Im sozialen Brennpunkt

Wegen Müllsündern: Am Marienfriedhof in Hildesheim gibt es keine Wertstoffcontainer mehr

Hildesheim - Weil dreiste Anwohner einfach Sperrmüll und mehr dort abgestellt haben, gibt es an der Ecke von Butterborn und Lüntzelstraße in Hildesheim keinen Containerstandplatz mehr. Selbst Bußgelder haben nicht geholfen.

So sah es am Containerstandplatz Butterborn/Lüntzelstraße an einem besonders heftigen Tag aus. Foto: Stadt Hildesheim

Hildesheim - Immer wieder sah es vor dem Eingang des Hildesheimer Marienfriedhofs zuletzt aus wie auf einem Schlachtfeld: Alte Sofapolster, darauf unter anderem ein Wasserkocher und ein Topfdeckel, lagen umher – neben ausgedienten Fahrrad-Rädern und allerlei Textilien. Das ist zu sehen auf Fotos, die der Hildesheimer Stadtsprecher Helge Miethe dieser Redaktion zur Verfügung stellt. Mit dem Titel „Containerstandplatz Butterborn/Lüntzelstraße aufgelöst“ ist die Mitteilung der Stadt überschrieben, die die Bilder illustrieren sollen. Die Verwaltung hat die Wertstoffcontainer bereits entfernen lassen.

Zweckverband hat „erheblichen Mehraufwand“

Gesammelt werden an den derzeit 90 Containerstellplätzen in Hildesheim regulär Altpapier, Altglas und Altkleider. Am genannten Standplatz in der Innenstadt lagen aber immer wieder „sonstige Abfälle und insbesondere Sperrmüll“ neben den Behältern. Das habe „zu einer deutlichen Verschlechterung des Erscheinungsbildes“ geführt, schreibt der Stadtsprecher. Für den Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim (ZAH), der die Container leert, bedeuteten solche Zustände außerdem einen „erheblichen Mehraufwand“.

Probleme mit illegalen Ablagerungen, erklärt Miethe auf Nachfrage, gebe es auch an anderen Standplätzen im Stadtgebiet – „jedoch nicht in diesem Ausmaß“. An der Ecke von Butterborn und Lüntzelstraße beobachte die Stadt bereits „seit mindestens einem Jahrzehnt“ vermehrt illegale Müllablagerungen. In letzter Zeit habe sich die Situation allerdings derart stark zugespitzt, dass der ZAH fast täglich anfahren musste, um wieder Ordnung zu schaffen.

Grund dafür ist laut Stadt vermutlich, dass sich der Standort in einem sozialen Brennpunkt befindet. Zwar sei es gelungen, einige Verursacher unter den Anwohnern zu identifizieren. Gebracht hat das jedoch nichts: Trotz Bußgeldverfahren und Beratungsgesprächen habe sich nichts geändert. Somit sei die Auflösung die letzte Möglichkeit gewesen, erklärt Stadtsprecher Miethe.

Das Problem ließ sich einfach nicht beheben

Ein Ersatzstandplatz sei nicht geplant. Dass sich das Problem an andere Containerstandplätze verlagert, erwartet die Verwaltung nicht, denn: „Die Container am Butterborn wurden im letzten Jahr schon einmal testweise abgezogen, ohne dass es in der Folge zu solchen Müllablagerungen andernorts kam.“ Die Anzahl der Container sei aktuell „befriedigend“, heißt es aus der Pressestelle. Es sei aktuell weder geplant, neue Standplätze zu schaffen – dafür bräuchte es zusätzliche geeignete Flächen –, noch weitere Standplätze aufzulösen.

Könnte Videoüberwachung die Lösung sein, um Müllsünder vorbeugend in die Schranken zu weisen? Laut Stadt eher nicht. Im öffentlichen Raum unterliege sie „sehr hohen gesetzlichen Hürden (Stichwort Datenschutz)“, erklärt Miethe. Kameras könnten „nur im absoluten Ausnahmefall an Orten mit einer Vielzahl an Straftaten installiert werden“ – wegen einer Ordnungswidrigkeit sei „das nicht ohne Weiteres möglich“. Nicht zuletzt fehle es dafür auch an Personal und Geld. Prävention betreiben die Verantwortlichen stattdessen, indem der ZAH an betroffenen Standorten Schilder aufstellt und indem die Stadt über Pressemitteilungen sowie Social-Media-Kampagnen informiert.

Die nächsten Entsorgungsmöglichkeiten für Altpapier und Altkleider befinden sich an den Containerstandplätzen Katharinenstraße/Stresemannstraße sowie Oldekopstraße.

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