Hildesheim - Wenn der Chirurg seine Patienten operiert, ohne sie zu berühren und selbst OP-Instrumente in den Händen zu halten – dann ist wohl Da Vinci im Spiel. Das Robotersytem des US-Unternehmens Intuitive Surgical wurde vor mehr als 20 Jahren zum ersten Mal in der Medizin für äußerst exakte und schonende Eingriffe eingesetzt und seitdem immer weiter entwickelt. Nun finden erstmals auch direkt in Hildesheim durch Da Vinci unterstützte Operationen statt: Das St. Bernward Krankenhaus hat ein neues Modell des Systems angeschafft und in den Kauf, den Umbau des Operationssaals und der Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte sowie die Schulungen der Operationsteams rund 2,5 Millionen Euro investiert.
Der Roboter unterstützt, der Mensch bleibt Operateur
Einer, der davon vollends begeistert ist, ist Chefarzt Dr. Markus Ulbrich. Der Mediziner nutzt den Roboter seit Februar für Operationen in der Urologie. Auch Prof. Jörg Pelz, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- & Onkologischen Chirurgie ist ein Da Vinci-Fan und -Nutzer. Beide haben sich intensiv schulen lassen und auf den Beginn der praktischen Arbeit mit dem System vorbereitet, wollen den maschinellen Kollegen nicht mehr missen.
Bei den Eingriffen sitzt der Chirurg gut zwei Meter entfernt vom Patienten an einer Konsole und schaut in einen Bildschirm, auf dem er Bilder aus dem Innern des operierten Körpers in extrem hoher Auflösung und mehrfach vergrößert sieht. Seine Finger stecken dabei in kleinen Schlaufen, die Bewegungen werden auf die Arme des Roboters und die daran arretierten Instrumente übertragen. Absolut exakt, so ruhig, wie keine menschliche Hand es auf Dauer könnte. Neben den zwei Armen, die aktiv eingreifen, hat der Roboter noch zwei weitere, die etwa Gefäße abklemmen können. „Wenn es heißt, sie würden mit Hilfe eines Roboters operiert, denken nur die wenigsten Patienen noch, da sei gar kein Mensch am Werk“, sagt Ulbrich. Den allermeisten sei bereits durch Vorgespräche mit den Fachärzten klar, dass die eigentlichen Operateure nach wie vor Chirurginnen oder Chirurgen seien, die durch die Maschine unterstützt werden. Und so auf insgesamt sechs Arme kommen.
Einer der ersten Patienten, der im BK Bekanntschaft mit Da Vinci gemacht hat, war der Hildesheimer Uwe Bock. Der 68-Jährige musste an der Prostata operiert werden und hatte seinen Eingriff durch Markus Ulbrich am 12. März. Er zeigt sich äußerst zufrieden mit dem Ergebnis: „Das ist eine hervorragende Sache.“ Ihm sei klar gewesen, dass das System neu am BK ist, Bedenken habe er keine gehabt. Im Gegenteil: Ihn hätten die versprochenen Vorteile überzeugt – etwa, dass er die Klinik schneller verlassen könne. „Normalerweise bleiben die Patienten rund eine Woche auf der Station, nach einer Operation mit Da Vinci ist die Liegedauer meist nur drei Tage.“
Helios Hildesheim vermittelt Patienten nach Salzgitter
Neben dem BK setzt auch das Helios Klinikum auf die Fähigkeiten eines Da Vinci-Roboters. Allerdings finden die Eingriffe nicht direkt im Hildesheimer Krankenhaus statt: Das Hildesheimer Haus ist 2022 eine Kooperation mit dem Helios Klinikum Salzgitter eingegangen, wo der Roboter steht. Die Patienten werden zunächst in Hildesheim untersucht, in Salzgitter operieren Ärzte sie dann wie im BK in der Allgemeinchirurgie, der Urologie und darüber hinaus auch in der Gynäkologie.

