Ruthe/Kreis Hildesheim - Der Sarstedter Ortsteil Ruthe hat in den vergangenen Jahrzehnten schon viele schlimme Hochwasser erlebt – mit Überschwemmungen, durch die das Dorf an der Mündung von Innerste und Leine von der Außenwelt abgeschnitten war und nach denen Häuser abgerissen werden mussten. Doch nun fürchtet Ortsbürgermeister Christoph Haferland das höchste Hochwasser der jüngeren Geschichte: die Gesamtsituation und die aktuellen Prognosen seien für das Dorf fatal – und auch für den restlichen Landkreis dramatisch. Fest steht, dass Ruthe jetzt nur auch auf großen Umwegen überhaupt erreichbar ist.
Talsperre füllt sich schnell
Dass der Leine-Pegel bei Burgstemmen leicht gefallen sei, sei gut und schön, sagt Haferland, der selbst viele Jahrzehnte Erfahrung mit Hochwassern in Ruthe hat. „Aber hier ist die Leine noch einmal um 40 Zentimeter gestiegen.“ Die Innerste kann nicht abfließen und breitet sich auf den Feldern rund um das Dorf aus, auch ihr Wasserstand steigt weiter. Ein Durchlass vor dem Dorf, durch den in solchen Situationen Innerste-Wasser auf einem zweiten Weg Richtung Leine abfließen kann, ist inzwischen komplett voll. Die Verbindung von Ruthe nach Sarstedt ist nun komplett gesperrt, wie schon länger die Straße nach Heisede. Ruther dürfen lediglich noch über Schliekum das Dorf verlassen. Die Straße dorthin ist grundsätzlich auch gesperrt, Anlieger – also Ruther – dürfen aber passieren. Von Schliekum nach Sarstedt kommt man nun nur noch über erhebliche Umwege.
Was Haferland vor allem besorgt, ist die Lage an der Innerste-Talsperre. Die füllt sich derzeit rasant, war am Montagmorgen zu 94,2 Prozent ausgelastet. Bisher nimmt der Stausee 30 Kubikmeter pro Sekunde auf und gibt nur zehn ab – diese Menge würde sich wohl verdreifachen. „Dann dauert es 20 Stunden, bis die Welle hier ankommt, vorher trifft sie natürlich den ganzen Landkreis“, sagt Haferland. Am 26. oder 27. Dezember drohe also der Höchststand in Ruthe.
Barriere aus Sandsäcken
Ein noch größerer Faktor sei indes die Leine. Denn dort gehe es noch um ganz andere Wassermassen. Der Polder Salzderhelden bei Einbeck ist inzwischen zu 58 Prozent gefüllt – das Wasser wurde binnen weniger Tage aufgestaut. Inzwischen werden dort 200 Kubikmeter pro Sekunde abgegeben, Tendenz steigend. Angesichts der Flussmündung steckt Ruthe sozusagen im Würgegriff von Innerste und Leine.
Aktuell will die Ruther Feuerwehr im Pfarrgarten eine Sandsack-Barriere aufbauen. Ziel ist es, zu verhindern, das Wasser von der Leine über die Ortsdurchfahrt in die Häuser und Gärten auf der Nordseite des Unterdorfs fließt. „Wir wollen das wenigstens mal ausprobieren“, sagt Haferland.
Dank an Einsatzkräfte
Die Stimmung im Ort kippe gerade. Anfangs seien die Ruther angesichts ihrer Erfahrung mit Überschwemmungen recht entspannt gewesen. Inzwischen steige die Anspannung deutlich. Doch eine Sache sei sehr positiv, sagt Haferland: „Ich finde es unglaublich, wie viele Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW trotz der Feiertage dabei sind und uns helfen, das ist alles andere als selbstverständlich!“
Auch am Montag informiert die HAZ wieder per Liveticker über die aktuellen Entwicklungen.

