupferschmiede in unmittelbarer Nachbarschaft schon lange als Förderer und Unterstützer verbunden. Auch Hakemeyers Investitionen in die Infrastruktur wie die neuen Toiletten und den Kiosk haben „dem kleinen Zoo auf dem Steinberg“ mehr Attraktivität und Komfort verliehen. „Ich freue mich auf die Aufgabe. Und auch auf die Zusammenarbeit mit Thomas. Wir haben ein paar schöne Ideen“, so Hakemeyer.
„Gemeinsam mit dem Träger, der Stadt Hildesheim, wollen wir dauerhaft sicherstellen, dass insbesondere Kinder und junge Familien kostenfrei und unkompliziert Zugang zu Naturerfahrungen haben“, ergänzt Hagenhoff, der beruflich bei seiner Antrittssitzung am Dienstag nicht dabei sein konnte, aber vorher sein „Go“ gegeben hatte.









