Aktionsmonat „Rauchfrei im Mai“

Weg mit dem Glimmstängel – aber wie? Hildesheimer Expertin gibt Tipps

Hildesheim - „Rauchfrei im Mai“ lautet der Name einer bundesweiten Mitmachaktion, die dazu motivieren soll, sich von den Zigaretten zu verabschieden. Wer das vorhat, findet auch in Hildesheim einige Hilfsangebote, wie PUBLIC-Autorin Laura Pöschel herausgefunden hat.

Vielen Menschen fällt es nicht leicht, mit dem Rauchen aufzuhören. Foto: Heiko Stumpe

Hildesheim - Im Restaurant, im Kino, im Zug, ja, sogar im Hörsaal oder Flugzeug gehörte sie früher wie selbstverständlich dazu: die Zigarette. Kaum ein Ort, an dem nicht jemand mit Glimmstängel in der Hand oder im Mundwinkel zu sehen war. Das war einmal, mit dem bundesweiten Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen seit 2007 ist die Zigarette immer mehr vor die Tür verbannt worden. Und trotzdem: Jeder Fünfte greift hierzulande regelmäßig zur Kippe oder zu den vermeintlich weniger schädlichen Vapes.

Damit aufzuhören ist besser für die Gesundheit, schont den Geldbeutel und auch die Natur. Wer das aber mal versucht hat, weiß: Gesagt ist leichter als getan. Wer aufhören möchte, benötigt im Schnitt sechs Versuche, bis es klappt. Gerade in stressigen Situationen droht der Rückfall in alte Muster. „Nikotin macht schnell abhängig und Rauchen hat für viele Menschen etwas von einem Ritual. Die Zigarette nach dem Essen gehört für viele einfach dazu“, weiß Monika Lucki. Sie ist Suchttherapeutin und bietet bei der Caritas Rauchentwöhnungskurse an. Und: Rauchen sei längst nicht so kritisch angesehen wie Alkohol oder Drogen, obwohl dessen Kosten für das Gesundheitssystem immens seien. Lucki führt aus: „Für die Entwöhnung von Alkohol und Drogen gibt es spezielle Kliniken, in denen der Aufenthalt von den Krankenkassen finanziert wird. Einen stationären Nikotinentzug gibt es nur in einigen wenigen Kliniken, welcher jedoch im Allgemeinen selbst bezahlt werden müsste.“

Am besten in der Gruppe

Aus ihrer Erfahrung weiß Lucki, dass Gruppenangebote für den Rauchausstieg am besten sind. Hier könne man sich über Misserfolge und Schwierigkeiten austauschen und habe nicht das Gefühl, allein mit seinem Problem zu sein. In dem Kurs gehe es zunächst darum, den Rauchstopp vorzubereiten. Zwischen der zweiten und der dritten Sitzung solle die letzte Kippe geraucht werden. „Den Ausstieg sollte man bewusst gestalten. Man sollte sich genau überlegen, welcher Tag sich dafür eignet, was man stattdessen machen könnte und in der Zeit davor sein Rauchverhalten untersuchen.“ Viele Menschen hätten Angst, dass der Rauchausstieg mit Entzugserscheinungen verbunden sei oder sie danach zunehmen würden. Hier sei es wichtig, offen über diese Befürchtungen zu sprechen und diese in Relation zu stellen: „Was sind vorübergehend zwei Kilo mehr, wenn man dafür nicht mehr raucht?“

Der Rauchentwöhnungskurs umfasst sechs Sitzungen, wird zwei Mal im Jahr angeboten und von den Krankenkassen mitfinanziert. Das gilt zum Beispiel für Mitglieder der Barmer, der AOK und der TK. Wichtig sei auch, die eigenen Trigger kennenzulernen, erklärt Monika Lucki. Man sollte sich die Frage stellen, was einen zur Kippe greifen lässt. „Das kann auch bedeuten, dass man sich mit Freunden einige Zeit lang nicht mehr zur Mittagspause trifft, wenn dort immer geraucht wird.“ Es sei hilfreich, das eigene Umfeld mit in das Vorhaben einzubeziehen.

Pflaster und Co. können beim Ausstieg helfen

Ebenfalls unterstützend können Nikotinersatzprodukte sein. Sie sollen das Verlangen nach einer Zigarette sowie typische Entzugssymptome wie Unruhe oder Reizbarkeit lindern. Es gibt sie in Form von Pflastern, Kaugummis, Lutschtabletten oder Sprays. Je nach Bedarf führen sie dem Körper Nikotin zu – entweder kontinuierlich über mehrere Stunden verteilt oder gezielt in Situationen, in denen die Lust auf eine Zigarette zu groß wird. Im Unterschied zum Rauchen kommen Nikotinersatzprodukte ohne die gesundheitsschädlichen Stoffe aus, die beim Verbrennen einer Zigarette entstehen. „Unsere Erfahrung ist, dass man für den Ausstieg am Anfang immer ein Nikotinpflaster braucht. Man startet mit der höchsten Dosierung und reduziert diese schrittweise“, erklärt Apothekerin Ludmila Olmo von der Easy Apotheke. Sie und ihr Team helfen dabei, das passende Produkt zu finden und dieses korrekt anzuwenden. Und: Seit Kurzem besteht die Möglichkeit, sich Nikotinpflaster vom Arzt verschreiben zu lassen. Dafür muss dieser eine schwere Nikotinabhängigkeit feststellen. Mit dem Rezept werden die Kosten für das Pflaster dann von der Krankenkasse übernommen.

Nikotinersatzprodukte können auch helfen, wenn man mit dem Vapen aufhören möchte. Im Rauchentwöhnungskurs der Caritas spielen Vapes jedoch nur eine untergeordnete Rolle, weil Monika Lucki dort mit Biofeedback-Methoden arbeitet, die bei den E-Zigaretten nicht anschlagen. Eine „gesunde“ Alternative zur Zigarette sind sie aber nicht – wer danach sucht, sollte mit dem Rauchen aufhören oder die Anzahl gerauchter Zigaretten deutlich reduzieren. Rückschläge bei diesem Vorhaben sollte man einkalkulieren und sich nicht von ihnen entmutigen lassen, betont Lucki: „Das ist wie bei Sport oder bei der Ernährung. Es geht um langfristige Veränderungen.“

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