Hildesheim - Zwischen Bahnhof und Kaiserstraße vermehrt sich der Leerstand. Zum Beispiel in der Bernwardstraße 4, wo das Sanitätshaus Nicolai zuhause war: Leere. Ebenso am Übergang vom Angoulêmeplatz zur Osterstraße, wo große Plakate eines Immobilienunternehmens das Ladenlokal anpreisen.
Die derzeit geschlossene Shisha-Bar neben dem Eingang zur kleinen Passage, die zu einer Spielethek und zur Kneipe Alter Fritz führt, wird derzeit renoviert und macht wieder auf, sobald die Corona-Regeln das erlauben. Das große Eckhaus zur Jan-Pallch-Straße hin wird zumindest temporär genutzt und bespielt. „Caring Structures“ heißt die Ausstellung des Kunstvereins, die hier noch bis zum kommenden Samstag, 9. Januar, zu sehen sein wird. Nora Brünger, die künstlerische Leiterin des Projekts, hält eine Verlängerung bis Mitte Februar für möglich: „Durch Corona konnten wir die Ausstellung größtenteils nur über die Schaufenster und online zeigen“, sagt sie, „deshalb wäre das für uns schon sinnvoll.“
Auch das Sanitätshaus Nicolai ist ausgezogen
Kunstprojekten wie diesem, das unter dem Titel „Cultural Hub“ mit weiteren Ausstellungen fortgesetzt werden soll, kommt Leerstand oft zugute: „Wir zahlen hier nur die Nebenkosten, das ist für uns ein riesengroßer Vorteil.“ Den Kontakt zum Vermieter und die günstigen Konditionen hat dem Verein Eckhard Homeister vermittelt, der sich bei der Stadt Hildesheim um die Wirtschaftsförderung kümmert und zudem demnächst auch für den Bereich Citymanagement eine halbe Stelle als Verstärkung und ein eigenes Budget von 50 000 Euro bekommen soll. Um einem Leerstand entgegenzuwirken, der zwischen Bahnhof und Kaiserstraße schon Realität zu werden scheint.
Die Pandemie beschleunigt, was ohnehin im Gang ist
Der Hintergrund der Citymanagement-Initiative der Stadt ist die allgemeine Zunahme der Leerstände in der Innenstadt. Die letzte Erhebung aus dem vergangenen Jahr zählte rund 60 Leerstände zwischen Bahnhof und Schuhstraße einschließlich Oster- und Scheelenstraße. Inzwischen dürften –wie am Angoulêmeplatz – weitere dazugekommen sein. Und die Innenstadt werde durch Corona und deren Folgen noch stärker unter Druck geraten, ist Oberbürgermeister Ingo Meyer sicher. Die Pandemie beschleunige Prozesse, die ohnehin in Gang seien. So werde der Online-Handel deutlich wachsen.
