Hannover/Nordstemmen - Im Streit der Welfen um das Schloss Marienburg hat das Landgericht Hannover sein Urteil gesprochen: Ernst August Junior – beziehungsweise die Stiftung Schloss Marienburg – muss das Schloss in Pattensen nicht an den Welfenchef Ernst August Senior zurückgeben.
Das hat die 16. Zivilkammer des Landgerichts Hannover am Freitag entschieden. „Die Klage wird abgewiesen“, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Heuer. Ernst August Senior und die EAH Betreibungs-GmbH Salzburg, an die der Welfenchef einen Teil seiner Ansprüche abgetreten hatte, müssen die Kosten des Verfahrens tragen – der Welfenchef zu 21 Prozent, die GmbH zu 79 Prozent.
Zerwürfnis zwischen den Welfen
Hintergrund des Verfahrens war ein Zerwürfnis zwischen Welfenchef Ernst August von Hannover und seinem gleichnamigen Sohn. Der Vater hatte den Junior verklagt. Er warf seinem Sohn, der die im Unterhalt kostspielige Marienburg mittlerweile in eine Stiftung mit dem Land Niedersachsen und der Region Hannover überführt hat, groben Undank vor. Der Senior hatte seinem Sohn das Schloss in Pattensen 2004 geschenkt.
Vor dem ersten Verhandlungstag im März hatte der Vater die Klage dann überraschend zurückgezogen. Allerdings hatte er verschiedene Forderungen – darunter den Anspruch auf die Marienburg – zuvor bereits an die EAH Betreibungs-GmbH Salzburg verkauft, die nunmehr als alleinige Klägerin auftritt. Hätte der Sohn verloren, wäre das Schloss also an die GmbH fallen.
Streit auch um Kunstschätze der Welfen
In dem Verfahren ging es auch um das Fürstenhaus in Herrenhausen und das Hausgut Calenberg in Pattensen, das der Junior jedoch schon vor Jahren verkauft hat. Außerdem sah sich Ernst August junior mit Herausgabeansprüchen konfrontiert.
Dabei ging es unter anderem um kostbare Kutschen im Historischen Museum. Die Kutschen stehen dort seit Jahrzehnten als Leihgabe des Welfenhauses. Anders als von Ernst August junior behauptet, seien die historischen Vehikel jedoch nie Eigentum des Sohnes geworden, hatte Rechtsanwalt Volker Römermann argumentiert.
Welfen-Streit schwelt seit Jahren
Der skandalumwitterte Welfenchef liegt seit Jahren mit seinem Sohn im Clinch. Vor fünf Jahren erschien er nicht zu dessen Hochzeit, die in der Marktkirche mit viel Prominenz gefeiert wurde.
Und er warf seinem Sprössling vor, ihn 2012 gegen seinen Willen und mit „fadenscheinigen (falschen) Gründen“ aus dem Vorstand der Herzog-von-Cumberland-Stiftung gedrängt zu haben, die immense Vermögenswerte der Welfen verwaltet.
Das Urteil des Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Die EAH Betreibungs-GmbH Salzburg hat nach Zustellung des Urteils nun einen Monat Zeit, in Berufung beim Oberlandesgericht in Celle zu gehen. Danach stünde noch der Rechtsweg zum Bundesgerichtshof offen. Der Streit kann sich folglich noch Jahre hinziehen.
Das ist die Marienburg
Schloss Marienburg gilt als Norddeutschlands einziges Königsschloss. Um 1860 ließ Hannovers letzter König Georg V. das Gebäude bei Nordstemmen im neugotischen Stil errichten. Die nach dem Vorbild mittelalterlicher Höhenburgen gestaltete Anlage war ein Geschenk an seine Frau Marie. Das Schloss blieb auch im Privatbesitz der Welfenfamilie, als Georg V. nach dem verlorenen Krieg gegen Preußen 1866 ins Exil gehen musste und Hannover annektiert wurde.
Im Jahr 2004 übertrug Welfenchef Ernst August von Hannover das Schloss als Schenkung an seinen Sohn. Der Erbprinz überführte die Marienburg mitsamt großer Teile des Inventars im Januar 2020 in eine gemeinnützige Stiftung Schloss Marienburg. In deren fünfköpfigem Stiftungsrat übernahm er auch den Vorsitz. Daneben sind dort die Region Hannover und das Land Niedersachsen mit zwei Sitze vertreten. Die öffentliche Hand hat also eine Mehrheit.
Mit insgesamt 27,2 Millionen Euro, finanziert von Bund und Land, soll die Burg in den kommenden Jahren komplett saniert werden.
Von Karl Doeleke

