Giesen - In der Gemeinde Giesen hat sich die Hochwasserlage am Mittwoch entspannt. Doch die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Feuerwehr haben trotzdem noch alle Hände voll zu tun. Und die Retter bleiben vorerst wachsam, die Schutzmaßnahmen weitgehend erhalten.
Auch wenn aktuell keine Gefahr mehr durch das Wasser droht, ist am Mittwoch das Gewusel rund um den Meerweg in Giesen und den dortigen Flutgraben groß. Die Feuerwehr hat in den vergangenen Tagen an der Stelle eine Schutzwand aus 1,20 Meter hohen Tonnen aufgebaut, gefüllt mit Wasser und verbunden mit einer Folie. AquaRiwa nennt sich das System.
400 Meter Schutzwand
Jetzt sammeln die Feurwehrleute die Schläuche ein, mit denen die Tonnen gefüllt wurden. Doch der mobile Schutzwall soll stehen bleiben – „locker noch zwei Wochen“, wie Gemeindebrandmeister Julian Goldammer berichtet. Das gilt für die knapp 200 Meter lange Barriere am Flutgraben bei Giesen ebenso wie für die rund 400 Meter AquaRiwa-Wand zwischen Ahrbergen und Giesen.
Goldammer steht inmitten der Feuerwehrleute zwischen Einsatzwagen und Schläuchen, die gerade aufgerollt werden, und zieht Bilanz. Insgesamt 650 Männer und Frauen waren in den vergangenen Tagen im Einsatz, um Giesen, Hasede und Ahrbergen vor den erwarteten Wassermassen zu schützen. Neben den Kräften der Giesener Gemeindewehr waren auch Feuerwehrleute aus Nordstemmen, Gronau, Algermissen und Söhlde im Einsatz – vor allem, um Sandsäcke zu füllen. Hinzu kamen allein 150 Frauen und Männer der Kreisfeuerwehrbereitschaftschaft Holzminden. Die hatten sogar 1400 bereits gefüllte Sandsäcke und eine Sandsackfüllmaschine im Gepäck.
Auch Helfer vom THW im Einsatz
Neben den Feuerwehrleuten waren auch Einsätzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) aus verschiedenen Regionen Deutschlands sowie der Versorgungszug des Landkreises Hildesheim zum Helfen in der Gemeinde Giesen. Und schließlich wurden Goldammer und seine Kameradinnen und Kameraden von Landwirten und Unternehmern unterstützt, die mit Fahrzeugen und Arbeitskraft aushalfen – sowie von vielen freiwilligen Helfern aus der Bevölkerung.
Gemeindebrandmeister Goldammer bedankt sich ausdrücklich für das hohe Engagement der ehrenamtlichen Helfer. Dies sei auch deswegen besonders bemerkenswert, weil viele Familien an den Feiertagen weitgehend auf Mutter oder Vater, die im Einsatz waren, verzichten mussten. „Es war eine schwierige Zeit“, sagt Goldammer, „es war aber eine notwendige Maßnahme.“ Der Gemeindebrandmeister weiß, wovon er spricht. Goldammer hat selbst eine kleine Tochter, war an den Feiertagen insgesamt nur acht Stunden zu Hause.
„Wir sind die ganze Zeit vor der Lage gewesen“
Insgesamt ging es für die Gemeinde Giesen glimpflich aus – zumindest bislang. Die Überflutung blieb aus, zu ernsthaften Schäden kam es nicht. Das Hochwasser blieb etwa einen Meter unter dem Stand von 2017. „Wir sind immer noch vor der Lage“, sagt Goldammer: „Wir sind die ganze Zeit vor der Lage gewesen.“ Das galt auch für die Situation in einem Hotel im Ahrberger Gewerbegebiet, das derzeit als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird. Am Dienstagabend noch wurde das Gebäude evakuiert, die Bewohner in die Grundschule Giesen gebracht, wo eilig Feldbetten aufgestellt worden waren. „Es bestand keine Gefahr für Leib und Leben“, sagt der stellvertretende Giesener Verwaltungschef Kai Niemetz. Die Evakuierung lief als reine Vorsichtsmaßnahme ab. Tatsächlich drang auch kein Wasser in das Gebäude ein. Am Morgen konnten die Flüchtlinge wieder in ihre Unterkunft zurückkehren.
Auch wenn also bislang alles glimpflich abgelaufen ist, blicken die Verantwortlichen weiter gebannt auf die Pegelstände. Und auf die Wettervorhersage, die für das nächste Wochenende neuen Regen prognostiziert. Doch für den Fall, dass der Wasserstand wieder steigen sollte, ist man nun mit Sandsäcken und Schutzwänden gerüstet, wie Goldammer erklärt: „Erstmal haben wir nun einen ordentlichen Puffer.“
